Ayaan Hirsi Ali: Islamismus ist mit Waffen nicht zu besiegen

Ayaan Hirsi Ali schreibt in einem Essay in der WELT, dass sich mit Luftschlägen, Drohnen oder Bodentruppen der Islamismus nicht besiegen lässt. 

Sie schreibt: "Jahrelang haben wir für Kriege gegen 'Terror' und 'Extremismus' Billionen ausgegeben. Diese wären weitaus besser investiert worden, um muslimische Dissidenten zu schützen und ihnen die Plattformen und Ressourcen zu bieten, um dem gewaltigen Netzwerk der islamischen Zentren, Koranschulen und Moscheen, den Hauptverantwortlichen für die Ausbreitung der gefährlichsten Formen des Islamismus, etwas entgegenzusetzen."

Ali kritisiert, dass wir jahrelang die Finanziers des Terrors, Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate, als Bündnispartner betrachteten und unterstützten. "Weil wir anfangs nicht wahrhaben wollten, dass islamischer Extremismus auch etwas mit dem Islam zu tun hat. Noch immer fixieren wir uns auf die Gewaltausbrüche, aber nicht auf die Anschauungen, die sie hervorrufen."

"Trotz allem heißen wir fundamentalistische Prediger in unseren Städten willkommen und sehen tatenlos zu, wie sie mit Hetzreden Tausende unzufriedener junger Menschen radikalisieren. Und weitaus schlimmer: Wir unternehmen fast keine Versuche, dem Missionswerk der Medina-Muslime etwas entgegenzusetzen. Wenn wir diese Politik der kulturellen Nichteinmischung weiterbetreiben, werden wir uns aus der Logik des aktuellen Krieges niemals befreien."

Ayaan Hirsi Ali plädiert dafür, aus den Erfahrungen des "Kalten Krieges" zu lernen und im Falle des Islamismus ebenso auf ideologischer Ebene zu agieren, wie es in jener Zeit geschah.

Quelle

Kommentare (7)

David (nicht überprüft)

Do. 9 Apr 2015 - 15:09

"Heute stellen viele Dissidenten – ehemalige Muslime und Reformer – den Islam infrage, werden aber im Westen entweder ignoriert oder als "nicht repräsentativ" abgetan – ein schwerer Fehler. Reformer wie Tawfik Hamid, Irshad Manji, Asra Nomani, Maajid Nawaz, Zuhdi Jasser, Bassam Tibi, Saleem Ahmed, Yunis Qandil, Hamed Abdel-Samad, Seyran Ates, Necla Kelek und viele andere brauchen Unterstützung und Schutz."

Traurig aber wahr.

Magdl (nicht überprüft)

Do. 9 Apr 2015 - 16:40

Luftschläge, Drohnen, Bodentruppen - sind das denn Mittel, die der Humanistische Pressedienst im Kampf gegen "den Islamismus" befürwortet? Gibt es gar keine kritische Distanz mehr zur Springerpresse und dem Militarismus?

F. Nicolai (nicht überprüft)

Do. 9 Apr 2015 - 18:49

Antwort auf von Magdl (nicht überprüft)

Haben Sie den Artikel gelesen? An welcher Stelle vertritt der hpd die Auffassung, dass kriegerische Mittel angemessen sind?

In der Unterüberschrift des WELT-Artikels steht "Mit Luftschlägen, Drohnen oder Bodentruppen allein lässt sich der Islamismus nicht besiegen." Ayaan Hirsi Ali befürwortet diese somit, und der HPD äußert keinerlei Kritik daran.

Soweit ich lesen konnte, ist dies der vollständige Untertitel:

"Mit Luftschlägen, Drohnen oder Bodentruppen allein lässt sich der Islamismus nicht besiegen. Wie im Kalten Krieg müssen wir ihm eine alternative Vision entgegenstellen"

Sehen Sie den Unterschied?

Im Prinzip haben Sie natürlich recht. Dennoch sollte man wohlwollend unterstellen, dass es sich um eine ungeschickte Formulierung handelt. Lesen Sie doch einmal ein Buch von Ayaan Hirsi Ali, dann wissen Sie, dass Frau Ali für einen gewaltfreien, toleranten und kritischen Umgang mit dem Islam steht.

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