Zugang für menstruierende Touristinnen verboten

Bali und die "reinen" Tempel

Die Tempelanlage Besakih
Die Tempelanlage Besakih auf Bali

Frauen auf Bali dürfen schon seit Jahrhunderten die hinduistischen Tempel nicht betreten, wenn sie menstruieren. Menstruationsblut gilt auf Bali als "unrein". Dieses Verbot soll nicht etwa gestrichen, sondern auf Touristinnen ausgeweitet werden. Kritiker:innen argumentieren, dass solche Regelungen auf überholten und patriarchalischen Ansichten basieren, die Frauen diskriminieren und stigmatisieren.

Der balinesische Gouverneur Wayan Koster hat neue Regeln eingeführt, um das Verhalten von Touristen zu regulieren. Eine Regel ist das explizite Verbot für menstruierende Touristinnen, Tempel zu betreten. Ziel sei es, respektloses Verhalten von Besuchern einzudämmen und die kulturelle Integrität der Insel zu bewahren. Denn die einheimischen Frauen auf Bali dürfen schon lange nicht in einen Tempel gehen, wenn sie "ihre Tage" haben.

Hinduismus auf Bali schreibt vor, was "unrein" ist

Wie diese Regelung in der Praxis durchgesetzt werden soll, ist unklar. Die "Insel der Götter", wie Bali oft genannt wird, zieht jährlich Millionen Besucher an. Zwischen Reis-Terrassen, Surfwellen und Yoga-Retreats entdecken Touristinnen auch die Tempel des balinesischen Hinduismus. Dieser unterscheidet sich deutlich vom Hinduismus in Indien – sowohl in der Theologie als auch im Alltag. Auf Bali steht zum Beispiel das Gleichgewicht zwischen "rein" und "unrein" (Sekala und Niskala) im Zentrum des spirituellen Denkens. Genau daraus speist sich auch das Tempelverbot für menstruierende Frauen, denn Menstruationsblut gilt als "unrein". Aber nicht nur Frauen, auch Männer, die sich in einem unreinen Zustand befinden – etwa nach einem Todesfall in der Familie – dürfen für eine gewisse Zeit keine Tempel betreten.

"Unangemessene" Fotos an reinen Orten

Der Ausschluss menstruierender Frauen basiert auf einem rituellen Reinheitskonzept, nun gilt er auch für Besucherinnen. "Dies stellt sicher, dass Balis Tourismus respektvoll, nachhaltig und im Einklang mit unseren lokalen Werten bleibt", erklärte Koster bei der Vorstellung der Richtlinien. In den letzten Jahren kam es vermehrt zu Zwischenfällen, bei denen Tourist:innen durch respektloses Verhalten gegenüber heiligen Stätten und lokalen Bräuchen auffielen. Beispiele hierfür sind das Posieren für "unangemessene" Fotos an religiösen Orten, das Klettern auf heilige Bäume oder das Betreten von Tempeln in "unpassender" Kleidung.

Im Kern sagt dieses Verbot eins: Der weibliche Körper in seiner natürlichen, gesunden Funktion gilt als "unrein". Viele Frauen reagierten in den Sozialen Medien mit Unverständnis und Ärger. Unter dem Post einer Bali-Influencerin auf Instagram schrieb eine Nutzerin, sie halte die Regel für "frauenverachtenden Bullshit". Andere stimmten zu: "Da fühlt man sich doch direkt ausgegrenzt und als Frau nicht vollwertig", kommentierte eine Userin.

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Kommentare (2)

Klaus Bernd (nicht überprüft)

Do. 24 Apr 2025 - 13:22

Wieder mal ein Beispiel dafür, wie das Wort Respekt und seine Formen zur beliebig gebrauchenden Waffe für Machthaber verkommt. Es rückt die im Duden genannte Bedeutung 1 in den Hintergrund
(„auf Anerkennung, Bewunderung beruhende Achtung“). Stattdessen rückt Bedeutung 2 in den Vordergrund: „vor jemandem aufgrund seiner höheren, übergeordneten Stellung empfundene Scheu, die sich in dem Bemühen äußert, kein Missfallen zu erregen“.
Zudem wird der Verzicht auf kritische Prüfung eines Narrativs oder einer Person mit der Einforderung von Respekt verknüpft.

Lachmann (nicht überprüft)

Do. 24 Apr 2025 - 14:18

Ein Resultat des Massentourismus?
Eine kritische Auseinandersetzung mit Tourismus und Influencern halte ich für Sinnvoll.

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