Gedenktage

London 14.3.1883

Karl Marx

(* 5. 5. 1818 Trier, Δ 14. 3. 1883 London)
Der Philosoph und Theoretiker des Sozialismus bereitete den Boden für die religionskritische Haltung der Arbeiterbewegung. Als Kind von seinen ursprünglich jüdischen Eltern evangelisch getauft, gehörte er zu den bedeutendsten Religionskritikern seiner Zeit.

Marx studierte in Bonn und Berlin Rechtswissenschaften und Philosophie. Er gehörte zunächst zu den Junghegelianern, die auf eine fortschreitende Veränderung der Gesellschaft in Richtung Demokratie setzten. Aufgrund dessen blieb ihm nach seiner Dissertation eine Hochschulkarriere in Preußen verwehrt. Er wurde Zeitungsredakteur und freier Wissenschaftler und begann eine eigenständige politische und ökonomische Theorie zu entwickeln. Bereits 1848 erschien das „Kommunistische Manifest. Aufgrund seiner politischen Tätigkeit, lebte Marx die meiste Zeit seines Lebens im Exil, zuletzt seit 1849 in London. 1864 beteiligte er sich federführend an der Gründung der Internationalen Arbeiter-Assoziation (kurz Erste Internationale) und nahm in ihr bis zur faktischen Auflösung 1872 die leitende Position ein. Er stand mit fast allen Führern der Arbeiterbewegung der einzelnen Länder in Verbindung.

Schon in seiner Dissertation (Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie 1841) hatte er atheistische und revolutionär-demokratische Positionen vertreten. In seiner Philosophie war Marx stark beeinflusst von Hegel und Feuerbach. Von Hegel übernahm er die Dialektik und verwarf dessen Idealismus. Von Feuerbach übernahm er den konsequenten Materialismus und dessen radikale Religionskritik. Dabei korrigierte er einige seiner metaphysischen Schwächen. Daraus entwickelte er zusammen mit Friedrich Engels den Dialektischen Materialismus. Diese neue Qualität in der Philosophie wandten sie auf die Geschichtsphilosophie an und schufen so den Historischen Materialismus. Bei Marx hatten freidenkerische Positionen geradezu fundamentalen Charakter in seinem ideologischen System. Die philosophische Prämisse: „Für Deutschland ist die Kritik der Religion im wesentlichen beendigt, und die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik" wurde für die nachfolgende sozialistische Bewegung zur Richtschnur.

Zitat.
„Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät. Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewusstsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. Die Religion ist die allgemeine Theorie dieser Welt, ihr enzyklopädisches Kompendium, ihre Logik in populärer Form, ihr spiritualistischer Point-d'honneur, ihr Enthusiasmus, ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt. Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist. Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks. Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist. Die Kritik hat die imaginären Blumen an der Kette zerpflückt, nicht damit der Mensch die phantasielose, trostlose Kette trage, sondern damit er die Kette abwerfe und die lebendige Blume brechen. Die Kritik der Religion enttäuscht den Menschen, damit er denke, handle, seine Wirklichkeit gestalte wie ein enttäuschter, zu Verstand gekommener Mensch, damit er sich um sich selbst und damit um seine wirkliche Sonne bewege. Die Religion ist nur die illusorische Sonne, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt."