Kommentar
Gen Z regelt: Und was kommt nach dem Protest?
Unter dem Motto „Gen Z regelt“ sind am 31. Oktober junge Menschen in zahlreichen deutschen Städten auf die Straße gegangen. Sie fordern bessere Bildung, ein bezahlbares Leben und mehr Mitsprache bei Entscheidungen über ihre Zukunft. Viele Medien berichteten jedoch vor allem über Ausschreitungen am Rande einiger Demonstrationen, kaum aber über die Forderungen der jungen Menschen.
Foto: © Leonhard Lenz via Wikipedia CC0 Creative Commons
Ich gehöre selbst zur Gen Z und kann den Unmut verstehen. Denn über Rente, Bildung und Sozialstaat wird seit Jahren gesprochen. Allerdings blieb der von Bundeskanzler Friedrich Merz propagierte „Herbst der Reformen” oder der erhoffte große Wandel, den die Koalition bringen sollte, bisher aus.
Umso ärgerlicher finde ich es, wie schnell die Anliegen von anderen Debatten überschattet wurden. Schülervertretungen distanzierten sich aufgrund unklarer Strukturen und der Sorge vor politischer Vereinnahmung. Auch Revolutionsparolen sorgten für Diskussionen. Wer bessere Schulen oder eine gerechtere Rente fordert, will nicht gleich unsere demokratische Ordnung überwinden. Dafür braucht es Reformen, keinen Umsturz.
Was nach dem Protest bleibt
Was mich mehr beschäftigt: Was passiert nach dem Protest? Demonstrationen machen Missstände sichtbar. Oft bleibt danach jedoch die Erwartung, dass sich nun „die Politik“ darum kümmern müsse. Dabei können wir selbst mehr tun, als alle paar Jahre wählen zu gehen und zu protestieren.
Demonstrieren muss niemand mit einem fertigen Gesetzentwurf. Wenn es jedoch um die Finanzierung einer Rentenreform oder um konkrete Änderungen an Schulen geht, müssen unterschiedliche Interessen ausgehandelt werden. Das erfordert Geduld, Kompromissbereitschaft und Menschen, die auch langfristig am Ball bleiben.
Genau das erlebe ich bei meiner Arbeit im Bundesvorstand der Partei der Humanisten. In einer Partei geht es oft darum, Menschen vor Ort zusammenzubringen, Projekte zu organisieren und auch dann weiterzumachen, wenn Erfolge auf sich warten lassen. Politik ist vor allem Arbeit mit Menschen.
Politik ist Arbeit mit Menschen
Die Proteste haben aber auch etwas gezeigt, das wir nicht unterschätzen sollten: Es gibt viele junge Menschen, die sich mit den politischen Verhältnissen nicht abfinden wollen und bereit sind, dafür auf die Straße zu gehen. Ich würde mich freuen, wenn daraus auch über die Demonstrationen hinaus etwas entsteht; wenn Menschen zusammenfinden, vor Ort Projekte anstoßen oder gemeinsam an politischen Reformen arbeiten.
Dabei müssen wir uns nicht auf die bekannten Parteien beschränken. Wer sich dort mit seinen Vorstellungen nicht vertreten fühlt, kann gemeinsam mit anderen selbst neue politische Angebote aufbauen. Gerade bei Fragen der Bildung, der Generationengerechtigkeit oder der Zukunft unseres Sozialstaats gibt es genügend Raum für neue Ideen. Auch für eine liberale und sozial verantwortliche Reformpolitik, die diese Probleme angehen möchte – ohne unsere demokratische Ordnung grundsätzlich infrage zu stellen – gibt es genügend Raum für neue Ideen.
Selbstverständlich muss sich niemand erst politisch engagieren, um Kritik üben zu dürfen. Aber Demokratie ist kein Dienstleistungsverhältnis, bei dem wir unsere Forderungen stellen und anschließend nur auf Ergebnisse warten. Sie erlaubt uns auch, selbst Verantwortung zu übernehmen und an Lösungen mitzuarbeiten.
Neue Angebote schaffen
Ich bin überzeugt, dass trotz der vielen Krisen eine bessere Zukunft möglich ist. Die Proteste zeigen, dass sich viele junge Menschen Veränderungen wünschen. Wenn daraus neue Ideen, gemeinsames Engagement und vielleicht sogar ein neuer politischer Wind entstehen, wäre das ein wirklicher Gewinn.
Denn die Zukunft unserer Generation wird nicht allein von denjenigen gestaltet, gegen deren Politik heute demonstriert wird. Wir können auch selbst daran mitarbeiten.
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