Rezension

Rezension

Filz und Altar

Der Religionsphilosoph Anton Grabner-Haider behandelt auf 137 Seiten in einem ersten und zweiten Teil des Buches die älteren und neueren Verflechtungen von Religion und Politik, wobei der Schwerpunkt seiner Ausführungen praktisch exklusiv den Vernetzungen, Verfilzungen und Verschmelzungen zwischen Kirchenchristentum und Staat gewidmet ist. Andere Religionen werden höchstens marginal gestreift.

Zum 100. Todestag von Jack London

Die missachtete philosophische und politische Dimension eines Schriftstellers

2016 ist gleich in doppeltem Sinne ein Jack London-Jahr: Es jährt sich sowohl sein 140. Geburtstag wie sein 100. Todestag. Der Autor gehört zu den meistgelesenen Schriftstellern der Welt. In Deutschland erschienen seine Romane meist gekürzt, wodurch der Eindruck von einem Jugend- und Spannungsautor entstand. Abenteuergeschichten aus dem Alaska der Goldrausch-Ära schrieb London tatsächlich. Aber die Reduzierung des Schriftstellers auf diese Sicht ist nicht angemessen. Denn sie unterschlägt sowohl die philosophischen Komponenten wie die politische Orientierung seines Werks.

Mara-Daria Cojocaru – Tierethikerin und Poetin

Tanz an der Schwelle des Bewusstseins

Mara-Daria Cojocaru lehrt an der Hochschule für Philosophie München Praktische Philosophie, darunter Tierethik. Jahrgang 1980, stand sie aber auch schon auf der Short List des Leonce-und-Lena-Lyrik-Preises. Nun ist von ihr ein Gedichtband erschienen, der so aufbegehrend wie etwas theoretisch "Anstelle einer Unterwerfung" betitelt ist.

Rezension

Die Frühgeschichte der USA ist bis heute prägend

Der Historiker Michael Hochgeschwender legt mit "Die Amerikanische Revolution. Geburt einer Nation 1763 – 1815" eine ausführliche und lesenswerte Studie zum Thema vor. Dabei widerlegt der Autor weit verbreitete Gründungsmythen, neigt aber mitunter auch zur Detailverliebtheit und hätte die ökonomischen Interessen noch stärker hervorheben können.

Eine kritische Betrachtung

Die Fehler des Westens und die "Welt-Unordnung"

Der Politikwissenschaftler Carlo Masala legt mit "Welt-Unordnung. Die globalen Krisen des Westens" eine knappe Abhandlung zum Thema vor, worin aus der Perspektive der "realistischen Schule" auf die Folgewirkungen eines "liberalen Imperialismus" eingegangen wird. Dem Autor gelingt eine anschauliche und informative Darstellung, die auch aus interessen- und machtpolitischer Perspektive auf die Fehler westlicher Interventionspolitik eingeht.

Rezension

Biographie einer US-Präsidentschaftskandidatin

Die USA-Korrespondentin der TAZ, Dorothea Hahn, legt mit "Hillary. Ein Leben im Zentrum der Macht" eine Biographie über die US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton vor. Es handelt sich um eine informative und sachliche Beschreibung, die auch das Thema "Die Clintons und das liebe Geld" in einem gesonderten Kapitel behandelt.

Robert Kaufmann: "Götter - Menschen, Menschen - Götter"

Der überfällige Abschied von Götzenbildern

Gemäß der Grundthese "Wissen ist mehr wert als Glauben" erläutert der Autor als Ich-Erzähler in sachlich klarer Sprache und mit sehr plausiblen Argumenten, dass es sich bei Gott/Göttern nur um die Erfindung von Menschen handeln kann. Er will sein Buch als "Tabubruch" im positiven Sinn verstanden wissen; als Appell, über "Gut" und "Böse" und über Fragen der Gerechtigkeit - ohne Rückzug auf vermeintlich von Göttern inspirierte "Autoritäten" - kritisch nachzudenken (S 318). Das Gebot, Inhalte zu glauben, sei durch ein Gebot, diese zu hinterfragen und geglaubte Inhalte im Hinblick auf ihren Wahrheits- und Qualitätsgehalt zu analysieren, zu ersetzen.

Ein Buch über das "Schweine-System"

Ausweg aus der Tierqual-Ökonomie

Der Tierarzt und "Food Watch"-Aktivist Matthias Wolfschmidt macht in seinem Buch "Das Schweine-System. Wie Tiere gequält, Bauern in den Ruin getrieben und Verbraucher getäuscht werden" den im Untertitel stehenden Zusammenhang deutlich. Es handelt sic ein gut lesbares, reportagenartiges Buch, das auf der Basis von Studien die erwähnten Verbindungslinien anschaulich macht und gegen Ende auch Forderungen formuliert und Protestformen skizziert.

Rezension

Karl war weder groß noch Vorbild

Rolf Bergmeier legt in seinem jüngsten Buch keine weitere Karl-Biografie vor, sondern versucht vielmehr, dem Historiker-Mainstream, der den Regenten zum "Vater Europas" hochstilisiert und entsprechend lobhudelt, entgegenzutreten. Zu Recht, meint Hans Trutnau.