Pietá der Tiere

BERLIN. (hpd) Die junge polnische Künstlerin Krystyna Jankowska hat als Abschlußarbeit ihres Diplomstudiums an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach ein großartiges und zutiefst berührendes Werk geschaffen: eine der römischen Pietá von Michelangelo nachempfundene lebensgroße Skulptur, in der eine Schimpansenmutter, auf einer Öltonne sitzend, ein totes Delfinkind im Schoße hält.

Die Künstlerin selbst sagt dazu, sie wolle in der Tradition religiöser Andachts- oder Vesperbilder - deren berühmtestes eben Michelangelos Pietá ist - für das Leid der Tiere sensibilisieren und zur Reflexion anregen über unseren Planeten und die Umwelt.

Krystyna Jankowska
Krystyna Jankowska

Interessant dabei ist, dass die Künstlerin, gleichwohl in einem streng Papst-Wojtyła-gläubigen Polen aufgewachsen, sich längst von Religion befreit hat und sich gerade deshalb ohne falsche Pietät des Pietá-Motivs bedienen kann, das, wie kaum eine Darstellung sonst - eine Mutter betrauert ihr totes Kind - inneres Mitgefühl erweckt. 

In ihrer katholisch-polnischen Heimat würde ihr die Skulptur als Blasphemie ausgelegt werden, sie bekäme vermutlich große Probleme, wollte sie sie dort zeigen.

Kommentare (2)

Kay Krause (nicht überprüft)

Mo. 4 Apr 2016 - 18:47

Eine wunderbare Skulptur, dziekuje bardzo Krystyna!
Aber es gibt immer und an allem etwas zu meckern, ich will mich da nicht ausschließen: schade, dass Sie nicht den Mut hatten, das Ölfass gelb zu bemalen und das Logo von"Shell" oder Consorten darauf zu zeigen. Wir müssen die Umweltzerstörer beim Namen nennen, mit den Fingern auf sie zeigen. Dabei passiert es allerdings auch häufig, dass der Finger auf unserer eigenen Nase landet.
Sollten Sie dieses lesen: ich hätte gerne eine Kopie (Din A4) Ihrer Skulptur und möchte sie gerahmt an die Wand hängen. Meine e-mail Nr. ist der Redaktion bekannt.

Klaus Bernd (nicht überprüft)

Di. 5 Apr 2016 - 13:29

Antwort auf von Kay Krause (nicht überprüft)

Ihrem Lob schließe ich mich gerne an, Ihrer Kritik aber muss ich widersprechen. Derartige Referenzen auf Shell und Konsorten würden das Kunstwerk allzusehr in die Nähe plakativer Agitation rücken wie sie z.B. von Greenpeace betrieben wird. Die ist zwar auch notwendig und oft auch sehr künstlerisch - vergleichbar etwa auch mit dem Aktionswagen zum 11. Gebot - n.m.M. aber auf einer anderen Ebene anzusiedeln als diese Skulptur.

Colin Goldner

Der Autor ist klinischer Psychologe, Sachbuchautor und Wissenschaftsjournalist. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Sekten, Psychokulte, sogenannte Alternativmedizin und sonstige Heilslehren aus aller Welt. Er wurde insbesondere aufgrund seiner Arbeiten über Tendzin Gyatsho (den gegenwärtigen Dalai Lama) sowie Bert Hellinger und dessen Familienaufstellungen bekannt. Sein Buch über die Psychoszene setzte Standards für die Beratungsarbeit. Seit 1988 schreibt er u. a.

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