Frauen waren und sind Pionierinnen humanistischen Denkens

Demo für sexuelle Selbstbestimmung, Berlin
Demo für sexuelle Selbstbestimmung, Berlin, September 2016

"Eine starke Demokratie braucht starke Frauen und humanistisches Denken stärkt alle Frauen, die ihr Leben gleichberechtigt und selbstbestimmt gestalten wollen", sagte Ines Scheibe, Vertreterin des Bundesvorstandes des Humanistischen Verbands Deutschlands heute in Berlin anlässlich des diesjährigen Internationalen Frauentages am 8. März.

Ines Scheibe rief auf, sich an den zahlreichen Veranstaltungen zu beteiligen, mit denen aus diesem Anlass an vielen Orten in der Bundesrepublik aktuelle Probleme thematisiert oder das Engagement für die Rechte von Frauen gefördert werden sollen. "Gleiche Rechte, gleiche Chancen und die Freiheit von Bevormundung oder Gewalt sind weder naturgegeben noch eine unbestrittene Selbstverständlichkeit – auch in unserer Gesellschaft. Deshalb bleibt es von großer Wichtigkeit, dass wir uns gemeinsam für ein freies und würdevolles Leben einsetzen", so Ines Scheibe weiter.

HVD

Gegnerinnen und Gegner emanzipationsfördernder Lebensverhältnisse seien immer noch in allen Teilen Deutschlands, Europas und der Welt zu sehen: in Gestalt rechtskonservativer Politiker, als fundamentalistische und dogmatische Vertreter religiöser Weltbilder oder als Befürworter des marktradikalen Abbaus sozialstaatlicher Strukturen, mit denen der ökonomische Ausgleich und die Gewährleistung selbstbestimmter und würdiger Lebensverhältnisse für alle Menschen angestrebt werden. "Gegnerinnen und Gegnern der Emanzipation finden sich auch dort, wo mehr oder weniger alltäglich auf verschiedene Weise stereotype Vorstellungen und Verhältnisse reproduziert werden, laut denen Frauen aufgrund ihres Geschlechts untergeordnet, von Männern abhängig oder für andere 'verfügbar' zu sein haben", so Ines Scheibe, die seit 2012 ebenfalls im Koordinierungskreis des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung aktiv ist.

Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung in Berlin ruft zur Teilnahme an der Demonstration am 8. März ab 17 Uhr mit Beginn am Hermannplatz auf. "Wir leben nicht in einer geschlechtergerechten Gesellschaft; als Frauen sind wir von sexistischer Diskriminierung betroffen, wir werden schlechter oder für manche Arbeit gar nicht bezahlt, wir haben gesellschaftlich weniger Einfluss oder wir sind sogar von Gewalt betroffen", so das Bündnis im Aufruf. Eine nach Bundesländern und Städten geordnete Übersicht zu allen bekannten Aktionen rund um den Frauen(kampf)tag 2017 ist im Blog der "Mädchenmannschaft" zusammengestellt worden.

Jedes heutige Engagement für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung von Frauen bildet somit nicht nur ein ehrendes Andenken an unzählige Vertreterinnen und Vertreter des Kampfes für die Rechte von Frauen in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten, der heutige Kampf dafür sichert zugleich ein Leben in Freiheit und in Würde für Frauen in folgenden Generationen, betonte Ines Scheibe. "Frauen waren und sind Pionierinnen humanistischen Denkens und Handelns, seit über 2.000 Jahren. Für die Herausforderungen der Zukunft braucht unsere globale Gesellschaft noch viel mehr solch selbstbewusster und kreativer Persönlichkeiten und zwar auf allen Ebenen unseres Lebens, also nicht nur in der Wissenschaft, der Politik oder den Künsten", sagte Scheibe dazu.

Als einen nicht nur symbolisch wichtigen, sondern auch politisch wertvollen Schritt für eine Gesellschaft, in der die Chancen, die Selbstbestimmung und die Würde von Frauen einen hohen Stellenwert haben, bezeichnete Ines Scheibe erneut die Verankerung des Frauentags als gesetzlichen Feiertag. Es sei in ihren Augen nicht nachvollziehbar, dass dem heute und auch in Zukunft geführten Kampf für gleiche Rechte und gleiche Chancen für Frauen diese Form der Anerkennung verwehrt bleibe. "Es ist eine Schande, dass wir auch mehr als 100 Jahre nach dem ersten international begangenen Frauentag das Thema auf diese Weise immer noch an den Rand des Berufsalltags gedrängt sehen. Alle Politikerinnen und Politiker in den Parlamenten der Bundesländer, denen das Engagement für die Rechte der Frauen am Herzen liegt, müssen sich daher auch hier für den Fortschritt starkmachen", so Ines Scheibe.

Kommentare (8)

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Mi. 8 Mär 2017 - 23:05

Dazu passte zum selben Datum auf arte "We want sex"(ual equality) = gleicher Lohn für Frauen und Männer bei gleicher Arbeit. 'Ne 68er-Revolte, aber zeitlos gültig.
Noch drastischer, aber wahrlich noch gültiger, hinterher erstmals im free-tv auf 3sat "Das Mädchen Hirut": http://www.3sat.de/page/?source=/film/191035/index.html
Offenbar (leider) nicht in der Mediathek.

In welchem Tarifvertrag in Deutschland ist denn vereinbart, dass Frauen bei gleicher Arbeit weniger verdienen als Männer?
Zitat: "Aus 22 Prozent werden zwei Prozent Unterschied"
http://www.focus.de/finanzen/experten/oekonomenblog/luegen-mit-statistiken-verdienen-frauen-wirklich-weniger-und-was-heisst-arm-wie-uns-statistiken-taeuschen_id_5715220.html

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Mi. 8 Mär 2017 - 23:08

Noch dazu:
Machmal wünsche ich mir ein Matriarchat herbei...

Kay Krause (nicht überprüft)

Do. 9 Mär 2017 - 07:52

Frauen sind für mich nach wie vor gleichberechtigte Partner, und genauso möchte auch ich ein gleichberechtigter Partner der Frauen sein und bleiben. Männer unterdrückende Frauen sind für mich genau so widerwärtig wie oppositionsbedingt Frauen unterdrückende Männer.
Unterdrückung des anderen Geschlechtes, des Andersartigen hat stets nur mit Traditionen, Machtgeilheit und Dummheit zu tun!

Mark (nicht überprüft)

Do. 9 Mär 2017 - 09:14

Frauen können genauso rassistisch sein, wie Männer, viele Frauenrechtlerinnen des 19. Jahrhunderts waren rassistisch gegenüber Schwarzen, schwarzen Frauen und Nichtweißen.

pavlovic (nicht überprüft)

Do. 9 Mär 2017 - 10:27

Das Frauen die Pioniere humanistischen Denkens und Handelns sein sollen ist mir nicht bekannt. Oftmals war das Gegenteil der Fall hatten sie doch am meisten im Christentum unter der Entrechtung und Entbildung zu leiden. Wobei das Niveau der Bildung insgesamt ohnehin schon erschütternd niedrig war. Wo Frauen zum ersten Mal das Wahlrecht erhielten wählten sie meistens konservativ was progressive Frauen beklagten, aber es war so. Ähnlich wie heute wo naiv geglaubt wurde im nahen Osten dass bei demokratischen Wahlen dann auch Demokraten an die Macht kämen, eine fortschrittliche Diktatur kann hier mehr Menschen- und Frauenrechte absichern. Zuwenig wird die Macht der Frauen in der Kindererziehung problematisiert mit der weit verbreiteten schwarzen Pädagogik (gefördert durch die Kirchen). In evangelischen und katholischen Einrichtungen für die Betreuung von Kindern wirken auch heute noch überwiegend Frauen als Handlanger christlicher Negativpädagogik. Im Familienrecht gibt es in Deuschland schon lange eine Schieflage, was längst international gerügt wurde. Siehe z.B.: http://www.eucars.de/joomla/index.php/articles-in-english/family-courts

MGTOW (nicht überprüft)

Fr. 10 Mär 2017 - 10:29

Ein Matriachat wünschte ich mir im Gegensatz zu Angela Merkel manchmal auch herbei. Öhhhm...
Das dürfte Alice Schwarzer übrigens ähnlich sehen...

Was eine Esther Vilar (GBS-Beirat) über die Ansichten einer Ines Scheibe und zum Thema Matriachat zu sagen hat, fände ich allerdings wesentlich interessanter.

Humanistischer Verband Deutschlands

Der Humanistische Verband Deutschlands vertritt die Interessen und Rechte von Konfessionsfreien in Staat und Gesellschaft. Er bringt sich in aktuelle ethische Debatten ein und engagiert sich auf der Basis von Toleranz, Selbstbestimmung und Solidarität für eine menschlichere Gesellschaft. Als Weltanschauungsgemeinschaft ist er den Kirchen gemäß Art. 140 Grundgesetz gleichgestellt.

Weitere Artikel des Autoren
Unterstützen Sie uns auf Steady!

Mehr lesen über:

Verwandte Artikel