Schluss nach 50 Jahren

Die EMMA geht in den Ruhestand

Heute teilte die prominente Feministin Alice Schwarzer mit, dass „nach 50 Jahren und 398 Ausgaben mit 36.584 Seiten“ die feministische Zeitschrift EMMA „die Bühne verlässt“. Ein Rückblick.

EMMA-Logo

Als das erste Heft der EMMA erschien, wagte kaum jemand, an 50 Jahre Bestehen zu glauben. Gerade Kolleginnen und Kollegen der Journalistin und Herausgeberin Alice Schwarzer lästerten über das neue feministische Magazin. „Als die erste EMMA am 26. Januar 1977 erschien, war der Spott groß", erinnert sich Schwarzer in einer Pressemitteilung zum bevorstehenden Aus des Heftes. Man ging allgemein davon aus, "es werde höchstens noch eine zweite Ausgabe geben und dann wäre Schluss mit EMMA." Das war – wie sich heute zeigt – ein Irrtum.

Die EMMA war lange Jahre das Sprachrohr des erstarkenden Feminismus in Deutschland. In diesem halben Jahrhundert hat die Zeitschrift Deutschland ein Stück verändert und das Denken von Frauen wie Männern beeinflusst. Sie habe „informiert, aufgeklärt, analysiert und provoziert. Sie hat Debatten angestoßen, Gesetze geprägt und Menschen ermutigt.“

Nun geht ein Stück bundesdeutsche Geschichte zu Ende. Die Ausgabe vom 8. Dezember werde die letzte sein, teilte die 83-jährige Frauenrechtlerin mit. Wirtschaftliche Gründe seien dafür nicht ausschlaggebend, so Schwarzer an die Presse. „Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!”

Das könnte auch damit zusammenhängen, dass in den letzten Jahren einige Themen der EMMA zu kontrovers waren. Die Zusammenarbeit von Alice Schwarzer mit Sahra Wagenknecht (BSW) und ihre Haltung zum Krieg Russlands gegen die Ukraine veranlassten viele Menschen, ihr Abonnement zu kündigen und sich von der Zeitschrift abzuwenden. Auch Alice Schwarzers Positionen zu Transpersonen waren nicht unumstritten. Verbände und Organisationen wie der Bundesverband Trans* sowie der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) warfen ihr vor, mit Büchern und Artikeln in der EMMA transfeindliche Narrative zu verbreiten. Auch die „Auszeichnung“ der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann im Jahr 2024 als „Sexist Man Alive” durfte mit Fug und Recht als Fehlgriff interpretiert werden (der hpd berichtete).

Cover
Cover der vorletzten EMMA

Doch unabhängig von den Kontroversen der letzten Jahre, bei denen man sich fragen könnte, inwieweit die EMMA hier noch aktuelle feministische Positionen vertrat, muss konstatiert werden, dass die bundesdeutsche Geschichte ohne Alice Schwarzer und ihr Magazin anders verlaufen wäre. Denn immer wieder stieß es bedeutsame gesellschaftliche Debatten an. Die EMMA berichtete bereits im ersten Jahr ihres Bestehens über den Missbrauch von Kindern. Alice Schwarzer organisierte 1971 eine aufsehenerregende Aktion, die in dem berühmten Stern-Cover „Wir haben abgetrieben!“ gipfelte, bei der 374 Frauen öffentlich bekannten, dass sie eine Schwangerschaft abgebrochen hatten.

Schwarzer mischte sich zudem in die Beschneidungsdebatte ein und wies früh auf das Problem der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) hin. Auch das Erstarken des Politischen Islams beobachtete die Zeitschrift argwöhnisch. Und immer wieder befeuerte die EMMA Debatten über die Gleichberechtigung in Familie und Beruf. Damit veränderte sie ein ganzes Land. Bis zum Ende dieses Jahres. „Wir möchten die Emma in voller Kraft stehend beenden“, sagte Schwarzer der Zeit.

Manche ihrer Ideen werden weiterwirken. Das Archiv des Magazins wird in das Deutsche Literaturarchiv in Marbach überführt. Dort soll es dann ab 2029 Interessierten, Medien und Forschung offenstehen.

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