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Schieflastige Bildungspolitik in MV

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Schwerin / Foto: schwerin.de

SCHWERIN. (hvd-mv/hpd) Der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern des Humanistischen Verband Deutschlands ruft zu Toleranz und Diskurs auf und kritisiert den einseitigen Bibelwettbewerb des Bildungsministers. Der Verband stellt ihn in den Zusammenhang einer schieflastigen Bildungspolitik.

Der Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern, Henry Tesch, hat alle Schüler des Landes dazu aufgerufen, die Bibel zu lesen und sich an einem Bibelwettbewerb zu beteiligen.

Wörtlich hatte der Minister für Bildung formuliert: „Als Schirmherr des 5. Bibelwettbewerbs unter dem Motto „BIBEL HEUTE“ an den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern möchte ich Euch ganz herz¬lich zur Teilnahme einladen. Wenn Ihr die Bibel zur Hand nehmt und in ihr lest, erfahrt ihr viel über den Ursprung unseres Verhaltens, unserer Gewohnheiten und unseres Lebensablaufes. Ihr werdet merken, wie spannend es ist zu erfahren, wie stark die Bibel unser menschliches Denken und Handeln, unsere Sprache und unser Recht, unsere Wissenschaft und unsere Kunst geprägt hat.“ (Aus dem Flyertext zum Wettbewerb)

Massive Verletzung der staatlichen Neutralität

Der Vorsitzende des HVD Mecklenburg-Vorpommern, Jochen Stopperam, ist irritiert und entschieden gegen solche Wettbewerbe: „Als Humanisten treten wir ein für Toleranz und den Diskurs zwischen den Religionen und Weltanschauungen, jedoch auch für die Trennung von Staat und Kirche, welche von Minister Henry Tesch, hier sogar als Schirmherr auftretend, massiv verletzt wird. Zum wiederholten Male wird eine Sonderaktion zur Förderung der christlichen Religion vom Bildungsminister mitgetragen.“

Stopperam erinnert an das Gebot der weltanschaulichen Neutralität des Staates: „Hiermit wenden wir uns öffentlich gegen eine hinkende, schieflastige Bildungspolitik in Mecklenburg-Vorpommern. Der Bibelwettbewerb ruft nämlich nicht nur die Teilnehmer am Religionsunterricht auf, sondern alle Schüler. Alle andersgläubigen oder nichtgläubigen Schüler und Eltern verlieren auf diese Weise das Vertrauen darauf, dass der demokratische Staat religiös und weltanschaulich neutral ist, wie unser Grundgesetz es verlangt. Dieser Zustand ist nicht akzeptabel.“

Der HVD ordnet die Bibel ebenso in den korrekten historischen Kontext ein: „Wir Humanisten halten die Bibel für einen Teil unseres kulturellen Erbes wie andere Teile des Erbes auch. Wir kennen die Bibel und sagen, Minister Tesch charakterisiert sie mit seinen obigen Worten weit überhöht, so als wäre sie wirklich das Wort Gottes. In seinem politischen Amt darf er eine solche explizite Bevorzugung des Christentums wie auch jeder anderen Religion oder Weltanschauung nicht unterstützen.“

C.F.
 

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