spiegel.de 11 Mär 2010 Nr. 9028

Top-Exorzist: "Im Vatikan haust der Teufel"

(...) Rom - Im Alter von 84 Jahren haben die meisten Menschen bereits ein paar Jahrzehnte beschaulichen Rentnerdaseins auf dem Buckel. Nicht so der offiziell beauftragte Exorzist der Diözese Rom, Don Gabriele Amorth.

Der Teufelsaustreiber, zuständig für den Bischof Roms, Papst Benedikt XVI., übt sein Amt seit 1986 aus und wird nicht müde zu betonen, dass er in nicht weniger als 70.000 Fällen erfolgreich war. Dass man nirgends vor dem Antichrist gefeit ist, untermauerte der Padre nun in einem Gespräch mit der italienischen Tageszeitung "La Repubblica".

"Im Vatikan haust der Teufel", sagte Amorth einem Reporter des Blattes, den er am Krankenlager empfing. (...) "Wenn die Rede vom 'Rauch des Satans' ist, der in die heiligen Räume eingezogen ist, dann ist das wahr - auch, was die jüngsten Berichte über Gewalt und Pädophilie anbelangt", klagte Don Gabriele. Es gebe Kardinäle, die nicht an Jesus glaubten, und Bischöfe, die Verbindungen zum Teufel hätten. (...)

Amorth führt gern ins Feld, dass Papst Benedikt XVI. seine Arbeit schätze - in der Tat nahm der damals frisch gekürte Katholiken-Führer laut einem Bericht des SPIEGEL 2005 am Nationalkongress der italienischen Exorzisten teil und ermutigte die Anwesenden ausdrücklich, "mit ihrem wertvollen Dienst an der Kirche fortzufahren".(...)

Von Aufklärung der Missbrauchsfälle durch weltliche Institutionen ist im Gespräch mit dem "Repubblica"-Reporter nicht die Rede, ebensowenig von runden Tischen oder vermittelnden Ombutspersonen.

Wozu auch, liegt doch auf der Hand, wo der Urheber allen Übels sitzt. Don Gabriele fordert, in jeder Diözese einen Exorzisten einzusetzen. Er selbst, sagte der 84-Jährige, arbeite nämlich bereits sieben Tage die Woche: "Ich kann nicht überall sein."