Zustimmung bei der Gewaltrate. Das ist allerdings ein ganz anderes Problem, weil die Verengung auf Schutzräume schliesslich zu einer Segregation führen würde. Geschlechtertrennung a'la Viktorianismus oder in etlichen religiös-fundamentalistischen Gesellschaften. Ja, in unserem Fall aus besten Motiven, aber mit dem gleichen Outcome.
Es wäre auch nur ein Feigenblatt: Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen und Mädchen findet ganz überwiegend (70 bis >80%) im sozialen Nahraum statt. Partner, Angehörige, Kollegen, "Freunde"; https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/menschenrechtsschutz/berichterstattung/monitor-gewalt-gegen-frauen
Schutzräume für Frauen helfen hier nicht, solange alle Räume "draussen", inkl. des persönlichen Alltags in Familie, Job, Vereinen, etc., weiterhin von männlicher Gewalt in jeglicher Form dominiert werden.
Dann: "Das Geschlecht" als singuläres Kennzeichen gibt es so nicht. Was du so hinstellst ist die Vermutung angesichts der Präsentation, also: Welche Merkmale einer Person sehen wir und was mutmassen wir deshalb über sie.
Präsentation ist nur eine Dimension. Was du tatsächlich nicht siehst - normalerweise -, sind die vier Grund- und noch viel mehr Detail-Aspekte biologischer Geschlechtlichkeit. Genitalien, Gonaden, Genetik, Hormone. Es gibt Menschen, die Kinder geboren haben und erst viel später erfuhren, dass sie einen "männlichen" Chromosomensatz haben.
Was du auch nicht siehst - und was tatsächlich sehr viele Frauen, die du zu meinen glaubst, aus deiner Definition ausschliessen würde: Ob und welche Gameten eine Person produziert.
Heisst: wissenschaftlich nachweisbar sind zig einzelne Parameter, die durchaus nicht alle eindeutig sein müssen - und die für die Alltags-Geschlechtlichkeit, also die soziale Dimension faktisch bedeutungslos sind. "Das (biologisch-medizinische) Geschlecht" gibt es nicht. Maximal - schon wieder - der äussere Eindruck.
Medizinisch ist deshalb tatsächlich viel im argen, wenn dieser Anschein im Detail nicht zutrifft. Merke: Die Akten werden nach amtlichem Eintrag geführt; nicht anhand der körperlichen Details. Viele meiner trans Freundinnen wurden schon von Mediziner*innen nach Schwangerschaft und Verhütung gefragt. Sogar von Gynäkolog*innen.
Wo es richtig gefährlich wird: Wenn der Körper nicht in allen Belangen kongruent ist. Ca. 3% aller Menschen sind mehr oder weniger intergeschlechtlich. Viele ohne es je zu erfahren. Aber wenn Medikamente bei dir anders wirken oder dein Körper sich nicht ans Lehrbuch hält: Gute Chancen, dass du biologisch nicht ganz das bist, was du zu sein glaubst.
Und mal ganz deutlich: Für die Einschätzung, ob eine Person gefährlich sein kann, sind biologische Parameter weitgehend irrelevant. Erscheinung, Habitus und Verhalten umso mehr; womit wir wieder bei der Präsentation sind.
Nächster Punkt: Rechtliches, amtlich eingetragenes Geschlecht dient tatsächlich **nicht** der Identifikation. Auch nicht bei einer Fahndung. Auch hier ist es wieder die Präsentation.
Es gibt nämlich inzwischen vier amtliche Optionen und die sind weder von aussen erkennbar, noch stehen sie im Perso, im Führerschein oder sonstwo. Standen sie noch nie. Falls du also nicht zufällig eine aktuelle Geburtsurkunde oder Reisepass dabei hast, kannst du dein amtliches Geschlecht nicht mal spontan beweisen.
Ich weiss, was du willst und unterstütze dein Anliegen gegen männliche Gewalt. Ein Bashing auf trans Personen oder auf ein Gesetz, dass im Alltag - "an der Backtheke" - keinerlei Auswirkungen hat, hilft da allerdings kein Stück weiter.
Kein Täter (ohne *) wird sich die Mühe einer amtlichen Änderung machen, mit den Folgekosten für Papiere etc., bevor oder um gewalttätig zu werden.