Ja, die Frage ist, wo "sex" und wo "gender" der Knackpunkt ist, bzw. warum "sex" - und vor allem nach welcher Definition genau - an genau dieser Stelle relevant sein soll. Ich finde das nicht so einfach und pauschal beantwortbar.
Deshalb möchte ich an einer Stelle die Probleme und Unschärfen aufzeigen, weil die meisten Menschen wenig Erfahrung mit der Komplexität haben.

Wg. Geschlechtsidentität und Relevanz schriebst Du "Ist so nicht richtig, aber in einigen Fällen wie dem Saunabund tut es auch der Gesetzgeber und ich sehe da die Analogie zu einem Fitnessstudio. Auch im Sport geht es ja um single sex spaces. Männliche Anatomie ist nunmal anders, selbst wenn sie operativ geändert wurde."

Abgesehen davon, dass ein Gym (alle trainieren für sich) sich von Sportligen (Wettbewerb) unterscheidet, spricht der deutsche Saunabund in seiner Empfehlung(!) von primären Geschlechtsmerkmalen aka Genitalien, "die weiblich sind". Mit anderen Worten: nach Augenschein kein Penis, sondern vorhandene Vulva; https://sauna-bund.de/selbstbestimmungsgesetz-eintritt-in-geschlechtsspezifische-bereiche/

Dann heisst es aber, an der Kasse solle nach dem Geschlechtseintrag gefragt werden - ich kenne keine cis und nur wenige trans Personen, die den spontan nachweisen könnten -, und weiter unten im Text, dass die Person "freiwillig ihr primäres Geschlechtsmerkmal nachweisen" kann, was ich schon ziemlich übergriffig finde. Selbst in einer Sauna. Das wird übrigens aus statistischen Gründen überwiegend cis Frauen passieren.

Mit einbeziehen möchte ich den Erlanger Fall: "Dazu kommt, wenn man nicht duschen und sich umziehen will gibt es ja noch weniger Grund unbedingt in ein reines Frauengym zu wollen, da sie ja in einem gemischten gar nicht auffällt."

Warum möchte eine Person mit geändertem, weiblichen Geschlechtseintrag und "uneindeutiger" körperlicher Erscheinung in einem Frauengym trainieren? Weil genau diese Personen eben doch auffallen und deshalb ebenfalls von Gewalt bedroht sind. Gewalt gegen tatsächliche oder vermeintliche trans Personen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Täter zu über 80% cis Männer (Berliner Monitoring). FLINTA* Gyms wären toll, gibt es aber mW kaum.

Die Saunabund-Empfehlung(!) hat erst mal keine allgemeine Regelkraft. Sie stützt sich auch nicht auf irgendwelche Gesetze, selbst wenn sie das SBGG erwähnt und natürlich Hausrecht und AGG gelten. Der Gesetzgeber ist an dieser Stelle noch draussen. Es gelten die Hausregeln der individuellen Einrichtung, die natürlich die Empfehlung kopieren können. Ob das so rechtlich haltbar ist, kann höchstens an einem konkreten Fall wie Erlangen gerichtlich geklärt werden.

Also was kann jetzt zum Beispiel passieren? Es gibt zum einen nichtbinäre und trans-männliche Personen, die als Mädchen geboren wurden, mit oder ohne geänderten Geschlechtseintrag, die eine Hormontherapie (Testosteron) machen, aber keine Genital-OP. Dafür gibt es viele gute Gründe.

An der Kasse steht also eine Person mit mglw sichtbar vorhandener Gesichtsbehaarung (Bart, -Schatten, -Ansatz), dunkler Stimme, mglw nicht-weiblichem Geschlechtseintrag, mit oder ohne Brüste - und eindeutig weiblichem Genital.

Davon in vielen Fällen nicht unterscheidbar wären nichtbinäre oder trans-feminine Personen, die als Jungen geboren wurden, einen beliebigem Geschlechtseintrag (m, w, d, _) haben, ebenfalls Hormontherapie (Estradiol), mit oder ohne Brüste, mit oder ohne Gesichtsbehaarung - und operiertem Genital, das nach Augenschein "weiblich" ist.

Es gibt gute Gründe für solche Personen, für Sauna und Sport in Räume ohne cis Männer zu gehen; siehe oben.

Bei vielen trans Frauen wird hingegen gar nichts auffallen. Kein Bart, kein Genital, nicht mal die Stimme. Je früher sie transitioniert sind und je älter sie werden, desto weniger. Alle sichtbaren primären und sekundären Merkmale sagen "Frau" und der Geschlechtseintrag auch.

Also wer davon dürfte rein, bzw warum nicht und nach welchen Kriterien, die "an der Kasse" - das ist meine mal erwähnte Backtheke - prüfbar sind? Ich finde die DSB Empfehlung da nicht schlüssig.

Ich gehöre übrigens zu einer dieser Gruppen und werde mal so mal so gedeutet. Saunen, Schwimmbäder, Gyms und Sportvereine meide ich generell (aus obigen Gründen), wie viele meiner Art. Ich will weder attackiert werden noch Konflikte produzieren.

Ich denke, dass die Empfehlung des DSB in all diesen Fällen mindestens schwierig in der Praxis wird und möglicherweise nicht das gewünschte Ergebnis erzielt. Meiner Ansicht nach fehlt wie so häufig die eigentliche Ziel-Definition:

Was genau soll geschützt werden, wer vor wem, geht es um nachweislich konkrete allgemeine Gefährdungen, gibt es die faktisch, und lassen die sich tatsächlich an Genitalien, Gonaden, Chromosomen oder Hormonen festmachen? Oder geht es um subjektive Empfindungen, Befürchtungen aufgrund fehlender Erfahrungen mit trans und nichtbinären Personen, Belastungen aufgrund persönlicher Erfahrungen mit (cis) Männern?

Was davon ist aus rechtlicher und gesellschaftlicher Perspektive legitim und was sollte im Sinne einer pluralen Gesellschaft heute gelernt und ausgehalten werden, genau wie bei anderen Merkmalsgruppen, die nicht dem "urdeutschen" weiss, cis, hetero, binären Klischee entsprechen?

Die meisten Diskussionen drücken sich um diesen Punkt herum und setzen stattdessen Regeln, die "Geschlecht" entweder an scheinbar objektiven Details und damit ohne gute Gründe übermässig ausschliessend definieren, oder unscharf mit Teil-Kategorien, die dann auch nicht zweckdienlich sind und eine Menge Zweifelfälle produzieren.

Meiner Ansicht nach müssen wir hier noch viel lernen und je nach Szenario aushandeln, und auf Pauschal-Definitionen verzichten.

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