Hallo Peter,
trainierst du regelmäßig in einem Fitnessstudio im Freihantelbereich?
Selbst wenn ja, bist du keine Frau und kannst nicht beurteilen, wie Frauen sich fühlen und noch weniger kannst du nachempfinden, wie bspw. eine traumatisierte Frau (jahrelanger schwerer sexueller Missbrauch in der Kindheit oder eine Vergewaltigung im Erwachsenenalter) sich fühlt.

Ich als Frau kann dies nicht mal, aber ich kenne seit meiner Pubertät sexuelle Belästigung, Übergriffe bis hin zu versuchten Vergewaltigungen (bin nicht traumatisiert, ging auch alles "gut" aus) und kann mich daher schon mal besser auf der Ebene des männlichen Sexualverhaltens in andere Frauen hinein versetzen.

Nehmen wir an, eine traumatisierte Frau oder eine stark religiös sozialisierte muslimische Frau wählt ein reines Frauenfitnessstudio aus, weil es ihr vielleicht schon schwer genug fällt, überhaupt hinzugehen.

Dafür muss man nicht mal tief in die Kiste der Maximal-Argumente greifen - auch übergewichtige/adipöse Frauen oder Frauen mit Angststörungen/Depressionen kann es große Überwindung kosten, sich in einem Gym anzumelden und hinzugehen.

(Erst einmal) ausschließlich mit Frauen und Mädchen zu trainieren, kann die Hürde deutlich herabsetzen. Die Umkleide- und Duschbereiche kommen natürlich dann noch zusätzlich hinzu, wo diese Frauen sich sogar unter anderen Frauen sehr unwohl fühlen können - aber hier ging es um die Trainingsbereiche und bei dem Punkt möchte ich bleiben.

Ich kann dir versichern, dass es mir als normalgewichtige, seit dem 16Lj in gemischten Fitnessstudios trainierenden Frau, die auch regelmäßig mit Männern zusammen im Sportverein, im Kampfsport, bei Radtouren sportlichen Aktivitäten nachgeht, eine ganze Weile schwer und an manchen Tagen sehr schwer fiel, mich im männerdominierten Freihantelbereich zu bewegen und dort meine Übungen durchzuführen.

Mach mal RDLs oder SLDLs im Männerbereich - ich habe anfangs Standorte gewählt, dass ich die Wand im Rücken hatte und bin dafür für jeden Satz über die Pins des Powerrackkäfigs gestiegen und danach wieder zurück.
Habe abgepasst, wann ich mal allein bin und meinen ganzen Plan situativ ausgerichtet, was nicht gerade vorteilhaft ist, denn die komplexen Grundübungen sollten natürlich anfangs und nicht am Ende der Trainingseinheit gemacht werden und überhaupt sollte ein Training einer Struktur folgen, damit es effektiv und maximal regenerierbar ist.
Habe oversize T-Shirts getragen und mich trotzdem eine lange Zeiten permanent leicht unwohl gefühlt, obwohl sich die anwesenden Männer bis auf wenige Ausnahmen total korrekt verhalten haben.

Inzwischen lege ich mich auch abends auf die Flachbank, um Bankdrücken zu machen, wenn ringsherum Primetime der muskelbepackten Gym-Bros ist und die gerne in Clustern zusammen überall und links und rechts von mir rumstehen und zugucken, was ich da mache.

Es gibt aber Tage, da fände ich das unangenehm und daher bin ich sehr froh, morgens trainieren zu können, wo ein anderer Typus Männer im Freihantelbereich herumstreunt, unter denen ich mich wirklich komplett wohl fühle, weil ich sie kenne und ihr Verhalten einschätzen kann.

Eine muslimische Frau, die Bankdrücken, Kniebeugen, Kreuzheben machen möchte, wird auch womöglich lieber eine andere Frau als Spotter beim Drücken haben wollen und keinen Mann fragen müssen, weil es nur Männer in dem Bereich gibt.
Oder bei der Kniebeuge, wo der Spotter hinter dir steht und die Arme locker seitlich um dich herumhält und mit dir synchron abwärts und dann wieder aufwärts geht.

Ich weiß nicht, ob du Sport machst, wohl eher nein, sonst wüsstest du, dass man und frau dabei idealerweise volle Bewegungsumfänge oder -radius ausführt und sich naturgemäß in alle Richtungen streckt, dehnt und verrenkt.
Bei intensivem Krafttraing sollte man sich dabei voll und ganz auf die Übung und Atmung und bracing konzentrieren und nicht überlegen, ob Männer hinter einem sitzen oder stehen und einem auf den Hintern, zwischen die Beine oder sonstwohin glotzen könnten (auch wenn man sich das nur einbildet, spielt keine Rolle hier).

Und wie gesagt, und ich weiß es aus vielen Gesprächen, fühlen sich zB auch übergewichtige Damen unwohl unter Männerblicken und meiden daher viele Trainingsbereiche, was extrem schade ist.

Von daher, ja, es spielt auch in den Trainingsbereichen eine Rolle.
Wer in ein reines Frauenstudio geht, hat sicher meistens gute Gründe dafür und die sind nicht verhandelbar und müssen auch nicht rechtfertigt und begründet werden.

Ich weiß ebenfalls von vielen Frauen im weiteren Bekannten- und Kollegenkreis, dass sie deshalb lieber zu Hause trainieren oder sich wenn möglich ein Homegym eingerichtet haben. Nicht jeder hat diese Möglichkeiten, und im Fitnessstudio zu trainieren, hat natürlich auch unschlagbare Vorteile wie der Austausch mit anderen, gemeinsam trainieren und damit leichter dran zu bleiben und nicht zu Hause allein unter schweren Gewichten begraben zu werden, wenn mal was schiefgeht.
Dann verzichten viele eben ganz auf das essentiell gerade für Frauen wichtige Krafttraining, weil es in der Nähe kein Frauenstudio gibt.

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