Matt Sand (nicht überprüft)

Fr. 6 Feb 2026 - 16:07

Antwort auf von Angelika Wedekind (nicht überprüft)

Nun, Frau Wedekind, der französische Staat muss sich viele Vorwürfe nicht machen lassen, die Sarrazin dem deutschen nicht ganz zu Unrecht macht: In Frankreich ist der verpflichtende Charakter der französischen Sprache Konsens, frühkindliche staatliche Betreuung in der Landessprache ist verpflichtend, Ganztagsschulen die Regel, und Debatten über muslimische Gebetsräume in Schulen und Kopftücher im Unterricht sind in einem laizistischen Staat obsolet.

Erstaunlicherweise hat Frankreich mit seinen muslimischen Einwohnern nicht wirklich weniger Probleme als Deutschland. Eher sogar mehr. Die integrationspolitischen Forderungen Sarrazins sind also durch die Situation in Frankreich demaskiert. Sie lösen keine Probleme – zumindest treffen sie nicht deren Ursachen.

Sarrazin wird sich wohl trotzdem bestätigt fühlen und sagen, das liege an der Kultur. Vielleicht auch am Erbgut. Aber wie valide sind solche Behauptungen?

Der Rückzug in den Islam als kulturelle Identität ist die logische und verstehbare Antwort junger Muslime auf eine Gesellschaft, die ihnen kein attraktives Identitätsangebot macht. Das tut auch Sarrazin nicht. Er sagt vielmehr: Einwanderer müssen Deutsche werden und die Kultur ihrer Herkunftsländer und Vorfahren hinter sich lassen. Dass solche (dreisten) Forderungen eher Trotz hervorrufen und die innere Emigration verstärken, war absehbar.

Sarrazins "Deutschland schafft sich ab" ist 2010 erschienen. Heute, 15 Jahre später, liegt die Zahl der Muslime in Deutschland wie in Frankreich noch immer im einstelligen Prozentbereich. Vielleicht wird sie sich in einer Generation verdoppelt haben – aber dafür spricht genauso viel wie für eine Halbierung, und letztlich gehören solche Prognosen in den Bereich der Spekulation. Eine "Eroberung durch Fertilität", wie von Sarrazin behauptet, war nie mehr als ein Angstmythos.

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