Herr Endruscheit plädiert hier im Ergebnis für einen National Health Service nach englischem Muster, also eine Abschaffung von Krankenkassen und eine verstaatlichte Gesundheitsversorgung. Die Ergebnisse derartiger Modelle sind bekannt: Demotivation der sogenannten "Anbieter", Mangelversorgung und Mangelverwaltung mit unzumutbaren Wartezeiten auf viele Gesundheitsleistungen.
Unbestreitbar verwirklichen sich Gesundheitsrisiken auf die Lebenszeit gesehen in einem viel größeren und zu einem erheblichen Teil unvermeidlichen Umfang. Deswegen sind Krankenversicherungen auch relativ teuer. Dennoch ist bis zu einem gewissen Grad Motivation zu gesundheitsbewußtem Verhalten über den Geldbeutel möglich. Außerdem sollte jeder die Möglichkeit haben, zum Beispiel durch Selbstbeteiligungstarife entsprechend seinen finanziellen Verhältnissen einen Teil seiner Gesundheitsrisiken selbst zu übernehmen und hierdurch die Solidargemeinschaft der Versicherten zu entlasten. Zum Umfang einer gesetzlichen Basisversicherung hat Ronald Dworkin (Sovereign Virtue) den "prudent insurance test" vorgeschlagen: Sie sollte all das enthalten, was vernünftige Leute versichern würden, wenn sie über durchschnittliche Mittel verfügen, aber eben auch nicht mehr, also kein Selbstbedienungsladen für alle möglichen nicht essentiellen Gesundheitsleistungen sein.
Die Diffamierung der privaten Krankenversicherung als soziales Trittbrettfahrertum geht in die Irre. Ohne sie wäre die Demotivation der "Leistungsanbieter" angesichts zum Teil entwürdigender Dumpingpreise, medizinisch ungerechtfertigter Regreßforderungen und Leistungsverweigerungen in der gesetzlichen Krankenversicherung noch wesentlich größer.