Evangelische Kirche erklärt sich für wichtig

Trotz sinkender Mitgliederzahl: die evangelische Kirche sieht sich selbst weiterhin als gesellschaftlich wichtig an. 

Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, betonte beim Jahresempfang des Kirchenverbandes, dass der "Ethik des Zusammenlebens" der evangelischen Kirche eine wachsende Bedeutung innerhalb der Gesellschaft zukomme. Selbst, wenn die Mitgliederzahlen rapide sinken.

Und anders, als es die Überschrift des Artikel suggeriert, begreift Kock, dass es bei den Austritten aus den Kirchen mitnichten allein um die Kirchensteuer geht: "Was den erfahrenen Theologen so unsicher macht, ist, dass den Kirchen sicherlich auch offene Kritik, aber noch vielmehr Gleichgültigkeit entgegenschlage." 

Sprich: den Menschen sind die Vorstellungen der Kirche inzwischen gleichgültig geworden. Weshalb die Kirche in den gesellschaftlichen Debatten deshalb wichtiger werden sollte, verschweigt Kock jedoch.

Nun hat aber Manfred Kock auch eine Idee, wie man Menschen wieder zur Kirche bekehren könne: Sie habe schließlich "das Wort". 

Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie vernünftige Menschen zu Irrationalitäten greifen, wenn Argumente nicht mehr ziehen. Kock stellt fest, dass den Menschen eben dieses "Wort" gleichgültig ist - und will dann genau damit locken.

Kommentare (4)

Mark Fraser (nicht überprüft)

Fr. 12 Dez 2014 - 13:05

Wenn der Humanistische Verband Deutschlands 23 Millionen Mitglieder hätte (aktiv, inaktiv, kritisch oder wie auch immer), würde er sich auch für wichtig halten, oder? Laut Wikipedia sind es ca. 20.000 - und trotzdem hält er sich für wichtig. Warum also sollte die EKD es nicht tun?

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Fr. 12 Dez 2014 - 15:19

Vor allem dieses "Wort" sollte Manfred Kock seinen Kollegen von der Frauenkleider-Fraktion entgegenschallen: "... um herauszurufen aus den Zwängen des Mammon zur Solidarität mit den Schwachen." Davon könnten die Katholen gar nicht genug hören, wären ihre Ohren nicht mit zu viel Weihrauchknollen verstopfet. Aber auch sich selbst darf die evangelische Kirche gerne mal die Gehörgänge durchlüften.

Uwe Lehnert (nicht überprüft)

Sa. 13 Dez 2014 - 22:51

Die fünfte (alle zehn Jahre durchgeführte) Erhebung der EKD zur Lage der Evangelischen Kirche im Jahr 2013 zeigte einen leichten Anstieg bei jenen, die sich ihrer Kirche ziemlich bis stark verbunden fühlen. Gleichzeitig ist aber auch die Zahl jener gestiegen, die sich der Kirche kaum oder gar nicht verbunden fühlen. Das Mittelfeld der Schwachverbundenen hat ebenfalls weiter abgenommen. Es ist somit neben dem weiteren Mitgliederverlust eine Tendenz zur Polarisierung festzustellen. Desweiteren werden in dieser Umfrage die Zahlen der Kirchenfernen weniger mit kontroversen Einstellungen erklärt als vielmehr mit völliger Gleichgültigkeit. Schmerzhaft für die evangelische Kirche ist vor allem das wachsende Desinteresse der unter 30-Jährigen, Religion ist in dieser Altersgruppe nur noch für 16 % von Bedeutung. Konfessionslosigkeit – so wird fast resignierend interpretiert – gilt inzwischen nicht mehr als sozial anstößig.

Diese repräsentativ erhobenen Informationen machen überdeutlich, dass die bloße Kirchenmitgliedschaft inzwischen von geringer Aussagekraft bezüglich Bindung an Kirche und Glauben ist. Im Gegensatz zu den »nur« 20 000 Mitgliedern des Humanistischen Verbands. Sie sind mit voller Überzeugung Angehörige einer weltanschaulichen Bewegung, die sich gelöst hat von illusionären Vorstellungen und Versprechungen auf ein Himmelreich mit ewigem Leben.

Der Seitenhieb musste vermutlich sein... ;) Die Kirchenmitgliedschaft besagt (fast) gar nichts. Stimmt. Aber noch hat die EKD deutlich mehr als 20.000 engagierte Mitglieder, das dürfte unstrittig sein. Warum sollte sie sich also nicht für wichtig halten? Aus ihrer eigenen Sicht, wohlgemerkt.
Dass ein Agnostiker oder Atheist ihre "Wichtigkeit" bestreitet, ist ja nicht überraschend.

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