Kommentar

Die neue Offenheit iranischer Regimeanhänger in Deutschland gibt Anlass zur Sorge

In ihrem Artikel vom Juni 2026 hat unsere Autorin die Auffassung vertreten, dass das iranische Regime schwächer ist, als viele Beobachter im Westen glauben. An dieser Einschätzung hält sie fest. Gleichzeitig beobachtet sie eine Entwicklung, die sie als iranische Regimekritikerin zunehmend beunruhigt.

Flagge der Islamischen Republik Iran

In den vergangenen Wochen treten Anhänger der Islamischen Republik Iran in Deutschland aus meiner Sicht deutlich selbstbewusster auf. Sie zeigen öffentlich die Flagge der Islamischen Republik, tragen entsprechende Symbole und demonstrieren ihre Unterstützung für das Regime zunehmend offen.

Besonders irritierend ist für mich, dass es sich nach meiner Wahrnehmung häufig um Personen handelt, die selbst wegen der politischen Verhältnisse im Iran nach Deutschland gekommen sind und hier Schutz gefunden haben. Wer in Deutschland Freiheit und Rechtsstaatlichkeit genießt, sollte nicht vergessen, dass Millionen Menschen im Iran diese Rechte bis heute nicht besitzen.

Nach meiner persönlichen Einschätzung haben die jüngsten politischen Entwicklungen zwischen den USA und dem Iran bei manchen Regimeanhängern die Erwartung geweckt, dass die Islamische Republik langfristig an der Macht bleiben wird. Ich halte es jedoch für möglich, dass die amerikanische Politik auch strategische Ziele verfolgt und langfristige politische Veränderungen im Iran begünstigen könnte.

Die aktuelle Situation im Iran spricht aus meiner Sicht nicht für ein stabiles Regime. Vielmehr gibt es Berichte über zunehmende Machtkämpfe innerhalb der Führung. Gleichzeitig leiden Millionen Menschen weiterhin unter Inflation, wirtschaftlicher Not und fehlenden Zukunftsperspektiven.

Auch die aufwendig inszenierten staatlichen Trauerveranstaltungen werden von vielen Menschen im Iran nach meiner Wahrnehmung nicht als Ausdruck nationaler Einheit verstanden, sondern als politische Inszenierungen, während die Bevölkerung unter erheblichen wirtschaftlichen Problemen leidet.

Mit besonderer Sorge beobachte ich, dass sich einige regimetreue Personen in Deutschland nicht auf die freie Äußerung ihrer politischen Überzeugungen beschränken. Nach meiner persönlichen Erfahrung und auf Grundlage von Informationen und Unterlagen, die mir vorliegen, gibt es Hinweise darauf, dass oppositionelle Iraner in Deutschland beobachtet oder unter Druck gesetzt wurden.

Sollten sich solche Vorwürfe bestätigen, berührt dies grundlegende Fragen des Schutzes politisch Verfolgter in Deutschland. Menschen, die vor Unterdrückung geflohen sind, müssen ihre politischen Überzeugungen frei äußern können, ohne Einschüchterung oder Angst.

Ich bin überzeugt, dass die Zukunft des Iran letztlich nicht durch Propaganda oder politische Inszenierungen entschieden wird, sondern durch den Willen des iranischen Volkes, das seit Jahrzehnten Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und politische Mitbestimmung fordert.

Kommentare (3)

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Jens Schraper (nicht überprüft)

Do. 9 Jul 2026 - 12:29

Ich hoffe, Sie behalten Recht. Denn so wie ich das sehe, hat der Angriff der USA auf den Iran leider nicht dazu geführt, das Regime zu stürzen. Sondern es eher zu stabilisiert.

Und nach aktuellen Medienmeldungen [1] gibt es neue Angriffe. Schon beim ersten Versuch wurde nichts gewonnen. Sondern eher im Gegenteil. Und nun geht das Ganze wieder los und beide erklären sich zu Siegern eines völlig sinnlosen Kriegs. [2]

Und in Deutschland marschieren die Shah-Anhänger und werden als "Freiheitskäpfer" und "Demokraten" gefeiert. Als hätten die Leute in den Redaktionen vergessen, welche Verbrechen Pahlavi beging.

[1] https://www.tagesschau.de/ausland/asien/usa-iran-angriffe-110.html
[2] https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/strasse-von-hormus-neue-angriffe-von-usa-und-iran-accg-201008951.html

Oliver Konradt (nicht überprüft)

Do. 9 Jul 2026 - 15:57

Antwort auf von Jens Schraper (nicht überprüft)

Dass das Regime durch die Angriffe stabilisiert worden sei, ist ein in Deutschland weit verbreitetes Narrativ. Dieses lässt sich jedoch selbst anhand der persischsprachigen Regimemedien nicht belegen und sollte daher kritisch hinterfragt werden. Die iranische Regimeelite wirkt zunehmend zerstritten: Einzelne Akteure beschuldigen sich gegenseitig eines versuchten Staatsstreichs, fordern die Festnahme oder sogar die Hinrichtung wichtiger Mitglieder des Verhandlungsteams, darunter Mohammad Bagher Ghalibaf und Abbas Araghchi, während zahlreiche Regimeanhänger im Iran den Abbruch der Verhandlung und Vergeltung für die Tötung Ali Khameneis verlangen.

Bereits nach dem 12-Tage-Krieg wurde innerhalb des Regimes die Forderung danach laut verlorene Popularität in der Bevölkerung zurückzugewinnen um das Regime zu festigen. [1] Die Proteste im Dezember und Januar sowie die Reaktion des Regimes darauf deuten jedoch darauf hin, dass eine solche Rückgewinnung gesellschaftlicher Unterstützung bislang nicht gelungen ist. Wohl eher im Gegenteil. Stattdessen bleiben die Spannungen zwischen Staat und Gesellschaft bestehen, während sich zugleich die inneren Machtkämpfe innerhalb des Regimes verschärfen. Das Bild das sich daraus abzeichnet ist keine Stabilisierung.

[1] https://www.globalpolicyjournal.com/blog/08/06/2026/irans-last-gambit-islamic-republics-failed-project-national-cohesion

Stefan Räbiger (nicht überprüft)

Do. 9 Jul 2026 - 18:50

Obwohl ich mit echten iranischen Opposition stark sympatisiere, bin ich nicht in allem der Meinung der Autorin. Anfangs dachte ich auch, der Angriff der USA und Israels würde die Machtverhältnisse grundlegend ändern, aber weder die oben genannten noch viele andere Menschen, haben die macht der Revolutionären Garden unterschätzt. Inzwischen bin ich der Meinung, dieser Krieg hat die RG eher noch gestärkt. Meine Hoffnungen auf ein Ende des Mullah Regimes scheinen eher weiter entfernt als vorher. Das ist besonders bedingt durch die fanatischen Anhänger des Regimes und die wirtschaftlichen Probleme der Menschen die nicht eindeutig für das Regime sind. Es ist schrecklich wie so eine Kulturnation wie der Iran durch religiöse Fanatiker leidet. Ob der Sohn des Shas eine Lösung wäre, bezweiffel ich. Mit ganzem Herzen wünsche ich das die freiheitsliebenden Menschen im Iran bald ihre Freiheit bekommen, selbstbestimmt zu leben.

Hourvash Pourkian

Die Autorin ist in Teheran geboren und lebt seit 1975 in Hamburg. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Hamburg, Boston und London arbeitete sie als selbstständige Unternehmerin. 1998 publizierte sie "Macht macht müde Frauen munter" mit ihrem Vater und referiert seitdem zu dem Thema Frauen und Migrantinnen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

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