Simone Guski

Die Autorin ist gelernte Philosophin, arbeitete viele Jahre lang als Kulturjournalistin mit dem Schwerpunkt Kunst im In- und Ausland für Tageszeitungen und Magazine. Sie war langjährige Kulturberichterstatterin für DIE WELT in Madrid und unterrichtete später philosophische Anthropologie und Ästhetik an der Universidad de la Comunicación in Mexiko-City. Schließlich spezialisierte sie sich journalistisch auf die Themen Anthropologie, Primatologie und Tierrechte.

Artikel der Autorin

Junges Weißbüscheläffchen

Baby-Sprech bei den Weißbüschel-Äffchen

Nicht nur Menschen-Babys, auch die Weißbüschelaffen-Babys verfügen über eine Art "Baby-Sprech", das sich zwar anhört, als wollten sie etwas mitteilen, das aber nichts Bestimmtes bedeutet. Wachsen sie nicht mit ihren Eltern auf, bleiben sie lange in dieser Phase stecken oder mischen ihr "Baby-Babbeln" auch später noch immer wieder solchen Lauten mit gezielter Kommunikation unter.

Wie Andersartigkeit entsteht

Am Anfang des Manifests steht die Schilderung eines Kusses. Eine Überschreitung nicht der Normen, sondern der Speziesgrenzen. Denn Ms. Cayenne Pepper, welche die Autorin mit ihrer Schlabberzunge beglückt, ist eine Australische Hirtenhündin. Donna Haraway fragt in ihrem "Manifest für Gefährten", das auf Amerikanisch "The Companion Species Manifesto. Dog, Men and Significant Otherness" heißt, nach Art und Andersartigkeit und deren Entstehen entlang von Geschichten und Geschichte.

Katta-Gruppe

Frauenpower bei den Lemuren

Jane Goodall, Dian Fossey und Bituré Galdikas – drei Frauen, die legendär geworden sind. Feldforscherinnen der ersten Stunde. Alison Jolly studierte nicht wie sie Menschenaffen, sondern die Lemuren auf Madagaskar im Berenty Nationalpark, besonders die ringelstreifen-schwänzigen Kattas. Ihre Resultate sind nicht weniger spektakulär. So beobachtete sie in den achtziger Jahren erstmals die Frauenpower der Kattaweibchen über die Männchen.

Adorno – der Zauberer

Gisela von Wysocki hat selbst bei Adorno studiert. So kann man erwarten, in dem zweiten, dem neuen Roman der heute 76-jährigen nun einiges über Adorno als Professor zu erfahren. Denn so oder so ähnlich mag es wirklich gewesen sein: Adorno – ein Zauberer, ein Wortzauberer, der sich selbst nur zu gern von Frauen bezaubern ließ. Angehimmelt und charmant. Der Koautor der "Dialektik der Aufklärung" philosophierte, wo immer er auch war.

Ein Dackel im Marlboro-Land

Wer einen Film über einen Hund dreht, kann den Menschen schon sehr nahe kommen. Ein Dackel wird durchs Leben bugsiert. Nacheinander hat er viele Herren, die er eigentlich nur trösten soll. Vielleicht leiden sie alle daran, dass sie zu viel voneinander erwarten. Todd Solondz' Film "Wiener-Dog" über das wechselvolle Wanderleben eines Dackels im Land der gelebten Träume ist liebevoll, sarkastisch und von heiterer Traurigkeit.

Goffin-Kakadu fertig sich Werkzeuge aus Pappe an

Kakadus fertigen sich Werkzeuge

Goffin-Kakadus können nicht nur Werkzeuge benutzen, um an einen Leckerbissen heranzukommen. Sie können sie sich auch selbst herstellen. Dazu setzen sie nicht Instinkt ein, schauen es auch nicht voneinander ab, sondern entwickeln wahren Erfindergeist. Das fand man am Veterinärmedizinischen Institut Wien heraus. Parallelversuche wurden in der Universität Oxford gemacht.

Mob der Silberrücken

Ende November erschien in der renommierten Zeitschrift "Nature" ein Artikel, der das Bild von den friedlichen Silberrücken als sanfte Riesen erschüttert. Nun scheinen die Gorillas nicht nur den Schimpansen, sondern auch den Menschen ein Stück ähnlicher. Ein Mob, der in der Überzahl lebensbedrohlich auf ein einzelnes Individuum losgeht, das wurde auch im Virunga-Nationalpark im Kongo in jüngerer Zeit mehrfach beobachtet.

Tanz an der Schwelle des Bewusstseins

Mara-Daria Cojocaru lehrt an der Hochschule für Philosophie München Praktische Philosophie, darunter Tierethik. Jahrgang 1980, stand sie aber auch schon auf der Short List des Leonce-und-Lena-Lyrik-Preises. Nun ist von ihr ein Gedichtband erschienen, der so aufbegehrend wie etwas theoretisch "Anstelle einer Unterwerfung" betitelt ist.

Ein Leben im Flug

Bis zu zehn Monate können Mauersegler ununterbrochen in der Luft bleiben, ohne zu landen, diese Erkenntnis publizierte unlängst Anders Hedenström, Ornithologe der Universität Lund, in der online erscheinenden Zeitschrift "current biology". Transponder übermittelten entsprechende Daten.

Han Kang

Die Ohnmacht des Fleisches

Eine Frau weigert sich. Sie tut dies mit wortloser Entschlossenheit. Sie will kein Fleisch mehr essen. Sie magert ab. Ihre pflanzenhafte Sanftheit weckt das Begehren ihres Schwagers, vielleicht auch ihre Rebellion. Er macht sie zu seinem Modell, zum Objekt seiner Kunstphantasie und treibt sie in den Wahnsinn. Der nun auf Deutsch erschienene, bereits verfilmte Roman "Die Vegetarierin" der südkoreanischen Autorin hat tragische Größe.