Der Autor befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene. Er schreibt zudem für watson.ch.
Esoterik ist ein pseudospirituelles Phänomen, das viele Leute in der westlichen Hemisphäre in seinen Bann zieht. Ihnen wird ein Bewusstseinswandel, eine geistige Transformation, die Befreiung von Leiden aller Art und oft auch die Erleuchtung versprochen.
"Corona – war da mal was?", fragt sich heute mancher. Hat bis vor zwei Wochen die Pandemie die weltweiten Schlagzeilen beherrscht, wird sie aktuell von der Berichterstattung über Putins Krieg gegen die Ukraine abgelöst.
Die deutsche Heilerin und Theologin Annette Grübnau hat ein Buch über die angeblich bahnbrechenden Erfolge der "Aurachirurgie" geschrieben. Die riesige Gilde der Heilerinnen und Geistheiler – die schweizer Szene umfasst weit über 10.000 Exponenten – nutzt alle sprachlichen und methodischen Tricks, um potenzielle Kundinnen und Kunden anzulocken.
Demut, Achtsamkeit, Harmonie und Liebe sind die zentralen Attribute der esoterischen und spirituellen Heilsvorstellungen. Zuoberst auf dem übersinnlichen Olymp steht meist die Liebe. Die Besonderheit bei ihr: Sie muss möglichst bedingungslos sein, wie viele spirituelle Meister verkünden. Missbrauch ist so auch im esoterischen und spirituellen Milieu keine Seltenheit.
Was ist eine Sekte? Wie definierte man sektenhafte Glaubensgemeinschaften? Grundsätzlich kann man festhalten: Aus der Sicht von vereinnahmenden Gruppen sind – ausser natürlich sie selbst – alle anderen Sekten. Es zeigt sich: Der herkömmliche Begriff von Sekten ist längst überholt. Es braucht neue Definitionen.
Die christlichen Kirchen sind in der westlichen Welt auf der Sinnsuche. Sie haben zwar den Glauben an Gott, seinen Sohn und den Heiligen Geist, doch sie teilen diesen mit immer weniger Leuten.
Auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen, wage ich die Hypothese, dass Fromme und strenggläubige Personen sich gern für die etwas besseren Menschen halten. Sie glauben, im Besitz der religiösen oder spirituellen Wahrheit zu sein, in der Gnade Gottes zu stehen und seinen Schutz zu geniessen. Nicht nur in übersinnlichen Belangen, sondern auch in alltäglichen.
Immer wieder brechen in Waldorfschulen Infektionskrankheiten (wie die Masern) aus, weil sich die oft esoterisch angehauchten Eltern bewußt gegen eine Impfung ihrer Kinder entscheiden. Das allein sollte schon genügen, um die anthroposophischen Schulen genauer unter die Lupe zu nehmen. Doch hier versagen Staat und Gesellschaft. Wie sehr, zeigt sich während der Corona-Pandemie.
Die Pseudokirche Scientology nutzt das Internet als günstiges Instrument für ihre fragwürdigen Zwecke. Hugo Stamm hat sich einmal umgeschaut, wo und wie die Sekte neue Anhänger zu ködern versucht.
Es gibt in der Schweiz eine stattliche Anzahl von Ärzten und Ärztinnen, die auf Homöopathie spezialisiert sind. In den meisten Fällen münden die Konsultationen in der Verschreibung von homöopathischen Zuckerkügelchen, den Globuli.