Wegweisende Entscheidung des Landgerichts Köln
300.000 Euro für Missbrauchsopfer
Foto: © Das 11. Gebot
Am Dienstag hat das Landgericht Köln das Erzbistum Köln zur Zahlung von 300.000 Euro Schmerzensgeld an einen Missbrauchsbetroffenen verurteilt. Das ist der erste Fall, in dem ein Gericht einem Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs durch Priester der katholischen Kirche eine Entschädigung in Form eines Schmerzensgelds zuspricht.
Der Eckige Tisch, eine Organisation, der die Interessen von Betroffenen sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen speziell im Kontext der Katholischen Kirche vertritt, hat dazu eine Presseerklärung verfasst, die der hpd hier in Gänze veröffentlicht:
Erklärung zum Urteil des Kölner Landgerichts zur Entschädigung im Fall von Georg M.
13 Jahre nach der Aufdeckung des katholischen Missbrauchsskandals gibt es nun erstmals ein Urteil eines deutschen Gerichts, das einem Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs durch Priester der katholischen Kirche eine Entschädigung in Form eines Schmerzensgelds für die erlittene Gewalt und die Folgen im Leben des Betroffenen zuspricht, und dabei die institutionelle Verantwortung der Kirche für diese Verbrechen berücksichtigt.
Dies ist ein wichtiges Signal für Tausende ähnlich gelagerte Fälle in Deutschland. Die Kirche haftet für die Verbrechen ihrer Priester, Bischöfe und Ordensvorgesetzten.
Bisher hat die Kirche sich beharrlich geweigert, mit Betroffenenvertretern über eine angemessene Entschädigung zu sprechen und einen Kompromissvorschlag, der 2019 von Expertinnen im Auftrag der Bischofskonferenz erarbeitet worden war, schlicht beiseitegeschoben. Dieser Vorschlag sah abgestufte Schmerzensgelder zwischen 40.000 und 400.000 Euro vor, mit einer Präferenz für pauschalierte Zahlungen in Höhe von 300.000 Euro für jedes Opfer.
Stattdessen setzte die Kirche das 2011 von ihr nach dem Missbrauchsskandal einseitig eingeführte System der so genannten Anerkennungszahlen unter neuem Namen fort. Statt zuvor 5.000 Euro sollten Betroffene auf Antrag nun bis zu 50.000 Euro erhalten, wobei die tatsächlich angebotenen Zahlungen im Mittel bei 15.000 Euro lagen. Nur in Einzelfällen − insbesondere bei größerem medialem Druck oder besonderen Umständen − wurden auch höhere Zahlungen bekannt.
Bei der Vorstellung des überarbeiteten kirchlichen Anerkennungsverfahrens erklärte Bischof Bätzing, man wolle sich künftig am oberen Rand der von staatlichen Gerichten in vergleichbaren Fällen ausgeurteilten Entschädigungen orientieren.
Nun haben wir erstmals in Deutschland eine solche Gerichtsentscheidung und es zeigt sich, dass die Vertreter der katholischen Kirche seit mehr als einem Jahrzehnt die Opfer hingehalten und versucht haben, sie mit symbolischen Zahlungen ruhigzustellen − im Wissen, dass die Zeit gegen die Betroffenen und für die Kirche arbeitet.
Eckiger Tisch hat seit 2010 immer wieder angemessene Entschädigungen gefordert. Wir erneuern diese Forderung. Zugleich werden wir allen Betroffenen, die sich an uns wenden, künftig raten, sich anwaltlich unterstützen zu lassen, um ihre Ansprüche gerichtlich durchzusetzen.
Dies wird ein belastender Weg. Und für viele Betroffene gilt: Es läuft uns die Zeit davon. Aber wir sehen keine andere Möglichkeit, weil sich die Kirche bislang weigert, tatsächlich Verantwortung für ihr institutionelles Versagen zu übernehmen. Leider hat die Politik es ihrerseits am "Runden Tisch Kindesmissbrauch" versäumt, auf einer Entschädigungsregelung für die Opfer der Kirche zu bestehen. Nun ist der Rahmen für eine solche Entschädigung auch gerichtlich beschrieben worden. Es wird Zeit.

Kommentare (7)
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Eine Schwalbe macht noch
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer!
Warum habe ich schon jetzt den faden Beigeschmack auf der Zunge, dass diese Summe nur in einem Einzelfall juristisch zugestanden wurde? Anzunehmen das die Lobbyd des Klerus entsprechend aktiv gegen die pekuniären Folgen der "Nächstenliebe" opponieren wird. Möglicherweise kommt auch die aktuelle Kanzlerstrategie von "Abwarten" zu einer weiteren Verwendung. Schließlich zieht man ja zusammen an einem Strick. Am anderen Ende, als Gegenpart, zieht die Bevölkerung inklusive der Opfer
„Es wird Zeit.“ Ist das eine
„Es wird Zeit.“ Ist das eine Anspielung/Seitenhieb auf den Evangelischen Kirchentag in Nürnberg ?
Den Prozess in Traunstein nicht aus den Augen verlieren. Man kann nur hoffen, dass dort der Briefwechsel des Münchner Fürstbischofs mit dem Großinquisitor Ratzinger gebührend berüchsichtigt wird. Er zeigt meiner Meinung nach in aller Deutlichkeit:
1. die Folgen für die Opfer wurden geringgeschätzt. Kriminell geringgeschätzt!
2. Die Möglichkeit neuer Verbrechen durch H. wurde unterschätzt. Kriminell unterschätzt !
3. Die Bedeutung des Alkoholkonsums für die Taten wurde überschätzt. Kriminell überschätzt !
Etwas drastisch formuliert: Man kann davon ausgehen. Dass der Priester H. gesoffen hat, weil er missbraucht hat und nicht umgekehrt. Für die Herren der der Kirche aber steht die Frage im Vordergrund, ob der Eucharistie-Zauber auch mit Traubensaft funktioniert.
Das ist ein super
Das ist ein super Richterspruch, der die überhebliche Arroganz der Priester genau an der richtigen Stelle bestraft. Die Kirche hat diese Verbrecher immer in Schutz genommen, und wenn man sich überlegt, dass diese Art der "Kinderbetreuung" mindestens seit 1150 (Einführung des Zölibates) existiert, dann kann man sich über diesen Spruch eines Gerichtes nur freuen.
Endlich, endlch ist es
Endlich, endlch ist es gelungen! Da kommt noch eine Tsunami auf die Kirchen zu.
Na endlich kommt Bewegung in
Na endlich kommt Bewegung in die Schandtaten der Kirchenmänner und die Gerichte orientieren sich an diesem Urteil für zukünftige Verhandlungen.
Da radelten Opfer sexuellen
Da radelten Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kirchenleute nach Rom, um dort ihr Anleigen vorzutragen. Der Papst empfing die Radltruppe höflich, machte ein betroffenes Gesicht und versprach den Missbrauchsopfern, für sie zu beten.
Da ging ein Strahlen über die Gesichter der Missbrauchsopfer. Glücklich radelten sie nach Hause und erzählten allen: Wir sind erlöst, der Papst betet für uns.
"Beten" heißt bekanntlich: "Nichts tun." Also die Geschichte nochmal:
Da radelten Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kirchenleute nach Rom, um dort ihr Anleigen vorzutragen. Der Papst empfing die Radltruppe höflich, machte ein betroffenes Gesicht und versprach den Missbrauchsopfern, für sie nichts zu tun.
Da ging ein Strahlen über die Gesichter der Missbrauchsopfer. Glücklich radelten sie nach Hause und erzählten allen: Wir sind erlöst, der Papst tut nichts für uns.
Sorry, aber wer sich so verarschen lässt ist irgendwie auch selber Schuld, wenn es keinen Schadenersatz bzw. kein Schmerzensgeld gibt. Austreten ist doch das Mindeste.
Die katholische Kirche wird
Die katholische Kirche wird es sich nicht nehmen lassen, unter Benutzung der Küchensteuer bis in die höchste Instanz durchzuklagen. Wo kämen wir denn hin, wenn die KK irgendwann mal beginnen würde, Verantwortung zu übernehmen?