Nationalsozialismus

Michael von Faulhaber

Kardinal Faulhaber: Ein fragwürdiger Kirchenfürst

Kardinal Michael von Faulhaber ist eine umstrittene Figur des 20. Jahrhunderts. Seine Veröffentlichungen sind sehr umfangreich. Das bisher vorliegende dokumentarische Material ergibt das Bild einer sehr widersprüchlichen Persönlichkeit, die den auf Unwissenheit, Vergesslichkeit, Beschönigung und Geschichtsfälschung beruhenden großen Ruhm Faulhabers nicht rechtfertigen.

10. Mai 1933, Bücherverbrennung durch die Deutsche Studentenschaft am Opernplatz in Berlin.

Bücher in Flammen

10. Mai 1933: In deutschen Universitätsstädten karren Studenten und Nazi-Anhänger Tausende Bücher aus öffentlichen und privaten Bibliotheken zusammen und verbrennen sie auf öffentlichen Plätzen. Es ist der schauderhafte Höhepunkt der Kampagne "Wider den undeutschen Geist".

Reichskanzler Adolf Hitler verneigt sich vor Reichspräsident Paul von Hindenburg, (Potsdam, 21. März 1933)

"Führer befiehl, wir folgen Dir…"

Am 30. Januar 1933 wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt. Durch Terror und halblegale Methoden war den Nationalsozialisten in kürzester Zeit die Ausschaltung des Rechtsstaats und der Übergang zur Diktatur gelungen. Juden und politische Gegner sahen sich Terror und Willkür ausgeliefert. Die Mehrheit der Deutschen hat der Tyrannei zugestimmt. Mehr noch: sie beteiligte sich aktiv daran.

Und alle singen mit

Dient Adolf Hitler, seit seinen Lebzeiten bis heute, als Symbolfigur des Bösen in der Welt, führt die inflationäre Referenz auf den Diktator zu einer Trivialisierung seiner leidvollen Herrschaft. Auch die Normalisierung der NS-Zeit lässt sich in Deutschland – und darüber hinaus – an einer kaum überschaubaren Fülle von Dokumentationen ablesen, die sich mit den faktischen und vermeintlichen Absurditäten der Jahre 1933 bis 1945 befassen, jedoch mehr der seichten Unterhaltung denn der wissenschaftlichen Aufklärung dienen. Das Absurde schafft eine Distanz zur Normalität von damals, die heute unvorstellbar erscheinen mag. Tillmann Bendikowski, promovierter Historiker, Journalist und Publizist, versucht in seinem Buch über den Nationalsozialismus jene damalige Normalität auf populärwissenschaftliche Art einzufangen.

Zweite Schuld: Strafvereitelung im Amt

Von Juni 1943 bis April 1945 arbeitete Irmgard F. als Sekretärin im KZ Stutthof östlich von Danzig. 77 Jahre später verurteilt sie das Landgericht Itzehoe wegen Beihilfe zum Mord in tausenden Fällen zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe. Dieser Schuldspruch ist gut und richtig – und Beleg einer skandalösen Verspätung.

Helmut Ortner

Wir sind verpflichtet, uns zu erinnern

Deutschland in den Nachkriegsjahren. Der Nazi-Wahn wurde zur austauschbaren Metapher des Bösen, persönliche Schuld relativiert. Helmut Ortner hat darüber ein Buch geschrieben. Ein Gespräch über Lebenslügen der jungen Bundesrepublik, kollektives Verdrängen und Sophie Scholl als Instagram-Star.

Volk und Wahn ­– oder: Kann Geschichte verjähren?

Die Nazi-Verbrechen sind zu gewaltig, um heute zu sagen: Jetzt soll endlich einmal Schluss sein! Wann aber ist die Vergangenheit wirklich vergangen? Ist die heutige, die politisch und moralisch schuldlose Generation, nun endgültig entlassen aus der Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur und ihrem Erbe? Oder: beginnt nicht die Verantwortung nachfolgender Generationen bei der Frage, ob sie sich erinnern will?