Sehr geehrter Herr Endruscheit, sehr geehrter Herr Pries, meiner Meinung nach idealisieren Sie die früheren Verhältnisse. Ja, Gruppensolidarität gab es immer, weil sie einen Überlebensvorteil verschafft. Das Maß an Gruppensolidarität war aber immer materiell limitiert. Es waren harte Zeiten und harte Gesellschaften. Viele Möglichkeiten, speziell medizinische, standen früher nicht zur Verfügung. Die Lebensverhältnisse zwangen zur Solidarität auf Gegenseitigkeit.
Ich bin mir sicher, dass "sich auf die faule Haut legen" in diesen Gesellschaften nicht toleriert wurde.
Der andere Aspekt, der mMn unterbelichtet wird, ist, dass es um Annahmen über die zukünftige Entwicklung unseres Staatswesens geht. Wenn sich das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen verändert, wird es Anpasungen geben müssen. Und, was auch richtig ist, in den letzten Jahren wurden andere wichtige Aufgabenbereiche vernachlässigt: Infrastruktur, Militär, ... Ja, auch hierfür wird Geld gebraucht, das woanders gekürzt werden muss.
Ich habe schon den Eindruck, dass sich der "Sozialindustrielle Komplex" in Deutschland verselbständigt hat. Er muss demokratisch eingefangen werden wie ehedem auch der "Militärindustrielle Komplex" eingefangen werden musste.