Auch wenn ich im Ergebnis weitgehend bei Herrn Endruscheit bin, ist mir die Argumentation zur rigide und zu sehr systemfunktionalistisch zugespitzt. Die durchaus differenzierten Solidaritäts- und Unterstützungsformen in vormodernen Gesellschaften werden idealisiert, die Gegenwart zu etatistisch analysiert. Es gibt auch heute noch manche Solidaritätsformen zwischen dem Einzelnen und dem Staat. Familienverbände funktionieren bisweilen durchaus noch, nicht nur in Migrantenfamilien. Es gibt noch "Dorf"-"Gemeinschaft" in unserer indiviualisierten modernen "kalten" "Gesellschaft".
Natürlich bin ich bei Herrn Endruscheit, dass der Staat die Grundsicherung (übrigens auch eine "kulturelle" Grundsicherung!) heute übernehmen muss. Nicht aus caritas, sondern aus funktionaler Einsicht. Trotzdem muss es Ziel der Politik sein, auch die humanistischen Zwischenebenen zu stärken.