Forschung

Die kosmischen Massemonster machen in Satellitengalaxien den Weg frei für die Entstehung neuer Sonnen

Schwarze Löcher helfen bei der Sterngeburt

Mit einer Kombination von systematischer Beobachtung und kosmologischer Simulation haben Forschende herausgefunden, dass schwarze Löcher bestimmten Galaxien helfen, neue Sterne zu bilden. Dieses Ergebnis eines Teams, dem auch Wissenschafter*innen des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg angehörten, überrascht: Denn üblicherweise wirken die kosmischen Schwerkraftfallen der Sterngeburt entgegen, indem sie das dafür nötige Gas aus den Galaxien gleichsam herausblasen. Aktive schwarze Löcher können jedoch verhindern, dass die Sternentstehung gestört wird, während die Galaxien durch das umgebende intergalaktische Gas fliegen.

Was, wenn Wissenschaft kostenlos wäre?

Die Coronapandemie hat gezeigt, dass der freie und verständlich aufbereitete Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen Gesellschaften zusammenhält. Wo er beschnitten oder übermäßig monetarisiert wird, greift gesellschaftliche Fragmentierung um sich. Doch was, wenn Wissenschaft nicht hinter Verlagspaywalls versteckt bliebe, sondern der Öffentlichkeit konstenlos zur freien Weiterverarbeitung angeboten wird? Die Initiative cOAlition S hat da einen Plan.

Homöopathische Forschung – eine neue "Vorzeigestudie"?

Dass Homöopathie nach dem Stand der Erkenntnisse mit der in den Naturwissenschaften maximal möglichen Sicherheit eine spezifisch wirkungslose Scheintherapie ist, das ist inzwischen – natürlich mit Ausnahme der homöopathischen Interessensphäre – Konsens. Dass und warum nach wie vor klinische Forschung zur Homöopathie betrieben wird, wirft insofern Fragen auf. Eine aktuelle Studie will nun bewiesen haben, dass ergänzende homöopathische Therapien Überlebenszeit und Lebensqualität von LungenkrebspatientInnen verbessern können. Udo Endruscheit vom Informationsnetzwerk Homöopathie (INH) hat sie sich genauer angesehen.

Studie der University of Cambridge

Die Neurowissenschaft der Ideologie

Dogmatische Menschen denken langsamer, religiöse sind pessimistischer als ihre Mitmenschen; politisch konservativ Eingestellten fällt es schwerer, langfristig und systemisch zu denken. Zu diesen Ergebnissen kommen fünf Foscher:innen der University of Cambridge. Sie bauten die Untersuchung auf einer vergangenen Studie mit über 500 Teilnehmer:innen auf, die 37 kognitive und 22 Persönlichkeitstests absolviert hatten.

Interview

"Antisemitismus tritt in unterschiedlichen Formen mit verschiedenen Trägern auf"

Es gibt in Deutschland ein Problem mit Antisemitismus. Und es gibt ein Problem mit der Diskussion über die unterschiedlichen Formen und Träger von Antisemitismus. Während einige den "importierten muslimischen" Antisemitismus für das Hauptproblem halten, sehen es andere im "gewachsenen biodeutschen" Antisemitismus. Im Gespräch mit hpd-Redakteurin Daniela Wakonigg versucht Politikwissenschaftler und Antisemitismusforscher Prof. Armin Pfahl-Traughber die Diskussion zu entwirren.

Rezension

Ansichten eines Affenmannes

Volker Sommers neues Buch "Unter Mitprimaten" bietet weit mehr als der unprätentiöse Untertitel "Ansichten eines Affenforschers" vermuten lässt: Keineswegs geht es da nur um "Ansichten", die man, ähnlich wie Meinungen, so oder so haben kann, ohne wirklich etwas von der Sache zu verstehen; vielmehr findet sich darin, komprimiert auf gut 200 Seiten, nicht weniger als die ethische wie metaethische Essenz eines fast 40-jährigen Forscherlebens: als Primat unter Primaten, sprich: immer entlang des Verhältnisses Mensch-Natur.

Rezension

Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit

Mit dem Untertitel "Die größten Streitfragen wissenschaftlich geklärt" legt die mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrte 33-jährige Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim ihr zweites Buch vor, das schon nach kurzer Zeit Bestsellerstatus erlangte und für den Sachbuchpreis 2021 nominiert wurde.

Bacho-Kiro-Höhle in Bulgarien

Alte Genome werfen neues Licht auf die frühesten Europäer und ihre Beziehungen zu den Neandertalern

Erbgut der frühesten Europäer

Ein internationales Forscherteam hat die Genome der ältesten sicher datierten modernen Menschen in Europa sequenziert, die vor rund 45.000 Jahren in der Bacho-Kiro-Höhle in Bulgarien lebten. Durch den Vergleich ihrer Genome mit den Genomen von Menschen, die später in Europa und in Asien lebten, zeigen die Forscher, dass diese frühe Menschengruppe in Europa Gene zu späteren Menschen, insbesondere zu den heutigen Ostasiaten, beigetragen hat.

Silberrücken beim Brusttrommeln.

Brusttrommeln männlicher Gorillas gibt Auskunft über ihre Körpergröße

Gorillamännchen bluffen nicht

Als eines der symbolträchtigsten Geräusche im Tierreich hat das Brusttrommeln Eingang in unsere Umgangssprache gefunden – darunter wird oft eine übertriebene Einschätzung der eigenen Leistungen verstanden. Bis vor kurzem war jedoch unklar, welche Informationen Gorillas damit vermitteln. Ein internationales Forschungsteam zeigt nun, dass das Brusttrommeln Rückschlüsse auf die Körpergröße des Trommlers zulässt.

Menschenaffenforschung im Zoo Leipzig

20 Jahre Pongoland

Vor ziemlich genau 20 Jahren, am 1. April 2001, wurde das sogenannte "Pongoland" des Leipziger Zoos zum ersten Mal für Besucher geöffnet. "Alle vier Arten der Großen Menschenaffen werden hier gezeigt", so der Zoo auf seiner Website, unter ausdrücklichem Verweis darauf, dass das Pongoland "nach dem wissenschaftlichen Gattungsnamen für den Orang-Utan" (Pongo) benannt ist. Derzeit sind sechs Gorillas, 26 Schimpansen, acht Orang-Utans und zwölf Bonobos in Pongoland untergebracht. Größere Feierlichkeiten zum 20-jährigen Jubiläum mussten coronabedingt ausfallen.