Dieser Kommentar wirft letztlich eine Frage auf, die bei jeder Wahl gilt: Welche Verantwortung trägt der Wähler bei einer politischen Wahl? Wählt man einfach aus Frust, weil man mehr für sich und weniger für andere will? Oder vielleicht doch aus einer staatspolitisch verantwortlichen Position, die das Gemeinwohl im Auge hat? D. h. im Bewusstsein, mit seiner Stimme die Zukunft des Landes mitzubestimmen. Macht es also Sinn, offenkundig populistische Parteien (nicht nur die AfD) zu wählen, um "denen da oben" einen Denkzettel zu verpassen? Wissen viele Bürger nicht, dass sie damit nicht "die da oben" treffen, sondern ausschließlich sich selbst? "Die da oben" haben ihr Auskommen, ihre Villa, ihr Privatflugzeug, egal wie gewählt wird.
Gerade das Parteiprogramm der AfD ist auf Selbstbedienung "der da oben" ausgelegt. Und wo bedienen sich die "Oberen"? Bei denen da unten! Bei den Kälbern, die ihre Metzger selber wählten. Man mag den "Altparteien" vorwerfen was man will (da fällt mir eine Menge ein), aber eine gehörige Portion der aktuellen Probleme (ich klammere einmal die international entstandenen aus) basieren auch auf einem an sich unnötigen Kampf: Der Kampf gegen den rechtsnationalen Populismus! Wäre die AfD in Größenordnungen der NPD unterwegs, könnte man sie im politischen Zirkus ignorieren und sich mehr auf die Kernthemen unsere sehr schwierigen Zeit konzentrieren.
Hier haben sich also die AfD-Wähler einen Bärendienst erwiesen. Und die AfD schlachtet dies genüsslich aus: Weil sie dank der Wähler bedrohlich stark wird, machen die "Altparteien" Fehler, die die AfD für ihre eigenen Ziele nutzen, was ihnen wieder Zulauf bringt, da sie sich als "Opfer" der "bösen Altparteien" gerieren können. Ein Teufelskreis, der nur vom Wähler durchbrochen werden kann, indem er ausschließlich die Mitte wählt. Ob die etwas weiter rechts oder links steht oder etwas grüner ist, ist nebensächlich. Hauptsache nicht die radikalen Ränder. DAS ist die Verantwortung UND die Chance der Wähler. Und sie ermöglicht die Demokratie, die wir alle retten müssen, wenn uns etwas an unserem Land und der Welt liegt...