Gedenken

"Die Grenzen des Machbaren haben sich nach rechts verschoben"

Rechte Parolen, die viele noch vor zwanzig Jahren erschreckt hätten, gehören inzwischen in Deutschland zur Normalität. Das zeigt sich auch in den Gedenkstätten ehemaliger Konzentrationslager, die zunehmend mit geschichtsrevisionistischen Provokationen zu kämpfen haben. Ein Interview mit Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der "Stiftung niedersächsische Gedenkstätten" und Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen.

Gedenkstein für die ermordete Hatun Sürücü

Vom Frauentöten innerhalb der Familie

Heute jährt sich auf den Tag genau zum fünfzehnten Mal der sogenannte Ehrenmord, dem die in Berlin geborene Türkin Aynur Hatun Sürücü zum Opfer fiel. Wer meint, dabei handele es sich doch um einen Fall in einem islamischen Umfeld, welches in Deutschland kaum mehr so existiert, irrt gewaltig. In Wirklichkeit ist in der dritten "Gastarbeiter"-Generation der identitätsstiftende "Ehrbegriff" sogar wieder schärfer geworden.

München: Georg-Elser-Platz (1997)

Der einsame Attentäter

8. November 1939: An diesem Tag misslang das Bombenattentat des schwäbischen Schreinergesellen Georg Elser auf Adolf Hitler im Münchener Bürgerbräukeller. Elser wurde daraufhin gefasst und am 9. April 1945 im Konzentrationslager Dachau ermordet. Heute sind Straßen und Schulen nach ihm benannt – aber es brauchte Jahre, bis seine Tat anerkannt wurde.

Freidenker und Freiheitskämpfer

Am 17. Januar 1944 wurde der Freidenker, Sozialdemokrat und Antifaschist Max Sievers in Brandenburg/Havel ein Opfer der Nazi-Diktatur. Max Sievers gehört zu den bedeutenden Vertretern unserer humanistischen und freiheitlichen Traditionen. Anlässlich seines diesjährigen 75. Todestages ehrt der Humanistische Freidenkerbund sein Leben und Wirken gegen extremistisches Denken und Handeln, für das Zusammenwirken der demokratischen Kräfte und freigeistigen Gemeinschaften in Deutschland, für Humanität und freies Denken.

Kunstaktion von Wolfram Kastner

Aktionskünstler Wolfram Kastner muss Schadensersatz zahlen

Der Münchner Aktionskünstler Wolfram Kastner wurde letzte Woche zur Zahlung von 4.088,34 Euro verurteilt. Das entspricht den Kosten, die bei Reinigung und Reparatur des Jodl-Grabes entstanden. Das Landgericht München I fällte ein Endurteil, gegen das keine Revision mehr eingelegt werden kann. Kastner will aber noch nicht aufgeben, sondern Verfassungsbeschwerde einreichen.

Warschau

Nationalisten "ehren" die Aufständischen

Am 1. August um 17:00 Uhr vor 74 Jahren ist der Warschauer Aufstand ausgebrochen. Die Verluste der 63 Tage Kämpfe waren immens. 18.000 Kämpfer und 180.000 Zivilisten wurden getötet oder vermisst, rund 25.000 verletzt. Die deutschen Verluste: 16.000 tote oder vermisste Soldaten und 9.000 Verletzte. Die überlebenden Warschauer wurden aus der Stadt vertrieben und die Besatzer begannen damit, Haus um Haus zu zerstören.