Rezension

Lisa Warnecke erkundet den Winterschlaf

Die Langlebigen

Humanmediziner interessieren sich angesichts der Frage, wie man Organe für Transplantationen länger lebensfähig hält, für ihre Arbeiten. Sogar Weltraumforscher schauen genau hin, was bei der Torpor-Forschung herauskommt. Die vergleichende Tierphysiologin Lisa Warnecke untersucht den Winterschlaf, besser: die Winterstarre und die Hitzestarre. Das führte sie über vier Kontinente, erzählt sie in ihrem Buch "Das Geheimnis der Winterschläfer".

Rechtsterrorismus in Deutschland im Vergleich

Der Politikwissenschaftler Sebastian Gräfe nimmt in seinem Buch "Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik Deutschland. Zwischen erlebnisorientierten Jugendlichen, 'Feierabendterroristen' und klandestinen Untergrundzellen" im Lichte des NSU einen systematischen Vergleich vor. Die Arbeit beeindruckt durch die intensive Aufarbeitung des Datenmaterials und die systematische Analyse über fünf Untersuchungskriterien.

Punk-Autor Jürgen Teipel schrieb "Wahre Geschichten von Menschen und Tieren"

Mit dem Walkalb auf du und du

Als familiär kann man die Beziehung zwischen den urtümlichen Kunekune-Schweinen und Marianne Wondrak und Johannes Baumgarten am Messerli-Forschungsinstitut für Mensch-Tier-Beziehungen in Wien bezeichnen. So richtig lief es, wenn die Forscher in die tierlichen familiären Beziehungen mit aufgenommen wurden. Im Gegenzug war die Einsatzbereitschaft schier grenzenlos, erzählen sie in Teipels Monolog-Sammlung "Unsere unbekannte Familie".

Rezension

Diskursanalysen zum Rechtspopulismus

Die Sprachwissenschaftlerin Ruth Wodak legt in ihrem Buch "Politik mit der Angst. Zur Wirkung rechtspopulistischer Diskurse" Reflexionen zu Ausgrenzung, Identitätsversprechen, Nationalismus und Provokationen durch einschlägige politische Akteure vor. Dabei arbeitet die Autorin eine Fülle von Gemeinsamkeiten heraus, welche anhand von Fallbeispielen ganz unterschiedlicher Populisten in verschiedenen Ländern verdeutlicht werden.

Rezension

Utopien für Realisten

Aus dem Untertitel: Die Zeit ist reif für die 15-Stunden-Woche, Offene Grenzen und das Bedingungslose Grundeinkommen. Letzteres wird zuerst abgehandelt, und zwar grandios gut, schlagend. 260 Seiten plus über 400 Anmerkungen/Quellen, die sich absolut zur Erweiterung des eigenen Horizonts und genau deshalb auch als politische Handlungsmaxime lohnen!

Haussperling

Jette Anders schrieb eine kleine Kulturgeschichte der Spatzen

Sie können nicht mit und nicht ohne einander

Angesichts der Spatzen ging selbst den Heiligen die Geduld aus. Der Ordensgründer Dominikus soll solch ein Vögelchen lebendig gerupft haben, weil es die Aufmerksamkeit von seiner Predigt ablenkte. Selbst Franz von Assisi, der bekanntlich zu den Vögeln sprach, fand sie nur noch "lästig". Martin Luther schrieb, er sei ein "arger und schädlicher Vogel". Solches erfährt man in Jette Anders Buch "Allerweltsvogel. Eine kleine Kulturgeschichte der Spatzen".

Rezension

Die Bibel der Atheisten

Das schmale Bändchen ist eine "Sammlung von Zitaten berühmter Atheisten von Xenophon über Sigmund Freud bis hin zu Woody Allen." Nun läßt es sich trefflich darüber streiten, ob jedes der Zitate das beste des ausgewählten Autoren ist; darüber, ob im Kanon nicht etliche Stimmen fehlen. Doch angesichts einer Zeitspanne von fast 3.000 Jahren und nicht einmal 200 Seiten Platz ist die Zitatensammlung gut gelungen.

Christiane Nüsslein-Volhard: Wie Schönheit in der Natur entsteht

Eine Zoologie der Zierde

Nur der Mensch ist eitel und bedient sich der Schönheit anderer Tiere, ihrer Federn und Felle, um sich zu schmücken. Alle anderen Tiere spricht nur die arteigene Schönheit an. Nur der Mensch kann ein bewunderndes Interesse für die Schönheit von Lebewesen jenseits der eigenen Artgrenze entwickeln. Wie und warum die "Schönheit der Tiere" entstand, beleuchtet die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard in einem jüngst erschienen Essay.