Wissenschaft
SpaceX schreibt Raumfahrtgeschichte: Raketen können wiederverwendet werden
Foto: © Steven Straiton, flickr (CC BY 2.0)
Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX erzielte vorgestern einen großen Fortschritt in ihren Bemühungen die Raumfahrt preiswerter zu machen: Es wurde eine Rakete in die Erdumlaufbahn befördert, die bereits einmal dort gewesen ist. Das Hauptziel, den Mars zu besiedeln, rückt damit einen weiteren Schritt näher.
Eines der Hauptanliegen von SpaceX ist es, die Raumfahrt preiswerter zu machen. Zentraler Bestandteil dieses Plans ist, die vollständige Wiederverwendbarkeit von Raketen zu gewährleisten. Eine elementare Hürde dafür war, die sogenannte "erste Stufe" einer Rakete, nach kontrolliertem Wiedereintritt in die Atmosphäre, landen zu lassen. Diesen bemerkenswerten Erfolg konnte SpaceX im Dezember 2015 erstmalig feiern. Seitdem gelangen dem Raumfahrtunternehmen acht weitere Landungen ihrer Falcon-9-Rakete.
Vorgestern, um 18:27 Uhr Ortszeit, erfolgte der erste Versuch eine dieser bereits verwendeten und sicher gelandeten Raketen erneut zu nutzen. SpaceX verwendete dieselbe erste Stufe einer Falcon 9, die bereits am 08. April 2016 für die NASA einen Flug ins Weltall absolviert hatte, und landete sie, wie im vorherigen Jahr, auf einem autonomen Drohnenschiff im Atlantischen Ozean.
Eine wertvolle Errungenschaft für die zukünftige Raumfahrt
Bei der Herstellung von Raketen verursachen nicht die einzelnen Bauelemente die größten Kosten, sondern ihr Zusammenbau. Die erste der drei Raketenstufen trägt den Treibstoff, um die Rakete aus der Erdatmosphäre in den Orbit zu befördern, und trennt sich daraufhin vom Rest. Üblicherweise verbrennt sie beim Wiedereintritt. Diese Stufe macht laut SpaceX etwa 80% des Herstellungsbudgets aus; bei einer Falcon 9 sind das fast 50 Millionen US-Dollar. Die Ausgaben für den Treibstoff belaufen sich auf 200.000 bis 300.000 US-Dollar.
Elon Musk, Gründer und CEO von SpaceX, zieht gerne den Vergleich zu Flugzeugen: Ein Ticket wäre unbezahlbar, würde man den Airbus nach jedem Flug verschrotten. Wenn sich die Gesamtinvestitionen über mehrere Flüge verteilen, sinken die relativen Kosten für jeden einzelnen Start. Musk zeigte sich über den jüngsten Erfolg sichtlich erfreut: "Letztlich wird es eine Revolution der Raumfahrt darstellen. […] Es ist ein toller Tag, nicht nur für SpaceX, sondern für die gesamte Raumfahrt und ein Beweis dafür, dass man schaffen kann, was viele für unmöglich hielten."
"Letztlich wird es eine Revolution der Raumfahrt darstellen"
Der Zweitstart der Falcon-9-Stufe ist jedoch nur ein Etappenziel auf der SpaceX-Agenda gewesen, welche langfristig auch die Mehrfachnutzbarkeit der übrigen Raketenteile anstrebt. Außerdem soll der aufwendige Aufbereitungsprozess nach der Landung fast gänzlich wegfallen, so dass dieselbe Rakete noch am gleichen Tag wieder ins All geschossen werden kann.
Incredibly proud of the SpaceX team for achieving this milestone in space! Next goal is reflight within 24 hours.
— Elon Musk (@elonmusk) 30. März 2017
Es ist ein Meilenstein für SpaceX und das erklärte Ziel, den Menschen zu einer multiplanetaren Spezies zu machen, um ihren Fortbestand im Falle einer existenziellen Bedrohung zu gewährleisten. Bei der Besiedlung des Mars soll es für die dort lebenden Menschen zudem eine Möglichkeit geben, zur Erde zurückzukehren.
Der gesamte Ablauf der Mission kann in einem moderierten Webcast, in dem auch Musk selbst zu Wort kommt, auf dem YouTube-Kanal von SpaceX nachgesehen werden.
Kommentare (3)
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WOW!
WOW!
"noch am gleichen Tag wieder ins All geschossen ... multiplanetar ... [nach] der Besiedlung des Mars ... zur Erde zurückzukehren"
Und wachte ich auf und merkte, dass es schon der 2. April war.
Da halfen dann auch keine 53 Werbeminütchen weiter.
Aus der (möglicherweise
Aus der (möglicherweise vorhandenen) Seele gesprochen, Hans Trutnau!
Der Re-Launch hat offenbar
Der Re-Launch hat offenbar tatsächlich stattgefunden - so weit, so technisch ok.
Aber ich frage mich, was der Blödsinn mit 'multiplanetare Spezies' soll. Die Spezies homo sapiens reist zu anderen Planeten?
Davon rücken inzwischen ja sogar die besonneneren der Hardcore-Transhumanisten ab.