Studie

"Querdenker"-Demonstrationen verbreiten Corona-Virus

Demonstranten gegen Corona-Maßnahmen neigen nicht selten zu Verschwörungsideologien.

Die "Querdenker"-Demonstrationen im November 2020 haben dazu beigetragen, dass sich das Corona-Virus in Deutschland stark verbreitet hat. Das belegt eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim und der Humboldt-Universität Berlin.

Wo sich viele Menschen versammeln, hat das Corona-Virus leichtes Spiel, sich zu verbreiten. Wenn die versammelten Menschen weder Masken tragen noch Abstand halten, ist das Spiel des Virus ein noch leichteres. Aus diesem Grund wurden Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht und Abstandsregeln als Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie eingeführt.

Dass Demonstrationen sogenannter "Querdenker", die diese Maßnahmen ablehnen, zur Verbreitung des Corona-Virus beitragen würden, konnte daher jedem, der auch nur einen Funken Verstand hat, klar sein. Eine aktuelle Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und der Humboldt-Universität Berlin hat dies nun auch wissenschaftlich erwiesen.

Die Autoren der Studie untersuchten konkret die Auswirkungen von zwei großen "Querdenker"-Kundgebungen, die am 7. November 2020 in Leipzig und am 18. November 2020 in Berlin stattfanden. Für ihre Studie machten sie sich den Umstand zunutze, dass für diese Versammlungen "Querdenker" aus ganz Deutschland anreisten und dass es ein Netzwerk von Busunternehmen gibt, das sich seit Sommer 2020 auf die Beförderung von Demonstranten zu den "Querdenken"-Kundgebungen spezialisiert hat. Die Autoren sammelten Informationen über das Angebot der Busreisen dieses Netzwerks und glichen sie ab mit der Sieben-Tages-Inzidenz von Landkreisen, in denen sich Städte mit einer entsprechenden Busverbindung befanden.

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass die Sieben-Tages-Inzidenz nach den Demonstrationen dort deutlich stärker anstieg als in Landkreisen ohne solche Busverbindungen. Dies hatte laut der Studie bis Weihnachten einen Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz um 40 in den betroffenen Landkreisen zur Folge. Nach Schätzungen der Wissenschaftler hätten bis Weihnachten zwischen 16.000 und 21.000 Covid-19-Infektionen verhindert werden können, wenn diese beiden großen "Querdenker"-Kundgebungen abgesagt worden wären. "Eine mobile Minderheit, die sich nicht an geltende Hygieneregeln hält, kann so ein erhebliches Risiko für andere Personen darstellen", erklärte hierzu ZEW-Wissenschaftler und Co-Autor der Studie Dr. Martin Lange.

Ebenso wie andere wissenschaftliche Erkenntnisse wird auch diese wissenschaftliche Studie "Querdenker" vermutlich nicht zum Überdenken ihres Handelns bewegen. Zu Hoffen bleibt jedoch, dass jene Ordnungsbehörden und Gerichte, die bislang das Versammlungsrecht der "Querdenker" höher bewerteten als den Infektionsschutz der Bevölkerung, zukünftig zu anderen Entscheidungen kommen werden.

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Kommentare (6)

Frank von der Heyde (nicht überprüft)

Mi. 10 Feb 2021 - 13:29

Hoffentlich tragen diese Studien auch dazu bei, die von den durchführenden als Spaziergänge bezeichneten Märsche -ohne als Kundgebung angemeldet zu sein - mit lauter Musik und Textbegleitung unmittelbar nach Erhalt von Kenntnissen unmittelbar und sofort bei festgestellten Verstößen gegen die Infektionsschutzmaßnahmen durch die zuständigen Polizeibehörden aufgelöst, die Identität aller Teilnehmer festgestellt und mit entsprechenden Ordnungsgeldern belegt werden.

Fredrit Beman (nicht überprüft)

Mi. 10 Feb 2021 - 16:44

Bei der "Studie" kann natürlich ausgeschlossen werden, dass es sich um eine Auftragsarbeit handelt. Das Innenministerium könnte dazu Auskunft erteilen. ZEW und Humboldt-Universität sind allerdings selbstverständlich völlig unabhängige Institute, auch wenn ein Blick auf deren Internetseite Zweifel schüren könnte. Richtig ist aber, dass die Autorin des Beitrages "Querdenker" in Parenthese setzt. Denker oder Querdenker sind die ja nicht wirklich - haben sich selbsternannt, ohne staatliche Anerkennung? Was den Text weiterhin betrifft, sollte das weibliche Geschlecht für "Humanisten*innen", selbst wenn man einen Text einfach abschreibt, nicht unter den Tisch fallen. "Querdenkerinnen"(!)- soviel Zeit und Funken an Verstand sollte jeder (und jede?) schon haben. Und auch bei den Demonstranten und Forschern fehlen im Text die *innen. Und dass man für den Satz: "Eine mobile Minderheit, die sich nicht an geltende Hygieneregeln hält, kann so ein erhebliches Risiko für andere Personen darstellen", eine wissenschaftliche Studie braucht - wer hätte das gedacht?
Und wie selbstverständlich scheint es für "Humanisten* innen" zu sein, dass der Infektionsschutz der Bevölkerung grundsätzlich Vorrang vor Grundrechten hat? Das wäre noch ausbaufähig bei den entdeckten und noch zu entdeckenden Viren. Aber solange Grundrechtsentzug nur für "Querdenker"- Demos gefordert wird, können sich "Humanisten" noch beruhigt zurücklehnen.

Sternchenskept… (nicht überprüft)

Do. 11 Feb 2021 - 17:53

Antwort auf von Fredrit Beman (nicht überprüft)

Wenn Sie wirklich wissen wollen, wer sich jetzt beruhigt zurücklehnen kann, schauen Sie hier rein: (an Minute 1:45)
https://www.youtube.com/watch?v=n-aJ_O98Szc

Was muss man denn tun oder sein, um bei Ihnen als "unabhängig" zu gelten? Fies Zweifel säen ist ja die Lieblingsübung von Wichtigtuer:innen ohne Argumente. Und wer weiß, vielleicht sind im Gegensatz zu Angela Merkel ja SIE die heimliche Tochter von Adolf H. und einer extraterrestrischen Echse in Gestalt eines übergewichtigen Top-Models? Wer weiß das schon so genau? Von Ihnen selbst erwarte ich da keine unabhängige Auskunft. Und vom Rand der Erdscheibe aus kann man nicht überall so genau hingucken. Das nur mal kurz quergedacht.

Edgar Schwer (nicht überprüft)

Mi. 10 Feb 2021 - 18:48

Auch die Bürger, die sich an die Vorgaben der geltenden Infektionsschutzverordnung halten, haben ein Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Dieses Recht wird von den umherreisenden Ignoranten und Verschwörungstheoretikern absichtlich verletzt. Für sie zählen nur die eigenen Rechte und Interessen. Das ist nicht nur unsozial, es stellt auch die öffentliche Ordnung in Frage. Die Gefahr, dass bei tausenden Menschen die ohne Abstand und Schutz dicht gedrängt stehen, die Pandemie durch neue Virus Mutationen beschleunigt wird ist die große Sorge von uns allen. Es verstößt nicht gegen die Verfassung, die Bürger dieses Landes vor gesundheitlichen Risiken zu schützen. Das sollte auch den weltfremden Verfassungsrichtern einleuchten. Offenbar sind die schrecklichen Bilder aus Bergamo schon vergessen.

Ingrid Schmall (nicht überprüft)

Mi. 10 Feb 2021 - 20:02

Bei der angegebenen Studie funktioniert mein Übersetzungsprogramm leider nicht.
Kann man die auf Deutsch erhalten?

David Z (nicht überprüft)

Sa. 13 Feb 2021 - 15:58

Antwort auf von Ingrid Schmall (nicht überprüft)

Einen link zur dt. Version habe ich zwar nicht, aber einen, der vielleicht noch interessanter sein dürfte:

https://www.nordkurier.de/politik-und-wirtschaft/experten-zerpfluecken-studie-ueber-querdenken-demos-1142400602.html

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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