Einordnung einer Studie

Wo religiöse Vorgaben über Schulregeln stehen, wächst Gewalt

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Schulhof (Symbolbild)
Schulhof (Symbolbild)

Das jüngst veröffentlichte Konflikt- und Gewaltbarometer des Berliner Senats bestätigt, worauf bereits zahlreiche Erhebungen seit Jahren hindeuten. Dennoch wurden entsprechende Befunde allzu oft als "rassistisch" diffamiert. Die neue Untersuchung zeigt: Bereits an Grundschulen häuft sich die Gewalt, die Impulskontrolle nimmt ab, der Anpassungsdruck zu und religiös motiviertes Mobbing sowie Antisemitismus gewinnen an Bedeutung. Der Blick eines Pädagogen auf verdrängte Ursachen.

Als ich die Berichte zum Gewaltbarometer des Berliner Senats las, dachte ich: "Gut – oder vielmehr: nicht gut. Die Studie bekräftigt, was andere Untersuchungen längst aufgezeigt hatten." Dabei denke ich beispielsweise an Erhebungen des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, an die Bestandsaufnahme zur konfrontativen Religionsbekundung des Berliner Vereins für Demokratie und Vielfalt in Schule und beruflicher Bildung (DEVI) oder an die Studie der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) zu autoritären Einstellungen unter Jugendlichen, differenziert nach Religionszugehörigkeit.

Erschreckend bleibt, wie häufig große Teile dieser damaligen Befunde als antimuslimischer Rassismus diskreditiert wurden. Erinnert sei daran, dass die NGO Neue Deutsche Organisationen nach der Veröffentlichung der DEVI-Studie über religiösen Gruppenzwang in Neukölln im Jahr 2021 sogar eine Unterschriftenliste initiierte, um eine weitere Förderung dieser Erhebung zu verhindern.

Umso wichtiger ist es, dass diese repräsentative Studie nun existiert und sie sich ausdrücklich auch Antisemitismus- und Islamismus-Vorfällen widmet. Ihre Autoren betonen zudem, dass sie keine Berliner Besonderheiten beschreiben, sondern Entwicklungen sichtbar machen, die bundesweit zu beobachten sind.

Schule als neutrale Alternative zum Elternhaus

Schulen besitzen ein enormes Potenzial. Sie können künftige Generationen zu mündigen, friedlichen und verantwortungsbewussten Bürgern erziehen. Gerade ihre institutionelle Neutralität macht – oder machte – öffentliche Schulen einzigartig. Sie bieten Kindern und Jugendlichen einen Erfahrungsraum jenseits des Elternhauses, einen Ort der Freiheit und der offenen Auseinandersetzung, der gerade dann wichtiger wird, wenn familiäre Strukturen repressiv organisiert sind. Dieses Ideal ist jedoch brüchig geworden. Die zunehmende Gewalt an Schulen ist ein Symptom dieser Erosion.

Gewalt ist weder angeboren noch exklusives Merkmal bestimmter Gruppen. Gewalt wird erlernt. Kein Schüler ist aufgrund seiner Hautfarbe oder Biologie friedfertig oder gewaltaffin. Wer das behauptet, argumentiert rassistisch. Gleichzeitig gilt: Bestimmte Sozialisationsbedingungen, Erziehungsstile, religiöse Ideologien oder kulturelle Prägungen können Gewalt begünstigen. Das auszusprechen ist keine Diskriminierung, sondern Voraussetzung wirksamer Prävention.

Kinder tragen keine Verantwortung dafür, in welche Familien oder kulturellen Kontexte sie hineingeboren werden. Aufgabe der Pädagogik wäre es vielmehr, Heranwachsende zu einem reflektierten Umgang mit ihrer eigenen Biografie zu befähigen. Wir – und damit meine ich das gesamte pädagogische Personal – müssen junge Menschen in die Lage versetzen, Eigenverantwortung zu übernehmen und gewaltfreie Handlungsalternativen zu entwickeln.

"Normalisierung von Gewalt"

Zwischen November 2025 und Januar 2026 ließ der Berliner Senat durch das Allensbach-Institut für Demoskopie unter Leitung von Ullrich Bauer (Universität Bielefeld) und Marc Grimm (Universität Wuppertal) rund 14.000 Schülerinnen und Schüler an fast 300 Berliner Schulen befragen. Fast 2.600 Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter gaben online Auskunft.

Besonders auffällig ist der Anstieg von Gewalt und Bedrohungen. Die Forscher sprechen sogar von einer "Normalisierung von Gewalt". 57 Prozent der Berliner Lehrkräfte nehmen an ihrer Schule ein erhebliches Gewaltproblem wahr. Als "besonders besorgniserregend" bezeichnet Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, "dass viele dieser Entwicklungen bereits an Grundschulen sichtbar werden".

Doch auch in höheren Klassen prägt Gewalt den Schulalltag. Jeder dritte Neuntklässler gibt an, sich wegen der Gewalt nicht auf den Unterricht konzentrieren zu können. Jeder sechste Schüler ab Klasse 9 fühlt sich in der Schule zunehmend unsicher. Sieben Prozent hatten deshalb bereits ein Messer dabei, sechs Prozent führten Pfefferspray mit sich.

Schwindende Impulskontrolle

Als eine Ursache – die allerdings nur einen hinteren Teil der Ursachenkette erklären kann – nennen die Autoren eine nachlassende Impulskontrolle und geringere Frustrationstoleranz. Dieser Rückgang der Selbstkontrolle sei insbesondere an Grundschulen zu beobachten.

Gewalt ist weder angeboren noch exklusives Merkmal bestimmter Gruppen. Gewalt wird erlernt. Kein Schüler ist aufgrund seiner Hautfarbe oder Biologie friedfertig oder gewaltaffin. Wer das behauptet, argumentiert rassistisch. Gleichzeitig gilt: Bestimmte Sozialisationsbedingungen, Erziehungsstile, religiöse Ideologien oder kulturelle Prägungen können Gewalt begünstigen. Das auszusprechen ist keine Diskriminierung, sondern Voraussetzung wirksamer Prävention.

Im Zusammenhang damit stehe die Corona-Pandemie – 61 Prozent der Lehrkräfte berichten seitdem von einer Zunahme der Gewalt – sowie die intensive Nutzung Sozialer Medien, die digitale Konflikte in den Schulalltag verlagern.

Dazu zwei Bemerkungen: Erstens sei die Verunglimpfung jener ins Gedächtnis gerufen, die die Corona-Maßnahmen kritisierten, weil dadurch Kinder aus dem Schulalltag gerissen und über Monate in ihre Wohnungen verbannt wurden – oft nicht allein, sondern mit gestressten oder durch Kurzarbeit belasteten Eltern. Die vorhergesagten Folgen waren ein deutlicher Anstieg häuslicher Gewalt und ein Verlust an Empathie, da soziale Begegnungen und Räume mit verbindlichen Regeln weggefallen sind. Vor diesem Hintergrund gewannen Soziale Medien als Surrogat für ungestillte Bedürfnisse und unbeantwortete Fragen zusätzlich an Relevanz. Kinder lernen am Modell: "Lösen" Eltern Konflikte mit Gewalt, übernehmen Kinder schnell dieses Verhalten. Erleben sie Gewalt zu Hause, färbt es auf sie ab.

Zweitens: Wie häufig höre ich von jungen Menschen, die gewalttätig geworden sind, sie hätten sich "nur verteidigt". Im nächsten Atemzug heißt es dann, die Eltern hätten ihnen beigebracht, auf Beleidigungen auch mit Schlägen zu reagieren. Oft sprechen diese Kinder und Jugendlichen von "Ehre", "Männlichkeit" und "Stärke" – von hochtrabenden Werten, die notfalls mit Gewalt "verteidigt" werden müssten. Gewalt erscheint insbesondere in patriarchal geprägten, vielfach muslimischen Milieus als legitimes Mittel, um Kränkungen zu neutralisieren. Das Berliner Gewaltbarometer bestätigt, dass in Schulen bereits Kleinigkeiten eskalieren und in 19 Prozent der Fälle schon schulische Leistungen den Auslöser für Gewaltausbrüche darstellen. Es liegt daher nahe, dass hier auch Minderwertigkeitskomplexe oder Selbstwertprobleme mit Aggressivität kompensiert werden – Stichwort: Frustrationstoleranz.

Konkret: In den Schulen begegnet uns ein "Clash of Cultures" – und zwar genau dort, wo eigentlich Kritikfähigkeit und Fehlertoleranz gefragt sind. Individualistisch geprägte westliche Gesellschaften verstehen sich als Verantwortungs- oder Schuldgesellschaften. Uns wird vermittelt, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, Fehler einzugestehen und sie aufzuarbeiten. Im Kleinen wie im Großen. Das Selbstverständnis der Bundesrepublik Deutschland etwa fußt auf der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit und dem Eingeständnis historischer Schuld.

Demgegenüber sind viele kollektivistisch geprägte, meist muslimische Gesellschaften stark von Ehr- und Schamvorstellungen dominiert. Verantwortungsübernahme wird dort öfter umschifft, Kritik schnell als Beleidigung verstanden. Die Türkei beispielsweise baut ihre nationale Identität bis heute auf der Leugnung des Völkermords an den Armeniern auf.

Wer in einem solchen kulturellen Umfeld sozialisiert wird, erlebt Kritik häufig nicht als Einladung zur Selbstreflexion, sondern als Attacke auf die eigene Person, die Familie, die Männlichkeit oder gar die eigene Identität.

"Auch dich kriegt der IS"

Wachsen Kinder mit diesen Deutungsmustern auf, dann spiegeln sie sich zwangsläufig auch im Schulalltag wider. Will sagen: Natürlich ist es ein universelles Phänomen, auf Fehlerhinweise zunächst mit Abwehr zu reagieren. Es macht jedoch einen Unterschied ums Ganze, ob man Fehler vielleicht nicht wohlwollend gegenübersteht, sie aber mit ein bisschen Abstand als Anlass zum Lernen begreift, oder ob einem das gesamte Leben lang eingebläut wurde, dass Konflikthaftes innerhalb der Familie niemals nach außen gelangen darf, Männer stets Unfehlbarkeit demonstrieren müssen und jede Unzulänglichkeit bedeutet, als Mensch insgesamt versagt zu haben. Dann wird Kritik eher als persönlicher Angriff verstanden und mit Aggressionen quittiert. Genau diese autoritäre, stark schambesetzte Erziehung, in der jede Abweichung vom Idealbild als Ehrverletzung gilt, ist in patriarchal geprägten muslimischen Milieus weit verbreitet. Von diesen Strukturen kann sogar erwartet werden, auf Tadel mit impulsiver Härte zu reagieren, um die "Ehre" aufrechtzuerhalten.

Solche Beißreflexe zeigen sich auch im Umgang mit Religionskritik, bei der das eigene Bekenntnis als unantastbar und sakrosankt verstanden wird. Wie das in der Schule eskalieren kann, verdeutlicht der Fall des Bonner Lehrers Rolf Haßelkuhs. Er präsentierte in einer Unterrichtsstunde zum Thema Toleranz und Meinungsfreiheit Karikaturen zum Christentum und zum Islam, darunter Zeichnungen von Charlie Hebdo. Am nächsten Tag entdeckte er an der Tafel den Satz: "Auch dich kriegt der IS."

Religiöse Intoleranz: Selbstbestimmte Lebensweisen und Juden im Visier

Apropos Religion: Die Studie zeigt, dass bereits unter Zehnjährigen in den Sozialen Medien ein regelrechter "religiöser und sozialer Konformitätsdruck" herrscht, der sich im Schulalltag zu handfesten Auseinandersetzungen potenzieren kann. Doch auch bei älteren Jahrgängen wächst der Einfluss religiöser Vorgaben. Jeder zehnte Schüler der neunten bis zwölften Klassenstufe berichtet von dem Druck, religiöse Regeln, etwa beim Essen oder bei der Kleidung, befolgen zu müssen. 40 Prozent der muslimischen Neuntklässler sind der Meinung, dass religiöse Regeln Vorrang vor den Schulregeln haben. Unter christlichen Schülern vertreten 33 Prozent diese Auffassung, unter Schülern ohne Religionszugehörigkeit 18 Prozent – was auch immer Letzteres im Einzelfall bedeuten mag.

Bereits sieben Prozent der Gewaltvorfälle an Berliner Schulen sind religiös konnotiert. Inzwischen betrachtet jeder dritte Lehrer Antisemitismus als großes Problem, jeder vierte den Islamismus.

Das religiöse Mobbing geht, so mein Eindruck, den zahlreiche Berichte bestätigen, in erster Linie zum Leidwesen nichtmuslimischer, aber auch säkular-muslimischer Schülerinnen und Schüler, die sich einer traditionalistischen Moral nicht beugen wollen. Betroffen sind Mädchen, die sich dem sozialen Druck zu "sittsamer" Kleidung widersetzen oder selbstbestimmt voreheliche sexuelle Erfahrungen sammeln wollen, sowie homo-, bi- oder transsexuelle Schüler, nicht fastende Schüler, Juden, Schüler, die sich für Israel aussprechen, Angehörige religiöser Minderheiten wie Aleviten oder Christen sowie Angehörige ethnischer Minderheiten wie etwa den Kurden.

Ich erinnere mich an einen queeren Schüler, der von muslimischen Jungen über Monate gehänselt und dessen Kleidung sogar angekokelt wurde. Ich erinnere mich an Referatsplakate zur Judenverfolgung im Nationalsozialismus, die mit "Fuck Israel" beschmiert wurden. Oder an den Satz "Mach mal keine Judenaktion", der auf dem Schulhof oder im Sportunterricht fällt, wenn jemand eigensinnig oder vermeintlich unfair spielt.

Das ist keine anekdotische Evidenz, sondern empirische Realität, wie die amtliche Berliner Studie jetzt bestätigt. Mehr als ein Viertel der befragten Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 bis 12 gab an, sich in ihrer sexuellen Freiheit eingeschränkt zu fühlen. Von den befragten jüdischen Schülern berichteten 34 Prozent, aufgrund ihrer Religion bereits Gewalt erfahren zu haben.

"Der Islam ist hier der Chef"

Die Geschichte des soeben erwähnten Bonner Lehrers, der Opfer drastischer islamistischer Morddrohungen wurde, ist kein Einzelfall. Auch das Gewaltbarometer zeigt, dass nicht selten Lehrkräfte, Sozialpädagogen und andere Schulbeschäftigte selbst zu Opfern der Gewaltdynamiken werden.

So sorgten vor einem Jahr die Erfahrungen eines schwulen Lehrers aus Berlin-Moabit für mediale Aufmerksamkeit. Der Mann berichtete, von Schülern wegen seiner sexuellen Orientierung gemobbt worden zu sein. "Du Schwuler, geh weg von hier. Der Islam ist hier der Chef", hätten ihm Schüler zugerufen.

Nicht Migrationshintergrund, sondern Ideologie

Ich meine: Genau dieses islamisch begründete Dominanzgebaren müsste künftig stärker als Motiv von Anfeindungen und physischer Gewalt in Untersuchungen und öffentliche Debatten einbezogen werden. Zwar hat sich inzwischen auch in vielen Redaktionen die Erkenntnis durchgesetzt, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund bei Gewaltdelikten stark vertreten sind. Die Erklärungen erschöpfen sich dann jedoch meist in Hinweisen auf "Armut, geringe Bildung, Perspektivlosigkeit, Gewalterfahrung in der Familie" sowie "Gewalt legitimierende Einstellungen". Ergo: Allgemeinplätze. Dass sich gewaltlegitimierende Einstellungen auch religiös begründen oder religiös verstärken können, bleibt dagegen häufig unerwähnt.

So zeigt etwa eine Untersuchung des forensischen Psychiaters Frank Urbaniok, dass Gewaltneigungen durchaus auch davon beeinflusst werden, ob Migranten ultrakonservativ muslimisch oder säkular geprägt sind oder ob sie in Clanstrukturen oder modernen Kleinfamilien sozialisiert wurden1. Mit anderen Worten: Nicht der Migrationshintergrund ist das Problem, sondern die jeweilige Ideologie. Entsprechend kann sich das Gewaltpotenzial bei persischstämmigen Schülern erheblich von dem streng sunnitisch geprägter arabischer oder türkischer Schüler unterscheiden.

Um auf meinen Eingangsgedanken zurückzukommen und Missverständnissen vorzubeugen: Eine erhöhte statistische Gewaltaffinität einzelner Gruppen darf niemals dazu führen, Kinder aufzugeben oder ihnen pauschal Eigenschaften zuzuschreiben. Ehrlicherweise aber müsste religiöses Mobbing dort, wo es islamisch begründet ist, auch als islamisch begründetes Mobbing benannt werden dürfen.

Echte Diversität hieße Durchmischung und braucht gemeinsame Werte

Schließlich gaben 30 Prozent der Schulbeschäftigten an, der Schulbetrieb werde durch Gewalt in hohem Maße beeinträchtigt. Also: keine Lappalie, sondern Ausdruck einer ernstzunehmenden Torpedierung des Schulfriedens.

Ich weiß dennoch, dass etliche Schulen mit einer außerordentlich vielfältigen Schülerschaft existieren, die nicht durch anhaltende Gewalt auffallen – darunter auch Grund- und Hauptschulen. Warum? Aus meiner Sicht spielen dort zwei Faktoren eine entscheidende Rolle.

Wirkliche Heterogenität: Zum einen kann die Stimmung ab einem bestimmten Anteil von Schülern aus ein und demselben kulturellen Milieu kippen. Der Anreiz zur Integration in die freiheitlich-demokratische Gesellschaft nimmt ab, während der Gruppendruck des Kollektivs zunimmt. Ahmad Mansour sprach in diesem Zusammenhang einmal von einer Größenordnung von um die 40 Prozent. Dann haben wir keine produktive Diversität mehr, sondern bewegen uns in Richtung Homogenität und das Leistungsniveau sinkt. Erfolgreiche Schulen achten deshalb bewusst auf eine gute Durchmischung der Schülerschaft. Begegnung fördert Integration, und den gemeinsamen Rahmen haben die Schulordnung und das Grundgesetz zu bilden.

Zum anderen kann dort, wo ein hoher Anteil von Schülern aus demselben Kulturkreis aufgrund der Einzugsgebiete kaum vermeidbar ist, ein konsequentes schulisches Auftreten entscheidend sein: Null Toleranz gegenüber Gewalt, klare Erwartungen, klare Regeln und eine unmissverständliche Orientierung an den Grundrechten unserer Verfassung können einer Radikalisierung entgegenwirken. Gradlinigkeit ist die Sprache, die autoritär sozialisierte Kinder und Jugendliche verstehen.

Dass diese Loyalität gegenüber den Werten der Aufklärung inzwischen schwindet und Gleichberechtigung oder Kinderschutz zunehmend hinter religiösen Empfindlichkeiten zurücktreten, zeigt aus meiner Sicht auch das Ende des Berliner Neutralitätsgesetzes. Wenn Lehrerinnen mit Kopftuch selbstverständlich im Staatsdienst unterrichten können, muss die Frage erlaubt sein, ob sich Betroffene islamisch motivierten Mobbings ihnen ebenso ohne Bedenken anvertrauen können wie äußerlich neutralen Lehrkräften. Ich habe daran erhebliche Zweifel.

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1 Urbaniok, Frank. Schattenseiten der Migration: Zahlen, Fakten, Lösungen. Deutschland, VOIMA Verlag, 2025.