Caritas lehnt Tarifvertrag für die Altenpflege ab

Die finanzielle Aufwertung der Altenpflege ist an der Caritas gescheitert. Die Säkularen Sozialdemokrat_innen kritisieren die Sonderstellung der Kirchen im Arbeitsrecht, die, wie sich nun zeigt, für Arbeitnehmer_innen weit über das kirchliche Umfeld hinaus negative Folgen haben kann.  

Die Caritas hat mit ihrer Ablehnung eines bundesweiten Tarifvertrags für die Pflege bewiesen, dass die Sonderstellungen der Kirchen im Arbeitsrecht negative Folgen für Flächentarifvereinbarungen und letztendlich die Beschäftigten in den sozialen Einrichtungen haben. An den Verhandlungen beteiligte Gewerkschaften kritisieren die Haltung des christlichen Wohlfahrtsverbandes scharf. Eine Einigung zwischen Arbeitgeberverbänden und den Gewerkschaften hätte ab August 2021 für Mindestentgelte und eine bessere Absicherung der Beschäftigten gesorgt.

Diese tariflichen Verbesserungen hinsichtlich der Arbeitsbedingungen in der Pflege wollte die Caritas nicht mittragen und hat damit eine bundesweite Regelung verhindert, denn gesetzlich müssen die Arbeitsrechtskommissionen der Kirchen in den entsprechenden Branchen einer einheitlichen Regelung zustimmen. Der Sonderstatus der Kirchen ist an dieser Stelle weder mit Religionsfreiheit noch Tarifautonomie zu erklären, sondern fußt auf den Privilegien im Arbeitsrecht, die Gewerkschaften und Säkulare schon seit Längerem kritisieren.

Bei ihrem Online-Bundestreffen haben die Säkularen Sozis erneut beschlossen Seit' an Seit' mit den Gewerkschaften für eine Beendigung des kirchlichen Sonderwegs im Arbeitsrecht zu kämpfen.

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Kommentare (8)

Giordano Bruno (nicht überprüft)

Di. 2 Mär 2021 - 13:24

Das ist die schäbige Habgier der Kirchen, als reichster Verein weltweit, zu geizig um die Angestellten innerhalb von Diakonie und Caritas-Heimen leistungsgerecht zu bezahlen.
Der Vatikan und die EKD sollten sich schämen, die Menschen welche die anstrengendste und aufopferungsvollste Arbeit verrichten derart schlecht zu entlohnen.
Es ist ein "Himmelschreiender" Skandal.

Peter Linke (nicht überprüft)

Di. 2 Mär 2021 - 13:30

Die Caritas nennt als einen der Ablehnungsgründe, sie zahlt sowieso mehr als der Branchendurchschnitt:

"Zum anderen befürchtet sie, dass die Kostenträger (im Wesentlichen die Pflegekassen) sich künftig am Tarifvertrag Altenpflege als Norm orientieren und die Mehrkosten der Einrichtungen nicht mehr refinanzieren, die höhere Löhne zahlen. Das ist der Fall bei der Caritas, die Pflegerinnen und Pfleger höhere Löhne zahlt als der Branchendurchschnitt und als das im Tarifvertrag von BVAP und ver.di festgelegte Lohnniveau vorgesehen ist. "

https://www.caritas.de/fuerprofis/fachthemen/gesundheit/der-tarifvertrag-in-der-altenpflege-komm

Sicher ist der arbeitsrechtliche Sonderweg der Kirchen apriori abzulehnen. Ich habe aber keinen Einblick in Details. Ist an dem Argument etwas dran?

Angelika Wedekind (nicht überprüft)

Di. 2 Mär 2021 - 13:52

Es sind die Säkularen in den Parteien, die Hoffnung machen.

M. Landau (nicht überprüft)

Di. 2 Mär 2021 - 14:31

Sklaventreiber und Ausbeuter. Menschen in den Pflegeberufen sollten sich an entsprechend spezialisierte Zeitarbeitsunternehmen wenden. Da die Nachfrage in diesem Berufszweig hoch ist, dürften die Konditionen Arbeitnehmer-innen unproblematisch, oft sogar besser sein. Wenigstens erhalten sie dann eine angemessene Entlohnung und Arbeitnehmerrechte, statt der konfessionellen Knebelverträge der Kirche. Bei der Zeitarbeit wird wenigstens niemand wegen Kirchenaustritt, Scheidung, 'wilder Ehe' oder sonstigem Privatkram gefeuert.

Zeitarbeit hat, nicht zu Unrecht und oft durch eigenes Bestreben, ein schlechtes Image. Manches soll sich jedlch gebessert haben. Doch auch in diesem Zweig bestimmen Angebot und Nachfrage das Business. Zugegeben, das Kapitalistische darin widerstrebt mir schon in der Grundlage, ganz besonders in Berufen, wo der Mensch im Mittelpunkt steht oder stehen sollte und nicht die Dividenden der Aktionäre, aber hier wäre es, zumindest zweitweise, wie die Bezeichnung 'Zeitarbeit' schon sagt, eine realistische Option. Das umso mehr der Arbeitsmarkt im Gesundheitswesen sich, vor allem in unseren Zeiten, zugunsten der Arbeitnehmer-innen entwickelt. Die Lohnforderungen und die, im Sinne der Pfleger-innen, flexibleren Arbeitsbedingungen, sollten sich derzeit recht gut realisieren lassen.

Moral? Wenn es nach den Maßstäben der Kirche ginge, dürfte sich das von selbst erledigen, denn die sind, frei von Skrupeln, eiskalt berechnend. Ganz gleich worum es geht: deren Interessen stehen immer an erster Stelle. Nun denn, die Ersten werden die Letzten sein - gelle?

Und der/die Patient-inn-en? Um die geht es schließlich. Sie werden in jeder Weise davon profitieren; personell, finanzielle und auch menschlich. Vor allem jedoch müssen die religiösen Institutionen, am besten gleich morgen, ganz aus dem gesamten Sozial- und Gesundheitswesen raus. Das Gemeinwesen ist unser aller Besitz und damit in unser aller Verantwortung und nicht das vermeintliche Eigentum einiger vorgestriger alte weiße Männer mit dem Muff der Zweitausend Jahre unter den Nachthemden. Sie richten dort nur Schaden an und kosten das Gemeinwesen und die Sozialversicherungen Jahr für Jahr Millionen und Abermillionen - Geld, das dringend anderweitig benötigt wird, gerade jetzt in Zeiten der Pandemie. Ich rede etwas viel vom Geld? Muss ich wohl, denn den Kirchen geht es nur darum, ist die Penunze doch deren stärkstes Machtinstrument. Diese Macht muss in die Hände jener gelegt und die Verantwortung jenen übertragen werden, denen sie zusteht: dem Volk und allen Menschen. So wage ich zu diesem Thema zu sagen: »Wir sind das Volk!« und ich meine, das ist hier durchaus angebracht, ist unsere Gesundheit doch ein ähnlich hohes Gut wie unsere Freiheit.

Klaus Weidenbach (nicht überprüft)

Di. 2 Mär 2021 - 20:44

Carsten Frerk zitiert in seinem "Violettbuch Kirchenfinanzen" auf Seite 215 die Deutsche Bischofskonferenz ("Berufen zur Caritas") :"Als Empfänger der Liebe Gottes sind die Menschen eingesetzt, Träger der Nächstenliebe zu sein, und dazu berufen, selbst Werkzeuge der Gnade zu werden, um die Liebe Gottes zu verbreiten und Netze der Nächstenliebe zu sein." Wie man hier aber sehen kann, haben diese "Netze der Nächstenliebe" erhebliche Löcher, wenn es um einen Tarifvertrag für die eigenen Mitarbeiter geht. Die Kirchen bestreiten ohnehin nur 4% der Umsätze des Caritaskonzerns aus Eigenmitteln, der Rest kommt aus staatlichen Mitteln oder Versicherungen etc. Nach außen hin gibt man sich uneigennützig und sozial ("die tun doch so viel Gutes"), wenn es aber darum geht, die eigenen Mitarbeiter, die einen sehr schweren Dienst haben, angemessen zu bezahlen, wird der Geldhahn zugedreht. Das kann man nur als hinterhältig, aber leider sehr typisch für die christliche Moral, bezeichnen.

G. Hantke (nicht überprüft)

Mi. 3 Mär 2021 - 00:11

Ist vermutlich meine Schuld. Als die Caritas hier jüngst von Tür zu Tür tingelte, um Geld für ihre mildtätige Arbeit zu sammeln (kein Scherz!), habe ich eine Beteilung mit Hinweis darauf abgelehnt, dass die zweifellos unterstützenswerte Arbeit ihrer Angestellten ohne diesen ihren kirchlichen Arbeitgeber mindestens genauso gut funktionieren würde und die Betroffenen dann außerdem in den Genuß der allgemeinen Arbeitnehmerrechte kämen.

Martha Beéry-Artho (nicht überprüft)

Mi. 3 Mär 2021 - 09:45

Schon als Kind war ich mit dieser Haltung der Kirche in Sachen Wert einer Arbeit, Arbeitsrecht und den damit verbundenen Sozialen Absicherungen konfrontiert. Jolanda Spirig, Autorin hat in ihrem Buch "Hinter dem Ladentisch" eine Familie zwischen Kolonialwaren und geistlichen Herren, diese Situation recherchiert und aufgezeichnet und die Haltung der Kirche damit auch eindrücklich beschrieben. Für mich ist das was ich in diesem Artikel gelesen habe wie ein erneuter Schlag ins Gesicht. Denn ich habe mein ganzes Leben für die Anerkennung der Pflegearbeit....und auch Sorgearbeit in welcher Form auch immer gekämpft. Die "Kirche" weiss genau was sie da tut und damit auslöst, Armut und Altersarmut u.a. Doch nach wie vor verharrt sie in ihren feudalherrlichen Gebaren und mit ihr offensichtlich die von ihr abhängigen "Sozialwerke" auch. Danke für diesen Artikel. Weiteres ist über das im Zürcher Chronos Verlag erschienene Buch auf der Webseite www.jolandaspirig.ch ersichtlich

Ingrid Matthäu… (nicht überprüft)

Di. 9 Mär 2021 - 10:12

Die ZEIT vom 4.3. beschreibt es so treffend: da die Caritas idR besser zahlt, ist es nicht finanzielle Gier, sondern allein der Wunsch der Caritas, sich in ihr eigenes "Kirchliches Arbeitsrecht" (Dritter Weg) nicht hineinregieren zu lassen. Ich kämpfe seit langem gegen diesen Dritten Weg, war mir aber der verheerenden Wirkung z.B. auf eine Mindestlohnregelung durch Tarifvertrag wegen der Ablehnung durch die Caritas nicht bewusst. Diese Burschen sind noch bösartiger als ich es bisher gedacht habe.

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