Identitätspolitiken von Links und Rechts: Der perfekte Sturm

In der aktuellen Politik scheint es eine ungute Wechselwirkung zwischen Populismus und Identitätspolitiken von Links und Rechts zu geben. Durch Feindbilder und Stigmatisierung wird Wählerklientel abgeschreckt und wendet sich anderen politischen Lagern zu, da Politik als elitär wahrgenommen wird. So verlieren identitätspolitisch agierende Parteien am Ende auch noch die Minderheiten, die sie zu vertreten vorgeben, während die politisch radikale und extreme Rechte immer nur dann eine historische Machtperspektive zu haben scheint, wenn sie es schafft, beträchtliche Teile der unteren Klassen auf ihre Seite zu ziehen.

In Zeiten, in denen Rechtspopulisten in ganz Europa auf dem Vormarsch sind und in Deutschland die Partei Alternative für Deutschland (AfD) von Erfolg zu Erfolg eilt, scheint es plausibel, davon zu sprechen, dass wir einen gesellschaftlichen Rechtsruck erleben. Betrachtet man aber Langzeitstudien, so stellt man fest, dass empirisch erhobene rechtsextreme Einstellungen und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit über die Jahrzehnte eher ab- als zugenommen haben.

Unter diesem Aspekt scheint der gesellschaftliche Rechtsruck also eher ein politisches Narrativ als eine messbare Realität darzustellen. Wie kommt es aber, dass Menschen immer mehr bereit sind, in Deutschland eine Partei zu wählen, die in Teilen gesichert rechtsextremistische Positionen vertritt und deren Mitglieder immer wieder durch gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auffallen, wenn die Bevölkerung im Gros diese Einstellungen nicht teilt?

Meine These ist, dass es sich – zumindest in Teilen – um eine perfide Wechselwirkung zwischen Populismus und Identitätspolitiken von Links und Rechts handelt.

Populismus und Identitätspolitik

Populismus bezeichnet dabei eine Mischung aus Politikstil und etwas, das man "dünne Ideologie" nennt, also einer Ideologie, die nur einen begrenzten ideologischen Kern besitzt, der im Fall des Populismus in einer "Wir hier unten gegen die da oben"-Erzählung besteht. Der Politikstil nutzt verschiedene Elemente, wobei eines dieser Elemente eine Identitätserzählung ist, denn ein "Wir" benötigt ein "die Anderen", von dem es sich abgrenzt.

Ein "Wir" gegen "Die" reicht jedoch noch nicht aus, um von Identitätspolitik zu sprechen, denn sonst wäre faktisch jede Politik Identitätspolitik. Erst, wenn politische Positionen mit auf unveränderbaren Merkmalen basierender Identität in eins gesetzt werden, kann man sinnvoll von Identitätspolitik sprechen. Diese ist aber immer an den Populismus wie oben beschrieben anschlussfähig.

Die Notwendigkeit eines solchen "Right-Wing Populism" beschrieb Murray Rothbard schon 1992 und Samuel Francis beschrieb 1993, wie ein solcher funktionieren kann, indem die reaktionäre Rechte zum Mittel des Kulturkampfes greift. Die meisten aktuellen Populisten werden diese Texte nicht kennen, aber durch das Mittel der Imitation dessen, was anderswo scheinbar gut funktioniert, pflanzt sich diese Praxis länderübergreifend fort.

Sicherlich kann man immer versuchen, Dinge so darzustellen, dass sie gut in die eigene politische Erzählung passen, dieser Versuch muss aber ein Moment des Wahren besitzen, damit eine ausreichende Zahl von Wählern sie auch glauben kann. Es muss also zumindest eine Korrespondenz bestehen zwischen dem Behaupteten und der Realität, denn nur so ist Anschlussfähigkeit gegeben.

So schreibt auch der österreichische rechtsradikale und ehemalige Kopf der Identitären Bewegung Martin Sellner nicht einfach von "Provokation", die notwendig sei für einen von ihm ersehnten "Regime Change von Rechts", sondern von "anschlussfähiger Provokation", wohl wissend, dass einzelne Personen scheinbar fast alles zu glauben bereit sind (man danke an das sogenannte "Pizzagate"), die breite Mehrheit aber doch eine gewisse Grundplausibilität von Thesen mit der von ihnen wahrgenommenen Realität abgleicht.

Gibt es dieses "Fünkchen Wahrheit", auf dem Rechte ihre populistische Identitätserzählung aufbauen können? Ich würde behaupten: Ja, die gibt es. Leider. Und zwar findet es sich sowohl in Inhalten als auch in Praxen der identitätspolitischen Linken.

Feindbilder

Beginnen wir mit den Inhalten. Der Begriff "Identitätspolitik" kommt aus der neo-marxistisch geprägten U.S.-amerikanischen Linken und konstituiert bereits dort ebenfalls eine "Wir gegen die"-Erzählung. Das Feindbild ist dort nicht der "alte weiße Mann" sondern der "white heterosexual man". Dabei ist gar nicht entscheidend, wo die linke Identitätspolitik herkommt oder wer das Feindbild ist, sondern, dass es auch dort ein solches Feindbild überhaupt gibt.

Denn wie soll denn eine durch dieses Feindbild abgewertete Gruppe reagieren? Zumindest in Teilen wird sie diese Abwertung negativ auffassen und sich auf das Spiel "Wir gegen die" einlassen, was besonders dann gefährlich wird, wenn – wie es bei der linken Identitätspolitik der Fall ist – die abgewertete Gruppe die Mehrheit darstellt.

Genau das lässt sich auch beobachten. Denn die Alt-Right-Bewegung in den USA, eine Spielart der radikalen bis extremistischen Rechten, nutzt genau diese politische Erzählung zur Rekrutierung vor allem junger weißer Männer.

Wenn Männlichkeit und Whiteness (Weißsein) abgewertet werden, zumeist als toxisch bezeichnet werden, dann, so deren politische Erzählung, muss man sich organisiert gegen diese Abwertung und die Gruppen, die einen abwerten, wehren. Und selbst wenn die abgewerteten Gruppen nicht so weit gehen, sich in die Arme von Rechtsextremisten zu begeben, so werden sie wenig Neigung verspüren, mit denen zu kooperieren, die sie abwerten.

In einer Demokratie, in der es darum geht, sich Mehrheiten zu beschaffen und tragfähige Wählerallianzen zu bilden, ist dies fatal. Progressive Kräfte, die Wähler aus ihrer Allianz vergraulen, weil diese Eigenschaften besitzen, auf die sie keinen Einfluss haben, ist dabei eine schlicht absurde Wendung. Und wer glaubt, dass dies nur ein Nischenphänomen oder übertrieben sei, der sei an Hillary Clintons "basket of deplorables" (etwa "Korb der Bedauernswerten") erinnert, der sie am Ende die Wahl zur ersten Präsidentin der USA gekostet haben könnte. AfD-Wähler pauschal als dumm oder ungebildet zu beschimpfen erscheint in diesem Licht ebenfalls keine sehr sinnvolle Strategie zu sein, so man Teile dieser Wähler zurückgewinnen möchte.

Reaktanz begrenzen, Kooperation ermöglichen

Es geht auch nicht darum, jeden politischen Widerstand oder jede Art der Reaktanz zu vermeiden, denn ohne Widerstände wird sich kaum etwas in der Politik durchsetzen lassen. Es geht darum, dass man nicht so viel Reaktanz auslöst, dass man damit die eigene Wählerkoalition sprengt und sich damit mittel- bis langfristig Gestaltungsmöglichkeiten raubt.

Wer nun darauf verweist, dass sich identitätspolitische Inhalte selten in Parteiprogrammen wiederfinden, der sei an die Binsenweisheit erinnert, dass Politik nicht zuallererst über Policy funktioniert und angegriffene Gruppen sehr genau merken, ob sie aus gewissen Kreisen oder Parteien Solidarität erfahren oder dröhnendes Schweigen.

Wähler wollen ein Angebot bekommen, das Parteien für sie wählbar macht. Politisch Aktive wollen mit politischen Lagern kooperieren, die fair mit ihnen umgehen. Ist dies nicht der Fall, so werden diese Menschen politisch heimatlos und gehen einem Lager verloren, dem sie sich vorher vielleicht zugehörig fühlten, selbst wenn sie am Ende nicht so weit gehen, sich dem gegnerischen Lager anzuschließen. So geschehen zum Beispiel bei den Feministinnen, die sich gegen das sogenannte "Selbstbestimmungsgesetz" ausgesprochen haben, die oft den Grünen nahe standen und heute sagen, dass sie diese Partei absehbar nicht mehr wählen werden, weil sie aus dem Umfeld der Partei als "Transfeinde" markiert und diffamiert wurden und ihnen Nähe zu AfD-Positionen unterstellt wurde.

Wer immer noch glaubt, dies seien nur Nischenphänomene, dem sei eine Umfrage ans Herz gelegt, nach der fast ein Drittel der Wechselwähler, die sich für Donald Trump entschieden, sagten, es sei für sie wichtig gewesen, dass Kamala Harris "sich zu sehr für kulturelle Themen wie das trans-Thema interessiere anstatt der Mittelklasse zu helfen".

Neben diesen inhaltlichen Aspekten der Identitätspolitik haben sich um diese herum auch Praxen, also konkrete Handlungsweisen, entwickelt, die nicht notwendig inhaltlich mit ihr verbunden sind, aber aus verschiedenen Gründen eine starke Verbindung zu diesen besitzen.

Man denke an das sogenannte Gendern mit Binnenstern, das zu schwer verständlichen Sätzen führen kann. Spätestens dann, wenn Possessivpronomen ins Spiel kommen. Für die circa 7,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 64, die als funktionale Analphabeten gelten, muss es wie ein Hohn klingen, dass diese Art der Sprache "inklusiv" sein soll, wenn sie doch eindeutig auf gebildete und privilegierte Schichten abzielt.

Ebenso seien die sich ständig ändernden Begriffe erwähnt, die in selbsterklärt progressiven Kreisen für akzeptabel gehalten werden oder eben auch nicht. Fälle wie der des Schauspielers Benedict Cumberbatch, der sich einen veritablen Shitstorm einhandelte, weil er sich für mehr Möglichkeiten für schwarze Schauspieler aussprach, dies aber in den falschen Worten ausdrückte, werden von vielen Menschen wahrgenommen und verschrecken diese, auch wenn es Extrembeispiele sind. Dabei hatte Cumberbatch nicht einmal das berühmt-berüchtigte N-Wort verwendet, sondern statt "of colour" seine Schauspielkollegen als "coloured" bezeichnet, was ihm als Abwertung ausgelegt wurde.

Bringt Stigmatisierungspolitik den Rechten mehr als sie ihnen schadet?

Insbesondere bildungsfernen Schichten verlangen diese an bildungsbürgerlichen Umgangsformen orientierten Praxen, die einiges an Wissen voraussetzen wie man Dinge auszudrücken hat, eine hohe Anpassungsleistung ab, welche dazu führt, dass diese als Elitenphänomen wahrgenommen werden, was wiederum an die Erzählung von "Wir gegen die da oben" der Rechtspopulisten anschlussfähig ist.

Und auch wenn es in Deutschland keine staatliche Zensur gibt, so müssen doch die Umfragen zur gefühlten Meinungsfreiheit aufrütteln, die von einem Höchststand der gefühlten Meinungsfreiheit in den 1990ern zu einem Tief geführt haben, in dem 44 Prozent der Menschen angeben, "besser vorsichtig" zu sein bei dem, was man sagt. Gerade Menschen, die ihren Lebensunterhalt eben nicht mit Sprache, sondern mit ihren Händen verdienen, kann dies gehörig verunsichern. So äußern Leo, Steinbeis und Zorn in ihrem Spiegel-Bestseller "Mit Rechten reden" die Vermutung, dass Stigmatisierungspolitik am Ende in Summe den Rechten mehr bringt als sie ihnen schadet.

Auch in Deutschland wenden sich die Arbeiter und ökonomisch Schwächeren in Scharen von linken Parteien ab, die dank identitätspolitischer Praxen zunehmend als Elitenprojekt gut gebildeter und ökonomisch abgesicherter Milieus wahrgenommen werden. Die Wählerschaft der Grünen gehört zum Beispiel neben derjenigen der FDP, die schon länger als "Partei der Besserverdiener" bekannt ist, im Schnitt zu den einkommensstärksten Haushalten und in den USA haben Wähler der Demokraten inzwischen im Schnitt ein höheres Einkommen als die Wähler der Republikaner.

So verlieren identitätspolitisch agierende Parteien am Ende auch noch die Minderheiten, die sie zu vertreten vorgeben, da diejenigen, die behaupten für diese Minderheiten zu sprechen, eben auch vornehmlich aus den gebildeten und ökonomisch abgesicherten Schichten stammen und es somit kein Wunder ist, wenn diese Milieus die materielle Komponente von Minderheitenpolitik zu Gunsten symbolischer Inklusion aus den Augen verlieren. Eine These, die im aktuellen Buch des Soziologen Musa al-Gharbi für die USA ausführlich beleuchtet wird.

Für Deutschland beschreiben der Sozialwissenschaftler Holger Marcks und der Historiker Felix Zimmermann in ihrem Online-Buch "Ein sozialrepublikanisches Panorama" Vergleichbares und auch der Spiegel-Bestseller-Autor Philipp Hübl schlägt mit seinem neuen Buch "Moralspektakel" in eine ähnliche Kerbe.

Wer den Rechtspopulisten nicht in die Karten spielen möchte, sollte mindestens einmal aufhören, Kritik an Identitätspolitik, so wie sie auch hier geäußert wurde, per se in die rechte Ecke zu stellen und sich inhaltlich auf die genannten Punkte einlassen. Noch besser wäre es, man würde auch die eigenen Inhalte und Praxen auf den Prüfstand stellen, denn eine historische Machtperspektive scheint die politisch radikale und extreme Rechte immer nur dann zu haben, wenn sie es schafft, beträchtliche Teile der unteren Klassen auf ihre Seite zu ziehen.

Unterstützen Sie uns bei Steady!

Kommentare (35)

Da ist ihnen das vergiftete Lob aber sehr gut gelungen. Dass der Artikel aus ihrer Seele spricht, ist keine gute Rechtfertigung für die geäußerten Thesen.

Klaus Lohmann (nicht überprüft)

Mo. 13 Jan 2025 - 21:46

Ist der hpd endgültig zu einem Forum für rechte Autoren geworden?

"... Kritik an Identitätspolitik, so wie sie auch hier geäußert wurde, per se in die rechte Ecke zu stellen": wie kann man etwas "in die rechte Ecke stellen" (grausame Formulierung, by the way), das rechts ist?

malte (nicht überprüft)

Di. 14 Jan 2025 - 10:10

Antwort auf von Klaus Lohmann (nicht überprüft)

Wie kommen Sie auf die Idee, der Autor stehe politisch rechts? In dem Artikel lese ich nichts, was darauf hindeutet. Wenn Sie die Debatte um Identitätspolitik verfolgen, werden Sie feststellen, dass viele Kritiker aus dem linken oder liberalen Spektrum stammen.

@ Giuseppe Distratis Sie sprechen in Rätseln, wie die Bibel: Sind Sie gläubig? Versuchen Sie doch mal Klartext: Warum sollte das von Sebastian Schnelle vorgetragene – übliche – Linkenbashing nicht rechts sein?

Klaus Lohmann (nicht überprüft)

Mi. 15 Jan 2025 - 17:05

Antwort auf von Stefan Dewald (nicht überprüft)

@ Stefan Dewald Się kennen aber schwierige Worte – "Dichotomie" –, Sie müssen ein Experte sein! Erklären Sie mir also – ganz locker und präzise –, wieso jemand, der Linken-Bashing betreibt, nicht rechts sein soll. Danke!

Stefan Dewald (nicht überprüft)

Do. 16 Jan 2025 - 09:20

Antwort auf von Klaus Lohmann (nicht überprüft)

Weil die Einstufung links (alt) und rechts (noch älter) versimplifiziert ist. Es gibt noch weitere Dimensionen. Was in meinem Fall nichts daran ändert, dass die Achse zwischen links und rechts der Sumpf der Unwählbarkeit ist.

https://lachsdressur.de/waehlen-warum/

Giuseppe Distratis (nicht überprüft)

Mi. 15 Jan 2025 - 13:26

Antwort auf von Klaus Lohmann (nicht überprüft)

Zitat zum Nachlesen:
„ Wer den Rechtspopulisten nicht in die Karten spielen möchte, sollte mindestens einmal aufhören, Kritik an Identitätspolitik, so wie sie auch hier geäußert wurde, per se in die rechte Ecke zu stellen und sich inhaltlich auf die genannten Punkte einlassen.“

Diese Aussage beschreibt genau das, was Sie mit Ihrer Unterstellung mMn sagen

Klaus Lohmann (nicht überprüft)

Do. 16 Jan 2025 - 16:20

Antwort auf von Giuseppe Distratis (nicht überprüft)

@ Giuseppe Distratis Das hatte ich selber zitiert, wieso bringen Sie das Zitat noch einmal? Worin liegt da der Erkenntnisgewinn? Ich habe den Artikel von Sebastian Schnelle selbstverständlich gelesen: er kombiniert Versatzstücke, die ich schon aus anderen Zusammenhängen kannte, zu seinem Angriff auf "Identitätspoiitik", die – Überraschung! – von "Linken" kommt. Wieso das nicht "rechts" sein soll, müssen Sie mir wirklich erklären.

... was natürlich nicht "rechts" sein kann, weil es doch nur ein "Teil der Linken" ist? Nochmal: wer Linke basht, ist was?

malte (nicht überprüft)

Do. 16 Jan 2025 - 13:49

Antwort auf von Klaus Lohmann (nicht überprüft)

Wer Linke kritisiert, kann alles mögliche sein: links, rechts, liberal, irgendwas dazwischen oder ganz was anderes. Als ob es nie innerlinke Debatten gegeben hätte. Nach Ihrer Logik wären ja die Konflikte zwischen "Antideutschen" und "Antiimps", zwischen Revolutionären und Reformisten, zwischen Marxisten und Anarchisten und was es da noch so alles gab und gibt, auf "rechte Umtriebe" zurückzuführen. Ist das Ihr Ernst?

@ malte Sebastian Schnelle ist nach Ihrer horizonterweiternden Darstellung also vielleicht ein "Linker"? Oder "alles mögliche"?

Nach allem, was ich über Schnelle weiß (ich habe ihn bei einer Podiumsdiskussion erlebt und einige Gespräche mit ihm bei YouTube gesehen), würde ich ihn als linksliberal einschätzen.

Klaus Lohmann (nicht überprüft)

Fr. 17 Jan 2025 - 10:20

Antwort auf von malte (nicht überprüft)

@ malte Sie haben Ihren ganz eigenen"politischen Kompass" – Danke, jetzt weiß ich, dass ich nicht weiter mit Ihnen reden sollte

Das können Sie natürlich gerne so handhaben. Wobei Sie damit in erster Linie zeigen, dass Sie keine Argumente haben.

@ malte, Zitat: "... dass Sie keine Argumente haben" und Sie haben welche? Wo denn? Sie behaupten einfach mal, Sebastian Schnelle sei "linksliberal". Ich habe gerade noch einmal seinen Artikel gelesen, "linksliberal" ist da gar nichts. "alles mögliche" vielleicht, so wie dieser wissenschaftliche Höhepunkt, Zitat Sebastian Schnelle: "Man denke an das sogenannte Gendern mit Binnenstern, das zu schwer verständlichen Sätzen führen kann ..."

Wie ich bereits geschrieben habe, stütze ich meine Einschätzung nicht alleine auf diesen Text. Hier z.B. positioniert Schnelle sich klar links der Mitte:

Was in den Debatten um Rassismus, Trans & Co. schiefläuft | Seb von Vorpolitisch im Interview
https://www.youtube.com/watch?v=uQsPHgtZHH0

(Ich denke, hier ist ein Link zu YouTube ausnahmsweise mal OK - es handelt sich um ein Gespräch mit einem hpd-Autoren)

@ malte "... bei ’Hufeisen’ muss man vorsichtig sein ...", sagt Sebastian Schnelle bei YouTube, und dann macht er das Hufeisen, macht eine Gleichsetzung von "Links" und "Rechts" – wie ja auch schon die Überschrift des Artikels "Identitätspolitiken von Links und Rechts: Der perfekte Sturm": das ist "Rechts".

Und nicht "sozial-liberal", wie sich Sebastian Schnelle bei YouTube selber bezeichnet. Nach dem "Hufeisen" habe ich aufgehört, mir den YouTube-Beitrag anzuschauen.

Ist der YouTube-Beitrag von der GWUP? In der Auseinandersetzung um "Identitätspolitik" hat sich die GWUP ja gerade selbstzerstört: GWUP-Aussteiger gründen eine neue skeptische Organisation: https://skeptix.org

Schnelle setzt nicht rechts und links gleich, er sagt, dass sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite des politischen Spektrums Identitätspolitik betrieben wird. Ich hatte ja schon die Podiumsdiskussion "Die Woken und die Rechten" erwähnt. Dort hat er klar herausgearbeitet, dass es deutliche Unterschiede zwischen rechter und (pseudo)linker Identitätspolitik gibt. Von der Veranstaltung gibt es auch einen Mittschnitt. Zugegeben: Ist ziemlich lang, und man kann das nicht mal kurz in der Mittagspause durchgucken. Lohnt sich aber: https://club-volantaire.de/

Ehrlich gesagt weiß ich auch gar nicht, was eine "Gleichsetzung von links und rechts" überhaupt sein soll. Auch die Anhänger der Hufeisentheorie (ich gehöre nicht dazu) behaupten ja nicht, dass links und rechts im Prinzip das gleiche wäre. Sie glauben, dass sich die Extreme des politischen Spektrums wieder annähern würden. Und auch, wenn ich die Hufeisentheorie für falsch halte, ist daran nichts spezifisch "rechts".

@ malte: "Ehrlich gesagt weiß ich auch gar nicht, was eine "Gleichsetzung von links und rechts" überhaupt sein soll." warum wissen Sie das nicht? Lesen Sie doch einfach den Artikel oben.

Und beantworten Sie bitte diese Fragen aus meinem letzten Kommentar, schließlich haben Sie selbst auf das YouTube-Video hingewiesen: "Ist der YouTube-Beitrag von der GWUP? In der Auseinandersetzung um "Identitätspolitik" hat sich die GWUP ja gerade selbstzerstört: GWUP-Aussteiger gründen eine neue skeptische Organisation: https://skeptix.org"

zu guter Letzt: Es ist sinnlos, immer weitere neue Quellen anzugeben, wie jetzt irgendeinen "Club".

Ehrlich gesagt werden Ihre Kommentare immer seltsamer. Ich erkläre, wieso der Artikel links und rechts nicht gleichsetzt. Und als Antwort kommt sinngemäß: "Der Artikel setzt aber links und rechts gleich". Auf dem Niveau "diskutieren" normalerweise nur Grundschüler. Dann soll ich Ihnen eine Antwort auf eine Frage geben, die Sie problemlos selbst beantworten können, und die auch überhaupt nichts mit dem Thema zu tun hat. Oder ändert sich irgendetwas an Sebastian Schnelles politischer Positionierung, je nachdem, ob das Video von der GWUP stammt oder nicht? Und wieso ist es jetzt irgendwie etwas Schlechtes, wenn man Quellen nennt?

Der Vorwurf der Rechtslastigkeit an den Autoren ist einfach absurd, und der Grund, wieso ich mir hier überhaupt die Mühe mache, zu kommentieren, ist, dass ich diese Art der "Debatte" einfach satt habe und so etwas nicht unwidersprochen stehen lassen möchte. Sobald man irgendwo von einer bestimmten Orthodoxie abweicht - in diesem Fall wohl bezüglich Gendern und Selbstbestimmungsgesetz - kommt wie aus der Pistole geschossen: "Das ist rechts". Als könnte es bei bestimmten Themen nicht einfach Meinungsverschiedenheiten geben. Ein paar Reizwörter, schon ist jemand als vermeintlich Angehöriger des "anderen Teams" identifiziert, der das eigene Team, um mal bei Ihren Worten zu bleiben, "gebasht" hat. Und sorry: So funktioniert vielleicht ein Rap-Battle, aber kein rationaler Diskurs.

Und selbst, wenn man nur diesen Artikel hier gelesen hat, ist eigentlich ziemlich klar ersichtlich, dass der Autor eher links steht. Er beklagt z.B., dass den linken Parteien bestimmte Wählergruppen wie Arbeiter, ökonomisch Schwächere oder auch Feministinnen weglaufen. Wenn es sich tatsächlich, wie von Ihnen behauptet, um einen "rechten Autoren" handelte, müsste er das doch gut finden.

RPGNo1 (nicht überprüft)

Di. 14 Jan 2025 - 13:41

Antwort auf von Klaus Lohmann (nicht überprüft)

Wie kommen Sie auf die Idee, Sebastian Schnelle in die rechte politische Ecke einzuordnen? Hören Sie sich seinen Podcast an, dann werden sie hoffentlich Ihre Meinung ändern.

"Sebastian Schnelle promovierte 2011 an der University of Queensland, Brisbane und 2013 an der Universität Halle zum Thema »Gewaltrechtfertigungsstrategien islamischer Fundamentalisten«. Er ist seit über 15 Jahren an den reaktionären Antworten auf die Moderne interessiert. Aktuell beschäftigt er sich mit dem Erstarken extremistischer Kräfte aller Art. Er betreibt den Podcast »Vorpolitisch«: vorpolitisch.podbean.com."

https://kortizes.de/sebastian-schnelle/

@ RPGNo1 Für Ausführungen wie folgende braucht man natürlich eine Promotion aus Brisbane, Zitat Sebastian Schnelle: "Man denke an das sogenannte Gendern mit Binnenstern, das zu schwer verständlichen Sätzen führen kann."

Ich kenne Sie „RPGNo1“ übrigens aus Ihren vielen Kommentaren bei der GWUP, die ja erfolgreich im Streit über "Identitätspolitik" und "Wokeness" geschrottet wurde. Die Aussteiger aus der GWUP gründen gerade eine eigene skeptische Organisation, siehe: https://skeptix.org

Rüdiger Weida (nicht überprüft)

Di. 14 Jan 2025 - 09:08

Eine These, der ich weitestgehend zustimme.
Nur eins stört mich. Warum ist in der Einleitung von "unteren Klassen" die Rede?
Zum einen sind es nicht nur die, die die Nase von der Identitätspolitik voll haben, zum anderen finde ich den Begriff selbst unglücklich gewählt.

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Mi. 15 Jan 2025 - 16:58

Antwort auf von Rüdiger Weida (nicht überprüft)

Ich vermute, dass damit nicht die minderbemittelten im Geiste gemeint sind, sondern die im pekuniären unteren drittel der Bürger.

Ja, das könnte gut sein.
Es ist ja auch bekannt, dass nach extreme Anschauungen zunehmen, wenn es wirtschaftlich stark bergab geht. Da würde das passen.

Irgendwie hatt aber "untere" Klassen bei mir einen Begeschmack der Abwertung. Einkommensschwache Schichten hingegen nicht, da wir nur ein Fakt benannt und nicht gewertet.

Lachmann (nicht überprüft)

So. 19 Jan 2025 - 09:36

Antwort auf von Rüdiger Weida (nicht überprüft)

Ich möchte erwähnen, daß die Wegbereiter der NS-Ideoligie in Deutschland zum Bildungsbürgertum zählten. Die Gruppe um Wagner und Chamberlain in Bayreuth, Hofprediger Stöcker, oder Heinrich Claß und auch Helene Bechstein gehörten wohl nicht zur "Unterschicht".
Auch heute findet man im rechten Millieu Oberstudienräte und Adel.
Seit 1945 wird gern der "Unterschicht" die Schuld an den Verbrechen des Naziregimes gegeben. Die Realität ist aber wohl etwas differenzierter.
Ob man nun Unterschicht oder ein anderes Wort benutzt, ist wohl nicht so wichtig - auf die Absicht kommt es. Und da möchte ich dem Autor keine Diskriminierung unterstellen.
Die Frage warum sich ärmere Menschen von den anderen Parteien abwenden und der AFD zuwenden, finde ich wichtig.

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Di. 14 Jan 2025 - 15:34

Wie wäre es einmal mit Intelligenzpolitik statt Identitätspolitik aus zu probieren ob dies nicht die bessere Alternative wäre? ohne Abschottung von andersdenkenden, sondern auf der suche nach Konsens und dem Zusammenhalt aller Demokraten für einen friedlicheren
Umgang miteinander!

politisch korrekt (nicht überprüft)

Sa. 18 Jan 2025 - 17:31

Ausgezeichneter Kommentar, der auf die inhärente Logik identitätspolitischer Methoden ganz gut eingeht und dessen Auswirkungen adäquat beschreibt.

Empfehlenswert.

Egon Schmitz (nicht überprüft)

Mo. 10 Feb 2025 - 01:26

Klaus Lohmann ist ein Troll. Er versteht Sebastian Schnelle durchaus, er tut aber so, als ob er ihn nicht verstehen könnte. Und selbst wenn Sebastian Schnelle ein Rechter wäre (was er nicht ist), wären seine Argumente immer noch richtig. Schließlich hängt die Richtigkeit eines Arguments nicht davon ab, wo der Argumentierende politisch verordnet ist. Beispiel: Den Unfug mit den Sternchen als links als fortschrittlich zu framen, überzeugt weder Friedrich Merz noch Olaf Scholz, allerdings aus unterschiedlichen Gründen.

@ Egon Schmitz Ich "verstehe" Sebastian Schnelle vermutlich, aber warum sollte man deswegen ein "Troll" sein? "Den Unfug mit den Sternchen": dürfen Frauen nicht auch in der Sprache existieren?

Sebastian Schnelle

Der Autor ist promovierter Philosoph und betreibt den Podcast "vorpolitisch", in dem er sich mit gesellschaftspolitischen Fragen der Gegenwart beschäftigt und mit Gästen v.a. aus Wissenschaft und Forschung spricht. Er hat zum Islamismus geforscht und publiziert und arbeitet aktuell an einem Buch über die Neue Rechte in Deutschland und ihre Ideengeschichte.

Weitere Artikel des Autoren
Unterstützen Sie uns auf Steady!

Mehr lesen über:

Verwandte Artikel