Zwei Jahre Terrorregime
Afghanistans Gesundheitssystem ächzt unter den Gotteskriegern
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Vor etwa zwei Jahren haben die Islamisten in Afghanistan die Macht an sich gerissen. Seitdem diskriminieren die Bärtigen Frauen und Mädchen, auch im lebenswichtigen medizinischen Sektor. Gerade für Frauen in ländlichen Provinzen steigt der Druck: Sie sollen Jungen gebären. Eine Medizinerin von Ärzte ohne Grenzen erzählt von prügelnden Schwiegermüttern, die enttäuscht sind, wenn die Gebärende "nur" ein Mädchen zur Welt bringt.
Die Ärztin Stephanie Brockt war bis Ende letzten Jahres in einer Geburtsklinik in Chost im Einsatz. Die Provinz ist etwa 150 Kilometer von Kabul entfernt. Im Interview mit der FAZ berichtet sie von den überwältigenden Zahlen der Neugeborenen. In der Klinik in Afghanistan werden monatlich bis zu 1.800 Geburten über die Bühne gebracht. Im Vergleich dazu: In einer gutlaufenden Klinik in Deutschland sind es etwa 300 im Monat.
Die Taliban haben Verhütung zur Sünde erklärt – im Islam sind Verhütung und Abtreibung eigentlich nicht so lästerlich wie im Christentum. Bei so vielen Schwangerschaften komme es auch häufiger zu Komplikationen, erklärt Brockt, die für Ärzte ohne Grenzen in Afghanistan war. Die Frauen auf dem Land würden auch von ihren Männern dazu gedrängt, Hormonpräparate zu nehmen, um die Chance auf männlichen Nachwuchs zu steigern.
Apartheid-System der Islamisten ist die Ursache
"Ich habe erlebt, dass Frauen in der Klinik von ihren Schwiegermüttern begleitet und dann geschlagen wurden, wenn ausgerechnet das Mädchen einer Mehrlingsschwangerschaft überlebt hat", sagt Brockt. Sie habe es als Freude erlebt, wenn Frauen sich einfach nur über die Geburt ihres Kindes gefreut hätten, ganz gleich, ob es ein Junge oder ein Mädchen war.
Der Grund für die Misere: Das Apartheid-System der Taliban. Die Islamisten haben den Frauen in Afghanistan das Studieren komplett verboten. Von männlichen Ärzten dürfen sich die Frauen auf keinen Fall untersuchen lassen. Deshalb sind Afghaninnen auf ausländische Ärztinnen angewiesen. Ärzte ohne Grenzen ist schon seit 1980 im Land, die Organisation kennt die Diskriminierung von Frauen schon aus der ersten Herrschaftszeit der Taliban Anfang der 1990er Jahre.
Frauen waren schon immer die größten Feinde der Talibs
Die afghanische Ärztin Sidika Mahmoodi hat von 1981 bis in die 1990er Jahre in den Flüchtlingslagern in Pakistan gearbeitet. Ihre Patientinnen waren in der Regel Frauen. Das ging so lange gut, bis sich die Talibs in Pakistan formierten. Die Ärztin bekam nicht nur Morddrohungen, man habe mehrmals versucht, sie in die Luft zu jagen. Dabei wurde einer ihrer Mitarbeiter verletzt. Wegen der lebensbedrohlichen Situation konnte sie ihre Arbeit nicht fortführen, sie ist nach Europa geflohen. "Es war sehr schmerzhaft für mich, die hilfsbedürftigen Menschen zurücklassen zu müssen", sagt sie.
Françoise Duroch, Forschungsleiterin bei Ärzte ohne Grenzen, erklärt im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung wie es bei der ersten Herrschaft der Talibs war: "Damals war das Bildungsniveau und die Stellung der Frauen in der Arbeitswelt relativ niedrig". Heute seien die Frauen besser qualifiziert und sie besetzten Führungspositionen, dadurch sei ihr Ausschluss noch schändlicher.
Selbstbestimmte, gebildete Frauen gab es bis zu den 1980er Jahren in Afghanistan nur in den sozial höher gestellten Familien und auch nur in den Großstädten. Mit der ersten großen Fluchtwelle nach der Invasion der Russen verließen viele das Land, mit der zweiten Welle flohen auch die gebildeten Anhängerinnen der von den Sowjets gesteuerten Regierung.
Die Taliban kamen und verboten Mädchen zur Schule zu gehen, Zehnjährige wurden mit 80-jährigen Mullahs verheiratet. Nach der ersten Herrschaft der Taliban atmete Afghanistan endlich auf. Nicht nur städtische Mädchen aus gutem Hause gingen an die Universitäten. In den letzten 20 Jahren haben mehr Frauen denn je studiert oder eine Berufsausbildung gemacht. Diese Entwicklung wird aktuell systematisch von den Islamisten zerstört.
Hinweis der Redaktion: Die letzten beiden Absätze wurden am 27.07.2023 um 16:15 Uhr ergänzt.

Kommentare (5)
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Die Taliban brauchen Soldaten
Die Taliban brauchen Soldaten bzw. Kanonenfutter. Für in ca. 20 Jahren. Der Westen kann sich auf was gefasst machen.
Dummheit ist grenzenlos,
(...)
Nachdenken darüber, dass jeder Mensch von einer Frau geboren wurde, fällt anscheinend
diesen Mullahs äusserst schwer und die Tatsache dass sie ohne eine Frau nicht auf der Welt wären, scheint diesen "Männern" auch nicht in den Kopf zu kommen.
Lieber Gott komm doch mal
Lieber Gott komm doch mal runter
und schau dir die Bescherung an.
Lieber Gott komm doch mal runter
und du siest, das man hier verzweifeln kann.
Stephan Sulke
Das ist tragisch, aber der
Das ist tragisch, aber der Westen muss die Zustände in Afghanistan akzeptieren. Der Versuch diesen Land zu modernisieren scheiterte in den letzten 20 Jahren nach einer teuren Besatzung, die unfähig war die Talibanen zu besiegen. Die Mehrheit der Afghanen befürworten die Politik der Talibanen. Wie sonst hätten sie die westlich gestützte Regierung besiegen können?
Es gibt gewisse Dinge die kann man nicht ändern.
Mir will nicht in den Kopf,
Mir will nicht in den Kopf, wie sich denn die Taliban die Welt vorstellen. Frauen dürfen nicht studieren und nicht von männlichen Ärzten behandelt werden, also dürften Frauen ohne Hilfe von außen gar keine medizinische Versorgung erhalten. Eine Geburt ohne Hilfe gehört zugleich zu den gefährlichsten Dingen, die einer Frau widerfahren können. Meinen sie, die Masse macht's und deswegen ist das egal? Und die zurückbleibenden älteren Kinder verstorbener Frauen werden schon von selber groß? Und ob die erwünschten männlichen Nachkommen später mal eine Frau finden ist sowieso irrelevant, weil sie ja alle Märtyrer werden? Wenn das klappt, dann sterben die Taliban ja ganz von selber aus.