Kirchenaustritt

EKD: Rekordwert bei Kirchenaustritten und Mitgliederverlusten

Seit Jahren zeichnet sich ein deutlicher Trend ab: Die beiden christlichen Großkirchen in Deutschland verlieren immer mehr Mitglieder. Bereits im vergangenen Dezember hat eine Umfrage der dpa gezeigt, dass 2022 vermutlich ein Rekordjahr bei den Kirchenaustritten gewesen ist. Die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Dienstag veröffentlichten Mitgliedschaftszahlen bestätigen diese Vermutung nun.

Blick über München mit Frauenkirche

München wird in wenigen Jahren kirchenfreie Zone

München verliert schneller als jede andere deutsche Großstadt ihre katholischen und evangelischen Schäfchen. Nach den jüngsten statistischen Angaben wuchs Bayerns Landeshauptstadt zwar 2022 um rund 26.000 auf nunmehr rund 1.588.000 Einwohner. Gleichzeitig verloren die beiden "großen" Kirchen aber rund 29.000 ihrer zu Jahresbeginn noch 588.000 Schäfchen, das sind rund fünf Prozent.

Kirchenaustritte auf Rekordhoch und doch mehr Kirchensteuern

Wie jedes Jahr im Januar erschienen vor kurzem die neuen Jahresstatistiken der römisch-katholischen Kirche in Österreich. Die meisten österreichischen Medien berichteten darüber. In vielen Fällen wurde der relativ gut recherchierte Bericht der Austria Presse Agentur übernommen, der auch wichtigen Kontext enthielt, zum Beispiel die Tatsache, dass die Konfessionsfreien die zweitgrößte Gruppe in Österreich sind.

2022 Rekordjahr bei Kirchenaustritten

Kirchenaustrittszahlen werden von der Evangelischen und Katholischen Kirche in Deutschland traditionell erst einige Monate nach dem Jahreswechsel veröffentlicht. Obwohl für das Jahr 2022 demnach noch keine offiziellen Zahlen bekannt sind, legt eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa nahe, dass in Deutschland im vergangenen Jahr so viele Menschen die beiden großen Kirchen verlassen haben, wie nie zuvor.

Religionsunterricht findet nicht statt – warum wohl?

Der Religionsunterricht beginnt zu bröckeln. Nicht weil die Schüler*Innen sich abwenden, das auch, nein, weil es immer weniger Lehrer gibt, die sich dem "missio canonica" unterwerfen wollen, der kirchlichen Lehrbefugnis, mit allen möglichen Auflagen, nämlich dass sie mit den offiziellen kirchlichen Lehren vertraut und ihnen verpflichtet sind. Das bedeutet unter anderem auch, wie ich im Bekanntenkreis selbst erlebt habe, dass eine junge Frau zum Kardinal zitiert wird, wenn diese sich scheiden lässt.

Papst Franziskus (2016)

Die Erosion der Volkskirchen: Zerrieben zwischen Tradition und Realität

Zum ersten Mal seit Erfindung der Statistik sind in Deutschland weniger als 50 Prozent der Bevölkerung Mitglied der katholischen oder evangelischen Kirche. Der Säkularismus frohlockt und fordert gerechtfertigterweise den ihm zu lange verwehrten Platz in Politik und Gesellschaft immer erfolgreicher ein. Doch wird eine Gesellschaft, die weniger kirchlich wird, automatisch auch weniger gläubig? 

Konfessionslosenverband für Online-Kirchenaustritt

Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) kritisiert die Weigerung der meisten deutschen Bundesländer, einen digitalen Kirchenaustritt zu ermöglichen. Eine Recherche des Computermagazins c't hatte diese Verweigerungshaltung jüngst offengelegt.

Wie die Länder den digitalen Kirchenaustritt blockieren

Wer aus einer der Kirchen austreten will, muss sich auf längere Wartezeiten einstellen. Der Andrang ist groß und zuletzt waren die Termine bei Gerichten und Behörden mancherorts Monate im Voraus ausgebucht. In Deutschland müssen Austrittswillige persönlich bei Amtsgericht beziehungsweise Stadtverwaltung vorsprechen oder den teureren Weg über den Notar nehmen. Erheblich einfacher wäre es, wenn sich der Austritt auf digitalem Wege erklären ließe, wie es das Online-Zugangsgesetz (OZG) vorsieht. Doch daran hapert es noch gewaltig, wie eine Recherche des Computermagazins c't zeigt.