Glaubhafte Abstreitbarkeit für Wählerstimmen
Trotz öffentlicher Distanzierungen nach Antisemitismus-Skandalen bleibt die Berliner Linkspartei tief gespalten. Die Haltung von Spitzenkandidatin Elif Eralp wirkt oft wie ein Spagat zwischen Schadensbegrenzung und dem Schielen auf radikale Wählermilieus.
Foto: Sandro Halank via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0
Wie hält es die Spitzenkandidatin der Berliner Die Linke Elif Eralp mit dem Islamismus und dem Antisemitismus? Nach unzähligen Skandalen ist dies einen näheren Blick wert. Gerade berichtete der Blog Ruhrbarone über einen weiteren Eklat: In der Berliner Linkspartei gibt es eine Solidaritätsadresse für einen verbotenen Verein. Die Landesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität der Linkspartei Berlin hat sich mit dem vom hessischen Innenministerium vor allem wegen Verherrlichung des Hamas-Terrors verbotenen Frankfurter Palästina e.V. solidarisiert1.
Dies erfolgte nachdem erst kürzlich ein Auftritt des Rappers Dahabflex in Berlin-Neukölln bei einer Parteiveranstaltung für Aufregung gesorgt hatte. Dabei wurde unter anderem „Yalla Yalla Intifada” und „Death to the IDF” skandiert. Der Rapper zeigte sich im Internet sowohl mit der sowjetischen Flagge als auch mit der aktuellen Flagge der Russischen Föderation. Diese Positionierungen, wie auch die Verherrlichung von Stalin und Mao gehören zum Markenkern dessen, wie sich der Rapper gibt und sollten den Verantwortlichen also ebenso bekannt gewesen sein, wie die regelmäßige Verwendung von Ausdrücken, die schwule Männer abwerten. Ein Hindernis für die Einladung des Rappers stellte dies aber offensichtlich nicht dar.
Die Spitzenkandidatin für Berlin Elif Eralp verurteilte zwar im Nachhinein die Aufrufe zur Gewalt und zeigte sich nach eigenen Angaben schockiert, doch wie ernst dies zu nehmen ist, bei einem Landesverband, in dem es immer wieder zu solchen Vorfällen kommt, ist fraglich. 2024 hatten prominente Mitglieder die Partei in einem Streit um Antisemitismus verlassen. Darunter der ehemalige Kultursenator von Berlin Klaus Lederer. Man hätte also in den Führungsgremien mindestens zwei Jahre Zeit gehabt, gegen entsprechende Entwicklungen Maßnahmen zu ergreifen. Dazu ist man aber scheinbar nicht willens oder in der Lage.
„Die ganz große Mehrheit“ − aber eben nicht alle
Auf einem Podium, organisiert durch die jüdische Gemeinde Berlin, wurde Eralp explizit nach dem Antisemitismus in ihrer Partei gefragt und antwortete: „Die ganz große Mehrheit in meiner Partei steht für den Schutz jüdischen Lebens.” Was natürlich die Frage provoziert: Und was ist mit dem Rest? Wäre die korrekte Menge der Menschen, die für den Schutz jüdischen Lebens ist, nicht „alle”? Man stelle sich eine ähnliche Aussage eines AfD-Politikers vor. Man würde sie zu Recht durch den Blätterwald der Republik ziehen.
Noch im Wahlkampf war es zu einem Streit um Islamismus gekommen, als bei einer Veranstaltung der Berliner Dar-as-Salam-Moschee der Berliner FDP-Spitzenkandidat ein Foto des Hausherren, Imam Taha Sabri, mit einem Funktionär der Hamas hochhielt. Die Verwicklungen des Geistlichen waren für Eralp jedoch lediglich den Kommentar wert, dass man „über muslimisches Leben sprechen können [müsse], ohne über religiösen Extremismus zu reden.” Dem fügte sie hinzu: „Ich finde, wir reden viel zu wenig über antipalästinensischen Rassismus in dieser Stadt.“ Auch das eine interessante Einlassung in Anbetracht der Tatsache, dass es sich nicht um einen abstrakten Vorwurf handelte, sondern um eine belegte, konkrete Tatsache und den Hausherren der Veranstaltung, auf der sie sich gerade befand.
Insgesamt wirkt es so, als gehe es hier um einen Fall von Plausible Deniability, glaubhafter Abstreitbarkeit: Nach jedem Vorfall distanziert man sich pflichtschuldig, bedauert und verurteilt, um dann anschließend genau keine Maßnahmen zu ergreifen, an den Missständen etwas zu ändern. Damit soll nicht behauptet sein, dass Eralp selbst Islamistin oder Antisemitin sei. Die Wählerstimmen von Islamisten, Antisemiten und deren radikalisierten Milieus, die möchte sie dann aber anscheinend doch nicht missen.
Hinweis der Redaktion (18.09.2026, 12 Uhr): Das Verbot erfolgte nicht durch die Landesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität, sondern durch das Innenministerium von Hessen, dies wurde im Text korrigiert. Die LAG PaliSoli hat sich mit dem verbotenen Verein solidarisiert.
Kommentare (11)
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Dass Sebastian Schnelle aus…
Dass Sebastian Schnelle aus seinem Dauer-Islamismus-Alarm, seiner Parteinahme gegen alles, das irgendwie "links" sein könnte, und seiner impliziten "Staatsraison" nicht mehr herauskommt, ist die eine Sache. Dass der Humanistische Pressedienst ihm dafür eine Bühne gibt, eine andere.
Der hpd hähert sich mit…
Der hpd hähert sich mit solchen Positionierungen der Jungle Word und dem Springer-Verlag an und macht CDU-Wahlkampf. Was für ein Humanismus soll das sein?
Im ersten Absatz ist…
Im ersten Absatz ist offenbar was durcheinandergeraten. Natürlich wurde der Verein nicht von der Landesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität der Linkspartei Berlin verboten, sondern vom hessischen Innenministerium...
Ist wohl irgendwie bei der…
Ist wohl irgendwie bei der Bearbeitung passiert. Ist inzwischen korrigiert.
Hoppla! Macht der hpd hier…
Hoppla! Macht der hpd hier etwa Wahlkampf? Und das drei Tage vor einer Landtagswahl? Es gibt dann doch ganz sicher morgen einen Artikel, der sich mit den Verfehlungen der anderen Parteien auseinandersetzt.
Liebe Frau Pausch, die…
Liebe Frau Pausch,
die Linken lügen ebenso wie die Rechten, nur etwas anders.
Unübertroffen im Lügen sind die Kirchen und die Islamverbände.
So lange die Kinder bei uns zum Glauben erzogen werden statt zum Hinterfragen, haben die Lügner leichtes Spiel.
So wie Sie den Linken hier…
So wie Sie den Linken hier unterstellen, zu lügen, verfolgen Sie klar und deutlich eine Agenda. Denn das war nicht die Frage meines Kommentars. Wo bleibt ihr Aufschrei gegen die CDU in Berlin, deren aktueller Bürgermeister den Religionsunterricht einführen will oder das Tempelhofer Feld bebauen: Beides Themen, zu denen es Bürgerentscheide gab, die dem Ansinnen widersprechen. Wo kritisieren Sie die SPD knapp vor der Wahl dafür, dass diese nicht eines ihrer Wahlversprechen umgesetzt hat? Und im aktuellen Wahlkampf komplett auf Inhalte verzichtet? Wo die Grünen für ... ich weiß echt nicht, für was. Nein, Sie machen mit im Konzert von Springer und Co. und schreiben die Linke schlecht.
Seit wann - und das war meine Frage - vertritt der hpd eine Linie, die sich gegen die Ideen einer halbwegs sozialen Politik richtet? Ohne die Texte von Endruscheit wäre das hier nur noch eine Webseite, die ein schwarz/weiß-Bild vertritt. Davon haben wir wahrlich genügend.
Macht es Ihnen wirklich so viel Angst, dass die Linke und ihre Bürgermeisterkandidatin in Berlin gute Chance haben, die Wahl zu gewinnen?
Frau Pausch, natürlich lügen…
Frau Pausch, natürlich lügen die Linken. In der Politik belügen uns doch alle um an die Macht zu kommen bzw. an der Macht zu bleiben.
Die Gier nach Macht führt zum Verrat aller humanistischen Ideale. Am sichtbarsten ist das beim Anbiedern an den Islam. Wer immer den Islam fördert, verrät Aufklärung und Menschenrechte.
Dass die Kirchen nichts von Aufklärung, Menschenrechten und Demokratie halten ist hinlänglich bekannt. Auch den Kirchen geht es hinter der Maske der Nächstenliebe nur um Macht, Geld und die Ausbeutung der Gläubigen.
Bei den anderen Religionen läuft doch das gleiche Spiel: Die Menschen werden indoktriniert, manipuliert, auf vielfältige Weise ausgebeutet und in Kriege geschickt.
Religion ist keine Ethik, sondern Menschenverarscherei. Am schlimmsten verarscht sind die Märtyrer. Ein ewiges Leben im Paradies gibt es nicht.
Die Friedensliebe des Islam ist ebenso geheuchelt wie die Nächstenliebe des Christentums.
Weil es um die Indoktrination von Kindern geht, will die CDU Religionsunterricht in den Schulen und religiöse Kindergärten.
Weil es um die Indoktrination der Gesamtbevölkerung geht, wollen die religiösen Führer die Religion sichtbar im Alltag haben. -> Kopftücher, -> Kruzifixe, -> Kippa
Religion bedeutet psychologische Versklavung durch Gottesfurcht und Höllenangst. Religiöse Führer benutzen unsere eigene Fantasie, um uns in Angst und Schrecken zu halten. Und sie machen schöne Verheißungen. Religion ist ein zynisches Spiel mit menschlichen Ängsten, Sehnsüchten und Instinkten. Ähnlich wie Heiratsschwindel, nur thematisch breiter aufgestellt. Das Schema: Mit schönen Verheißungen die Opfer einwickeln, lange hinhalten, mit Angstmacherei bei der Stange halten, ausbeuten.
Frau Pausch, sehen Sie denn nicht, wie in Afghanistan das Volk mit Islam verarscht wird, insbesondere die Frauen?
Frau Pausch, sehen Sie denn nicht, wie im Iran das Volk mit Islam verarscht wird, insbesondere die Frauen?
Die Unionsparteien haben wegen ihrer Unterstützung für die verlogenen Kirchen schon lange keinen Kredit mehr bei mir.
Seit die linken Parteien den Islam unterstützen, haben auch diese jeglichen Kredit bei mir verspielt.
Wenn wir ernsthaft Freiheit, Aufklärung, Menschenrechte und Demokratie verteidigen wollen, müssen wir Aufklärung betreiben wie folgt:
- Priester haben die Götter erfunden (Allah ist eine Erfindung Mohammeds), Religion war schon immer Menschenwerk.
- Priester geben ihren eigenen Willen als den Willen Gottes aus.
- Pfarrer, Imame, Gurus und Rabbiner belügen uns um die Wette. Das sind alles Hochstapler, die nur so tun als hätten sie Ahnung von Gott.
- Apostasieverbote machen Religionen zu geistigen Gefängnissen. Alle Freiheit beginnt im Kopf, mit eigenen Gedanken.
Denken Sie mal über das Schicksal von Lügnern und Hochstaplern nach: Wer einmal angefangen hat, muss immer weiter lügen und hochstapeln. Sobald die Betrogenen den Lügnern/Hochstaplern auf die Schliche kommen, werden die Gauner gelyncht.
Folgerung: Hochstapler und Lügner brauchen Dumme, die ihnen glauben. Hochstapler und Lügner fürchten Wissenschaft und Bildung.
Kurz noch zu Ihrem Whataboutism: Ich sehe sehr wohl die Probleme, die Geldgier in Verbindung mit einem kapitalistischen Wirtschaftssystem mit sich bringt. Geldgier, wie Machtgier, sind problematische menschliche Charaktereigenschaften. Mit denen müssen wir uns rumschlagen, solange es Menschen gibt.
Sehr pointiert, aber im Kern…
Sehr pointiert, aber im Kern richtig geschrieben.
Aus meiner Sicht ist das zentrale Problem ein sehr altes: Als der Mensch sich seiner selbst bewusst wurde und seine Umwelt aktiv wahrnahm, begann er sie zu erforschen. Mangels Empirie füllten am Beginn mystische Erklärungen das Weltbild, um sich die Existenz der Welt und die eigene erklären zu können. Es ging auch im Sinnsuche. Warum gibt es das alles? Warum gibt es mich? Alles berechtigte, bohrende Fragen.
Zunächst (Augustinus: "Glaube, damit du erkennst") gab es nur sehr wenig echtes Wissen. Doch nach und nach verfestigte sich die "geglaubte Welt", bevor die "gewusste Welt" sie ablösen konnte. Es wäre ein Akt der Evolution gewesen, wenn überholte Glaubensbilder (die sowieso in jedem Teil der Erde andere waren) durch überprüfbare Realität ersetzt worden wären.
Doch warum geschah dies nicht? Weil Glaube den Mächtigen einen mächtigen Vorteil bringt: Es klingt einfach geiler, wenn man - gottgefälliges Leben vorausgesetzt - eine super Belohnung bekäme: ewiges Leben, Glückseligkeit bis zum Abwinken. Gleichzeitig wurden Höllenängste geschürt - alles ohne jedes Fundament. Aber eben geil!
Die letztlich sinnlose Realität ist nicht sexy. Daher ist der Mensch bis heute für Ideologien jeglicher Art anfällig. Unabhängig, ob diese mit Repressionen durchgesetzt werden oder nicht.
Demokratie ist schmucklos, ohne Heilsversprechen. Sie setzt geistige Arbeit im Hier und Heute voraus, hält keine jenseitige Belohnung parat. Doch sie hat etwas, dass jeder Ideologie - ob religiös oder politisch - um Längen voraus ist: Sie enthält das Versprechen von Freiheit, Frieden, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit.
Wenn Menschen lernten, dass diese Versprechen erstens durch eigene Anstrengung erfüllbar sind und zweitens viel wertvoller als einem erfundenen Gott gefällig zu leben, mit all den Entbehrungen und Ausgrenzungen, mit den finanziellen Einbußen und den Selbstkasteiungen, dann könnte man diese Menschen in der nicht-ideologischen, echten Mitte der Gesellschaft begrüßen.
Wir haben inzwischen so viel Wissen über die reale Welt angehäuft, dass wir getrost diesen evolutionären Schritt wagen können: vom glaubenden Menschen zum wissenden Menschen...
Natürlich ist der Schutz des…
Natürlich ist der Schutz des Lebens, auch des jüdischen, sowohl bei uns als auch in Palästina, durchzusetzen. Auf der anderen Seite wird aber sehr oft vergessen, dass der Staat Israel seit vielen Jahren in der Westbank immer wieder auf Palestinensergebiet Siedlungen für jüdische Israelis genehmigt und bauen lässt. Auch die fast täglichen Angriffe dieser jüdischen Siedler auf palästinensische Dörfer, zum Teil mit Duldung durch die Armee, sind in die gleichen widerlichen Menschenrechtsverletzungen einzuordnen. Wär doch schön, wenn alle Menschen friedlich mit- und nebeneinander leben könnten. Nach dem biblischen Märchenbuch sind nämlich Juden (Nachkommen Isaaks, Sohn von Abraham und Sarah) und Araber (Nachkommen Ismaels, Sohn von Abraham und Hagar, Sarahs Sklavin) Halbgeschwister. Also vertragt euch, ohne euch in irgendeiner Weise zu übervorteilen.
Ich habe schon 2019 nach 5-…
Ich habe schon 2019 nach 5- jähriger Zugehörigkeit "Die Linke" verlassen, obwohl ich bereits auf Listenplatz 3 in Hamburg stand, nachdem mit klar geworden war, wie antisemitisch und Islamismus- freundlich (!) die Partei "Die Linke" ist. Diese Partei ist auch deshalb unwaehlbar,weil zu viele Parteimitglieder keine glaubhaften Demokraten sind.