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Kommentar 25.11.2010 · Nr. 10724

Man muß doch bloß richtig Deuten können...

HOFGEISMAR. (hpd) Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) rechnet in diesem Jahr mit fünf bis sechs Prozent weniger Kirchensteuereinnahmen als im Vorjahr. Die Pro-Kopf-Gesamtsteuereinnahmen der Landeskirche lagen 2009 bei 144 Euro. Dies geht aus einer Pressemitteilung über die derzeit tagende Kirchensynode hervor.

Der Vizepräsident dieser evangelischen Landeskirche, Volker Knöppel, wird darin mit folgenden Worten zitiert: „Auch im kommenden Jahr dürften die Kirchensteuereinnahmen trotz günstiger Konjunkturentwicklung rückläufig sein." Als Gründe nennt Knöppel die zu Beginn des Jahres abgesenkten Einkommensteuersätze, den erhöhten Kinderfreibetrag sowie die steuerliche Absetzbarkeit von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen.

Wie es weiter heißt, nimmt die EKKW mit ihren Pro-Kopf-Steuereinnahmen Platz zwölf der 22 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ein. Die höchsten Pro-Kopf-Einnahmen würden die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) mit rund 252 Euro verzeichnen. Die EKHN rechne sogar noch mit 40 Millionen Euro mehr an Kirchensteuereinnahmen.

Wohl besonders bemerkenswert am Finanzbericht der EKKW ist das darin enthaltene Beklagen der aktuellen öffentlichen Diskussion und über eine „aggressive Polemik“ gegenüber den Kirchen. Ursache hierfür sei insbesondere das 'Violettbuch Kirchenfinanzen' von Carsten Frerk. In der Diskussion gehe es lt. Kirchenvizepräsident Köppel jedoch weniger um die von Frerk recherchierten Zahlen, sondern um deren Deutung. Aber die Deutungshoheit hat wohl allein bei den Kirchen selbst zu liegen, oder?

Carsten Frerks Zahlen im 'Violettbuch' sind also offenbar nicht angreifbar, wenn es „nur um deren Deutung“ gehe. Dieses „Deuten“ scheint derzeit wohl die allgemeine Strategie der Amtskirchen zu sein. Bemerkenswert.

Und wie für die öffentlich finanzierten Kirchen üblich, weist EKKW-Knöppel in seiner Quasi-Verteidigungsrede auf das Gute hin, das die Kirchen doch tun würden... Zum Beispiel mit ihrer Kindertagesstättenarbeit. Die Kirchen erhielten staatliche Mittel nicht etwa dafür, dass sie Kirchen seien, sondern weil sie hier für die Gesellschaft eine Dienstleistung erbrächten, zu der sie sogar noch 20 Prozent Eigenmittel beisteuerten.

Oh, die Kirchen steuern zu ihren eigenen Einrichtungen sogar noch 20 Prozent Eigenmittel bei... Man beachte diese Formulierung Sind es dann überhaupt eigene Einrichtungen, wenn andere, wenn die Allgemeinheit, diese zu 80 Prozent finanziert. Das muß doch auch mal (hinter-)fragt werden dürfen.

In der Pressemitteilung heißt es außerdem noch: „Offenbar neide man den Kirchen diese Mittel und lasse außer Acht, dass es eine bewusste Entscheidung sei, gesellschaftliche Aufgaben nicht zuerst vom Staat, sondern von anderen gesellschaftlichen Gruppen wie den Kirchen erfüllen zu lassen.“

Aha, es geht den Kritikern der öffentlichen Finanzierung der Kirchen also nur um Neid. Da ist sie wieder, die leidige Neidkampagne, die immer wieder herhalten muß, wenn man keine Argumente zur Verteidigung von Besitzständen hat.

Tja, wer soll denn den Kirchen diese Mittel neiden, das sei jetzt ganz deutlich gefragt. Carsten Frerk kann es jedenfalls nicht sein, der der ist kein Betreiber von Kindertagesstätten...

Und wessen „bewußte Entscheidung“ ist es denn, die danach ins Spiel gebracht wird? „Die Gesellschaft“, die Bürgergesellschaft, kann es nicht gewesen sein. Oder?

Was die gemachten Angaben zu den Kirchensteuereinnahmen angeht, so decken sich diese mit denen anderer Synodaltagungen.

Siegfried R. Krebs