derstandard.at 26.11.2012 · Nr. 14451

Katholische Moral kann ihr Leben gefährden!

Letzte Woche ist es wieder einmal passiert: eine schwangere Frau starb in Irland, weil die behandelnden Ärzte ihr die lebensrettende Behandlung mit dem Hinweis "dies ist ein katholisches Land" verweigerten.

Soweit so unspektakulär. Jeden Tag sterben schwangere Frauen auf der Welt, weil ihr Leben weniger wert ist als jenes ihres Fötus: ihnen wird ein Schwangerschaftsabbruch verweigert. Nach Schätzungen der WHO fallen dieser Unmoral jedes Jahr etwa 50.000 Frauen zum Opfer. Schlagzeilen macht dieses sinnlose Sterben von Frauen üblicherweise keine. Aber diesmal geschah es mitten in Westeuropa.

Keine Hilfe für Frauen von Frauenärzten

Eine Frau in der 17. Schwangerschaftswoche erlitt eine Fehlgeburt und ging in das regionale (katholische) Krankenhaus in Irland. Es war auch für die Ärzte offensichtlich, dass das Fortschreiten der Fehlgeburt nicht mehr aufzuhalten war. Aber anstatt das einzig richtige in dieser Situation zu tun, nämlich die Schwangerschaft rasch und ohne viel Blutverlust zu beenden, warteten die Ärzte ab, weil beim Fötus noch ein Herzschlag vorhanden war. Für die 'Frauenärzte' stand nicht die Gesundheit und das Überleben der Frau im Mittelpunkt, sondern der Herzschlag des Fötus. Obwohl dieser keinerlei Überlebenschance hatte. Sie warteten ganze drei Tage. Als der Herzschlag des Fötus aufhörte, hatte die zuvor gesunde Frau vorhersehbarerweise eine Blutvergiftung, an der sie vier Tage später verstarb.

Was ist das für eine Moral?

Von offizieller katholischer Seite kam keine Spur von Einsicht oder gar Bedauern. Vielmehr behauptete Dublins Erzbischof Diarmuid Martin, im Widerspruch zu den offensichtlichen Fakten Irland sei ein sicheres Land für schwangere Frauen.