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Presseschau 03.12.2012 · Nr. 14506

Religiöse Rechte - Notizen November 2012


US-Flag / Foto: Andrea Church (morguefile)

USA. (hpd) Das Jahr nähert sich dem Ende. Traditionell beklagt die Christliche Rechte dann, dass ein Krieg gegen Weihnachten geführt wird. 2012 ist da keine Ausnahme. Außerdem lecken die Republikaner noch immer ihre Wunden, weil sie Obamas Sieg bei den Präsidentschaftswahlen nur schwer wegstecken können.


Bryan Fischer zeigte sich sehr verärgert, dass ausgerechnet ein Republikaner Obama Wahlkampfhilfe geleistet hatte. Gouverneur Chris Christie hatte mit dem US-Präsidenten angesichts der Hurrikan-Katastrophe in New York und New Jersey zusammengearbeitet und ihm hervorragendes Krisenmanagement bescheinigt. Außerdem habe er die Preise im Katastrophengebiet eingefroren, um Bürger vor Profitmache zu schützen – in den Augen Fischers Sozialismus. (Quelle)

In Georgia erhielt der Begründer der Evolutionstheorie, Charles Darwin, bei den Kongresswahlen überraschend 4.000 Wählerstimmen. Er war gegen den Republikaner Paul Broun angetreten, der Evolution und Urknall als „Lügen aus der Hölle“ bezeichnet hatte. Hintergrund der Aktion: Ein Biologe hatte dazu aufgerufen, Darwins Namen auf den Wahlzettel zu schreiben. Das amerikanische Wahlrecht sieht sog. „write in“-Kandidaten vor. Da Paul Broun in seinem Wahlkreis ohne Herausforderer antrat, schmälerte die Aktion nicht die Chancen eines demokratischen Gegenkandidaten. (Quelle)

Auch Senator Marc Rubio, dem als Latino Chancen zugesprochen werden, künftig Wahlen zu gewinnen, ist Anhänger der Schöpfungslehre. In einem Interview auf das Alter der Erde angesprochen, erklärte er: „Ich bin kein Wissenschaftler.“ Bryan Fischer unterstützte ihn in dieser Auffassung. Wissenschaftler könnten eh keine präzisen Angaben zum Alter der Erde machen, da sie keine Augenzeugen seien. Glenn Beck erklärte, dass die Erde 6.000 Jahre alt sei, da Gott die Welt in 6 Tagen geschaffen habe, von denen jeder für 1.000 Jahre stehe. Dies ist nicht einmal nach evangelikalen Maßstäben korrekt, derartige Schätzungen ergeben sich aus dem Alter der in der Bibel vorgestellten Personen und ihren Verwandtschaftsbeziehungen. (Quelle 1) (Quelle 2)

Pat Robertson musste angesichts der Niederlage Romneys eingestehen, danebengelegen zu haben. Vor den Wahlen hatte er noch verkündet, dass Gott ihm vom bevorstehenden Sieg der Republikaner erzählt hatte. Offensichtlich habe er ihn trotz jahrelanger prophetischer Übung missverstanden. (Quelle)

John Hagee warnte die Amerikaner davor, dass Gott die Amerikaner haftbar machen werde und sie mit den Konsequenzen leben müssten, einen Präsidenten gewählt zu haben, der die Religionsfreiheit missachte. (Quelle)

Joe Farah zeigte sich davon überzeugt, dass Obama auch für eine dritte Amtszeit antreten werde. Dies sei zwar laut US-Verfassung verboten, jedoch verbiete die US-Verfassung ebenso dass ein nicht in den USA geborener Präsident werden dürfe. (Quelle)

Gary Bauer erklärte anlässlich der Niederlage, dass die Republikaner die Wahl womöglich gewonnen hätten, wen sie eher Themen wie Abtreibung und Homoehe, statt Wirtschaft und Außenpolitik zum Mittelpunkt ihrer Kampagne gemacht hätten. Bauers These ist nur wenig plausibel, da diejenigen Republikaner, die am schärfsten gegen Abtreibungsrechte polemisierten, bei den Kongresswahlen gegen ihre demokratischen Gegner unterlagen. (Quelle)

Der Umstand, dass vor allem Minderheiten, also Afro-Amerikaner, Latinos und in geringerem Maße auch Asiaten zu den treuesten Unterstützern Obamas zählen, sorgte im republikanischen Lager für große Verärgerung.

Der Vorsitzende der Republikaner im Bundesstaat Maine vermutete einen gezielten Wahlbetrug. In mehreren Städten in Maine seien viele Afro-Amerikaner in den Wahllokalen erschienen, obwohl dort niemand persönlich Afro-Amerikaner kenne. Charlie Webster fügte aber sogleich hinzu, kein Rassist zu sein. (Quelle)

Linda Harvey warf Afro-Amerikanern vor, nur aufgrund der Hautfarbe für Obama gestimmt zu haben und bezweifelte, dass es sich bei ihnen um wahre Christen handele, schließlich vertrete der US-Präsident viele unchristliche Positionen. Larry Klayman beklagte sich, dass Konservative die neuen „Nigger“ seien. Sie müssten im amerikanischen Bus, der auf den finanziellen, sozialen und moralischen Abgrund zusteuere, künftig hinten sitzen. (Quelle 1) (Quelle 2)

Bryan Fischer bezeichnete die eingewanderten Latinos als „Sozialisten von Natur aus“. Er sehe keine Möglichkeit, sie zu Wähler der Republikaner zu machen, daher müsse man die Einwanderung stärker regulieren. (Quelle)

Larry Klayman nahm auch andere Gruppen ins Visier. Er sprach davon, dass die 70 Prozent der amerikanischen Juden, die demokratisch gewählt hätten, ahnungslos seien. Obama sei eine ebenso große Bedrohung für den Staat Israel wie die Hamas. Klaymann hoffte, dass ihm keine weiteren muslimischen Präsidenten nachfolgen würden. (Quelle)
 

Pat Robertson verteidigte CIA-Chef David Petraeus, der seine Ehefrau hintergangen hatte und eine Affäre mit der Journalistin Paula Broadwell eingegangen war. Sie sei eine attraktive Frau, er einsam und in einem fremden Land. Petraeus sei eben auch nur ein Mann. Man kann Robertsons Auffassung nun als sexistisch abtun, oder ganz der Meinung sein, dass das Privatleben von Politikern auch weiterhin privat bleiben soll. Dennoch lässt sich seine Doppelmoral nicht abstreiten. Persönliche Verfehlungen von Demokraten wurden von ihm immer bereitwillig ausgeschlachtet. (Quelle)

Glenn Beck sah im Rücktritt Petraeus' den Versuch Obamas das gesamte US-Militär zu diskreditieren. Der vormalige US-General habe vor dem Untersuchungsausschuss anlässlich der Bengazi-Affäre gelogen, um zu verheimlichen, dass die Regierung der Vereinigten Staaten die Muslimbruderschaft unterstütze. Als echter Held hätte er jedoch die Wahrheit sagen müssen, selbst wenn er dafür ins Gefängnis gekommen wäre. (Quelle)

 

Alle Jahre wieder: Auch dieses Mal spricht die Christliche Rechte wieder von einem „Krieg gegen Weihnachten“. Firmen, die nur „Frohe Festtage“ wünschen und damit dem Umstand Rechnung tragen, dass eben nicht die gesamte US-Bevölkerung christlich ist, gilt es zu boykottieren. Die wichtigsten Organisationen haben Websites geschaltet, um genau zu zeigen, welche Konzerne angeblich Weihnachten bekämpfen. Bislang aber taucht die Restaurant-Kette Chick-fil-A, die in diesem Jahr erstmals nur „Frohe Festtage“ wünscht, in diesen Listen nicht auf. Vor einigen Monaten hatte sich die Christliche Rechte mit dem Anbieter von Geflügelprodukten solidarisiert, weil ihr Chef sich gegen die Homoehe ausgesprochen hatte. (Quelle)

Pat Robertson erklärte in seiner Fernsehsendung, dass Atheisten unglückliche Menschen seien und Christen die Freude an Weihnachten nicht gönnen würden, was ihren Hass auf dieses Fest erkläre.

Fox-Newy Moderator Bill O'Reilly attackierte den Chef der American Atheists, David Silverman und bezeichnete ihn als Faschist (Silverman ist Jude!). Die American Atheists begrüßen die Entscheidung, eher die Bezeichnung „Frohes Fest“ statt „Frohe Weihnachten“ festzuhalten. Atheisten, die in Wisconsin gegen ein weihnachtliches Krippenspiel an einem öffentlichen Platz protestiert hatten, warnte er vor ewigen Höllenqualen. (Quelle 1) (Quelle 2) (Quelle 3)

Ken Reid, Mitglied der Stadtverwaltung in Leesburg, Virgina teilte kräftig gegen Atheisten aus, die mit Plakaten in der Nähe eines Weihnachtsbaums an die Trennung von Kirche und Staat erinnerten. Sie seien „Terroristen“ und „Fanatiker“. (Quelle)

 

Rache: Bryan Fischer erklärte, dass die Anschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington göttlicher Wille waren. Ebenso hätte Gott auch eine Invasion des Königreich Israels durch die Assyrer zugelassen. Dass sich in den vergangenen Jahren kein größerer Terroranschlag mehr ereignete, sei darauf zurückzuführen, dass seit dem 11. September bei Spielen der Baseball-Liga immer „God bless America“ angestimmt werde. Fischer vertritt keine Einzelmeinung, viele andere Vertreter der Christlichen Rechten sahen in den Terroranschlagen göttlichen Willen. (Quelle)
 

Frustriert: Ein Waffenladen in Arizona hat die Niederlage Mitt Romneys immer noch nicht verarbeitet. Ein Schild an der Tür verbietet allen, die für Obama gestimmt haben, den Laden zu betreten, da sie sich als nicht „verantwortungsbewusst genug“ gezeigt hätten. Durch das Wahlgeheimnis in den USA dürfte diese Maßnahme aber nur symbolisch zu verstehen sein. (Quelle)
 

Redaktion und Übersetzung: Lukas Mihr