Die religiöse Dressur des Kindes

Gedanken zur Feier der Erstkommunion

 

(hpd) Es ist sehr gut realisierbar, ein Pferd

dahin zu bekommen, dass es in der Lage ist, bestimmte Darbietungen immer wieder auszuführen. In jedem Zirkus kann man das erleben. Die Dressur geht einher mit einer guten Behausung, das Fressen ist von gediegener Qualität, die Behandlung beim Abrichten in der heutigen Zeit frei von roher Gewalt. Das Pferd kann den Hintergrund dieses Treibens natürlich nicht begreifen. Der Dresseur nutzt die natürlichen Anlagen des Tieres für seine Zwecke aus. Belohnungen und angemessene Zurechtweisung schaffen die Abhängigkeit des Tieres zum Menschen. Wer solchen Vorstellungen beiwohnt, kann sich des Eindruckes nicht erwehren, das Pferd wüsste, was es tut. Und genau das ist der Ausstrahlung, die Verzückung, die eine Dressur kennzeichnet.

In der nächsten Zeit begehen katholische Familien die Feier der Erstkommunion ihrer Kinder. In den Monaten oder gar Jahren vorher waren viele von ihnen kaum in den Kirchenbänken ihrer Gemeinden zu sehen. Denn die Teilnahme an den Gottesdiensten sinkt - zum Leidwesen der Kirchenobrigkeit - von Jahr zu Jahr.

Dessen ungeachtet hält der Trend, den Nachwuchs zur Erstkommunion zu schicken, auf niedrigem Niveau (ca. 1 % der registrierten Katholiken) an. Ein Wunder im kirchlichen Leben?

Wunder sieht man gern in der Institution, die sich die einzig wahre Kirche nennt. Ob das so ist, oder ob es dafür ganz und gar weltliche Motive gibt, ist eine nähere Betrachtung wert.

Die Transsubstantiation - Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi, und der ganzen Substanz des Weines in die Substanz seines Blutes. Das alles geht zurück auf das Konzil von Trient (1551) und wird den Gläubigen als das Wort, den Auftrag, oder den Willen Jesus` verkauft. Die erstmalige Teilnahme der meist 9 - 10 Jährigen an diesem Ritus, der im allgemeinen Sprachgebrauch Kommunion oder Eucharistie genannt wird, ist der Grund für eine Familienfeier, die einige Zeit der Vorbereitung bedarf.

Der Termin der Erstkommunionsfeiern, die eines von sieben Sakramenten darstellt, liegt um den so genannten Weißen Sonntag (1. Sonntag nach Ostern) herum, in Zeiten, da Priester Mangelware und Gemeindenzusammenlegungen an der Tagesordnung sind, kann dieser Termin nicht immer eingehalten werden.

Die Voraussetzung für Empfang der Kommunion ist die Taufe sowie das Bekenntnis des katholischen Glaubens und die rechte Absicht des Empfangs.

Die Kinder, die dieses Sakrament empfangen dürfen oder besser MÜSSEN, sind in der Regel 9 - 10 Jahre alt. Ob in diesem Alter, die Auffassungsgabe und das Denkvermögen schon so ausgebildet sind, die komplizierte Prozedur der Wandlung zu erfassen oder das Glaubensbekenntnis zu verstehen, ist mehr als zweifelhaft. Doch, um dafür zumindest die Grundlagen zu schaffen, gibt es den konfessionsgebundenen Religionsunterricht, die staatlich geförderte und von allen Steuerzahlern finanzierte Katechese.

Katholisch getaufte und getraute Eltern schicken ihre Sprösslinge meist schon mit der Einschulung in den Religionsunterricht; man kennt es nicht anders, vornehmlich aber möchte man wohl nicht auffallen. Dieser Trott hat außerdem den Vorzug, dass man sich zu Hause in Glaubensdingen zurücklehnen kann. Der Nachwuchs wird in der Schule mit der Religion hinreichend infiziert.

Der Religionsunterricht trägt auf seine Weise dazu bei, dass die Kinder auch in der Schule auf die Erstkommunion vorbereitet werden. Die Religionslehrer vermitteln vor allem das nötige religiöse Wissen. Den Kindern werden die einzelnen Teile der hl. Messe erklärt. Sie lernen die tiefere Bedeutung der gottesdienstlichen Zeichen und Symbole kennen. Auch Gebete und Lieder werden eingeübt. Religionsbücher, Arbeitshefte und -blätter, Bilder und Filme sind dabei wichtige Hilfsmittel.

Dass dies allein nicht reicht, zeigt das Wehklagen der Katecheten um die Verfassung der Kinder, womit die fehlende Glaubenspraxis gemeint ist. Dass sich Kinder, wenn sie nicht die „Peitsche" der Religion am eigenen Leib zu spüren bekommen, auch in einer Kirche ganz kindlich verhalten, zeigt eine Diskussion im Internet. Kein Wunder - erziehen doch immer weniger Eltern ihre Kinder religiös.

Da scheint Hopfen und Malz verloren zu sein! Aber dennoch die Feier der Kommunion muss durchgezogen werden, schließlich feiert sie der Nachbar ebenfalls, die Taufpaten fragen schon, die Großeltern warten darauf. Es führt kein aufrichtiger Weg vorbei.

Man erinnere sich an den Anfang - an die Dressur des Pferdes. Genau da setzt man bei den Kindern an.

Logischerweise müssen die Frauen ran, getreu der Devise der 3 „K" (Kinder, Küche, Kirche) eine Karriere in der katholischen Kirche als Kommunionsmutter?

Egal! Das schafft Vertrauen bei den Kleinen, den Müttern scheint sie das trügerische Gefühl zu geben, sie dürften in der Kirche den Mund aufmachen. Dass es ihnen freilich nur erlaubt ist, im Rahmen der Missionierung der eigenen Kinder, die Kirchenregeln zu vermitteln, das scheint nicht aufzufallen oder fällt dem von Kindesbeinen an indoktrinierten Gehorsam zu Opfer.

Die Kinder glauben, was erklärt bzw. verklärt wird. Wer kümmert sich schon um öffentliche Aufrufe, den Kindern die Wahrheit vorzuenthalten, also die Bedenken gegen die Kirche zu verheimlichen. Alles läuft sanft und friedlich ab, so „friedlich" wie es der Kirche Wesen ist...! Letztendlich erreicht man durch viele Stunden Vorbereitung auf den Tag der Feier, dass die Kinder sich benehmen können ohne aufzufallen. Das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis wurden auswendig gelernt, das reicht allemal, um für den Tag das Schaf zu spielen. Perfide ist die Tatsache, dass bei dieser Feier das Taufversprechen erneuert wird! Kaum eines der Kinder war in der Lage, bei der Taufe auch nur ein klares Wort heraus zu bringen, weil sie der frühkindlichen Zwangstaufe unterzogen wurden. Was also soll da erneuert werden? Woran sollen sich die Kids erinnern?

Wie war das mit dem Pferd, dass nicht weiß was es tut und es trotzdem macht? Genau, es bekommt Belohnungen.

Ein Mountainbike für das Vaterunser, eine Playstation für das Glaubensbekenntnis...

So ist es auch mit der „Motivation" zur Erstkommunion. Der Geschenke - Segen ist das Wichtigste für die Kids. Und der wird auch sehr üppig gespendet. Für das gut nachgeplapperte Vaterunser eine Play - Station, für die aufgesetzte Leidensmine nach katholischer Art ein 1000 € Sparbuch, und selbst ein „Harry Potter" (von der Kirche geächtet) wird gegeben, wenn der Zögling nur recht laut und deutlich um Erbarmen flehte.

Die Kleidung in die man diese mitleiderregenden Geschöpfe steckt, sei es die festliche (Brautkleid und dunkler Anzug) oder die scheinheilige Variante - die Kutte, die über den Markenjeans gestülpt wird, ist ebenfalls nicht ohne Belohnung zu ertragen. Ein neues Mountainbike ist dafür sicher angemessen.

....Schnitzel mit Pommes als Nachspeise zur Hostie, Nike-Klamotten unter der Kutte...

Am Ende des Tages, der mit einem speziellen Gottesdienst beginnt, wird ein weiterer Kirchgang am Abend notwendig - der Dank Gottesdienst. Sicherlich eine Notwendigkeit, denn man muss den Gott irgendwie besänftigen nach all der Lobhudelei, der Heuchelei und des „Aus dem Vollen schöpfen". Dass dieser Gott, an den die Kinder glauben müssen, ein seltsamer, zorniger und unfairer sein muss, kann man daran erkennen, dass er diese Gattung Menschen scheinbar beschützt, während er zeitgleich andere Erdenbürger sterben lässt, weil er ihnen Nahrung, Wasser oder Medikamenten verweigert - darunter auch Kinder, die das Alter für die Erstkommunion nicht erreichen, weil sie schon vorher heimgegangen sind - als christlich getaufte Verhungerte - der Statistik zuliebe.

...so glauben Kinder an ALLES

Ach ja! Wen wundert` s - wir das alles ist auch deutsches Brauchtum.
Denk ich an Deutschland...?

Da tönt der Ministerpräsident von Baden - Württemberg, dass man doch in Chemie, Physik und Biologie Stunden streichen könne, da hätten die Schüler am Nachmittag mehr Zeit. Unter anderem auch für die Kirche.

Denk ich an Deutschland...?
Ein Buch, in dem ein kleines Ferkel nach Gott fragt, wurde in deutschen Landen einem Verfahren unterzogen, soll es doch jugendgefährdend sein. Die Diözese Rottenburg - Stuttgart stellte Strafanzeige wegen antisemitischer Äußerungen. Hat man dort wirklich die eigene Geschichte vergessen?

Keine Angst, ich denke weiter daran, auch wenn` s oft schwer fällt.

Thomas Häntsch