Kämpferin für Gleichberechtigung

Louise Aston

* 26. November 1814 in Gröningen bei Halberstadt, Δ 21. Dezember 1871 in Wangen im Allgäu;
Lyrikerin, Publizistin und Frauenrechtlerin. Die Tochter eines Konsistorialrats musste 1835 gegen ihren Willen eine Konvenienzehe mit dem in Magdeburg lebenden englischen Dampfmaschinenfabrikanten Samuel Aston eingehen.

1838 folgte die Scheidung. Nach einer zweiten Scheidung und drei Töchtern, erfolgte mit der Tochter Jenny 1845 der Umzug nach Berlin. Den Lebensunterhalt verdiente sie sich mit Schriftstellerei und lebte mit Rudolf Gottschall zusammen. 1846 wird ihr erster Gedichtband „Wilde Rosen” veröffentlicht. Die Themen ihrer zwölf Gedichte waren persönliche Erlebnisse und Erfahrungen, ebenso wie die Ideen der utopischen Sozialisten, der Saint-Simonisten. Die „Emanzipation des Fleisches” auch für Frauen zu fordern, ihr freimütiges Bekenntnis zu freier, sinnlicher Liebe, begründete ihren Ruf als „femme scandaleuse” und als „Emanzipierte”. („Freiem Leben, freiem Lieben / bin ich immer treu geblieben.”). Louise Aston entwickelte sich zu einer der konsequentesten Frauenrechtlerinnen des 19. Jahrhunderts. Daneben lernte sie hautnah die soziale Not der Arbeiter Berlins kennen, die sie in ihrem autobiographischen Roman „Aus dem Leben einer Frau” (1847) thematisierte. Ihr zentrales Thema blieb aber die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

„Ich will vor Sünde und Kreuz bewahrt,
Stark durch des eigenen Geistes Ringen,
Mich aus Fesseln und Banden schwingen
Auf zu begeisterter Himmelfahrt!”

Ihr Nonkonformismus (sie trug wie George Sand Männerkleidung und ging mit einer Zigarre rauchend „Unter den Linden” spazieren) und die unverhohlene Kritik an organisierter Religion, führten 1846 zu ihrer Ausweisung als „staatsgefährliche Person”, die „Ideen geäußert und ins Leben rufen wolle, welche für die bürgerliche Ruhe und Ordnung gefährlich seien”. „Ohne Scheu” habe sie bei der Vernehmung erklärt, „... sie glaube nicht an Gott und rauche Zigarren. Sie beabsichtige die Frauen zu emancipieren und sollte es ihr Herzblut kosten. Sie halte die Ehe für ein unsittliches Institut und erst, wenn der Glaube an Gott und das Institut der Ehe fortfalle, würden die Menschen glücklich sein.” Sie beschrieb diesen Vorgänge in dem Buch „Meine Emancipation, Verweisung und Rechtfertigung”.

Nach ihrer Ausweisung schreibt Louise Aston in Köpenick ihre drei Romane, die 1847-49 erscheinen. 1848 nahm sie als Freischärlerin an der revolutionären Bewegungen in Schleswig-Holstein wie auch an den Barrikadenkämpfen in Berlin teil; gleichzeitig gab sie die agitatorische Zeitschrift „Der Freischärler. Für Kunst und sociales Leben” heraus. Das Scheitern der Revolution beschreibt ihr Roman „Revolution und Contrerevolution” (1849). Nach erneuter Ausweisung aus Berlin heiratete sie 1850 den Bremer Arzt Daniel Eduart Meier. Meier wird wegen seines eigenen radikal-demokratischen Engagements, aber auch wegen der Vergangenheit seiner Frau, aus Bremen ausgewiesen. Die beiden verlassen Deutschland und durchziehen Russland, Odessa, Polen, Österreich, Ungarn und Siebenbürgen. Verarmt kehrt Louise 1871 zurück nach Wangen im Allgäu, wo sie am 21.12.1871 stirbt.

Astons Leben und Werk war auch in der zeitgenössischen Frauenbewegung umstritten. Selbst eine Kämpfernatur wie Louise Otto-Peters, weist jede Gemeinsamkeit mit ihr entschieden zurück. Sie war der Meinung, ihr „unsittlicher” Lebenswandel schade der Sache der Frauen und ihrem Kampf um Teilnahme am öffentlichen Leben. Dagegen verteidigte Mathilda Franziska Anneke in einer Flugschrift Luise Aston („Das Weib im Conflict mit den socialen Verhältnissen”). Erst Veröffentlichung im Rahmen des modernen Feminismus ließen wieder Interesse am Werk Louise Astons erkennen.