Kommentar

"Islamophobie" - der Blasphemievorwurf der westlichen Linken

Kacem El Ghazzali
Kacem El Ghazzali

Es ist völlig klar, dass der Islam Aufklärung benötigt. Doch die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, diesen Aufklärungsprozess in Gang zu setzen. Was also tun? Zuvorderst ist es wichtig, dass man sich auf einige Basisbanalitäten verständigt. Zum Beispiel darauf, dass nicht "islamophob" ist, wer den konservativen Alltagsislam im Allgemeinen und den Islamismus im Besonderen kritisiert. Im Gegenteil: Kritik ist die Voraussetzung jeglicher Aufklärung im Islam. Ein Kommentar von Kacem El Ghazzali.

Die Geschichte lehrt uns, dass die europäische Aufklärung nicht von heute auf morgen vonstatten ging. Es war nicht so, dass Europa eines schönen Tages aufgewacht ist und sich plötzlich anschickte, eine säkulare und pluralistische Gesellschaft zu formen. Um die neue Welt zu errichten, durchschritt Europa einen dialektischen Prozess der Aufklärung, der gekennzeichnet war von harten geschichtlichen Auseinandersetzungen.

Ein ähnlicher Prozess, wenn auch noch auf bescheidenerem Niveau, ist hier und da durchaus auch in der islamischen Welt zu beobachten. Unglücklicherweise sieht sich dieser Prozess jedoch hartnäckigstem Widerstand ausgesetzt. Nicht nur seitens fundamentalistischer Muslime, sondern auch seitens westlicher Intellektuellen, regressiver Linken und politische Rechten.

Es ist jedenfalls schon erstaunlich, dass ausgerechnet jene Liberalen aus dem Westen, die für sich das Erbe der Aufklärung in Anspruch nehmen, nicht selten davon sprechen, dass Islamisten und Djihadisten den Islam missbrauchen würden. Was macht sie so sicher, dass sie bar jeder Evidenz und Erfahrung unentwegt behaupten, die Fundamentalisten seien nicht islamisch und hätten nichts mit dem Islam zu tun? Missbrauchte etwa auch der Prophet Mohammed den Islam, als er, wie es im Koran und den Hadithen nachzulesen ist, religiöse Kriege gegen Nichtgläubige und Juden geführt oder Apostaten zum Abschuss freigegeben hatte?

Diesem Aufklärungsverrat zum Trotz finden sich heutzutage in der islamischen Welt Gelehrte und Intellektuelle, die sich nicht scheuen, die Dinge beim Namen zu nennen und im selben Atemzug offen auszusprechen, dass es im Islam massive Probleme gibt. Elham Manea zum Beispiel, eine jementisch-schweizerische Dozentin für Politikwissenschaften an der Universität Zürich, argumentiert, dass der Prophet Mohammed zwei Gesichter habe: ein friedliches, aber auch ein gewalttätiges. Manea sagt, es bringe nichts, den Kopf in den Sand zu stecken und zu behaupten, dass der Islamismus den Islam missbrauche. Um ein Gegenmittel gegen den grassierenden Fundamentalismus zu finden, sei es vielmehr zentral, anzuerkennen, dass der Islamismus nicht etwas Fremdes; etwas der weit verbreiteten traditionellen Auslegung des Islam Hinzutretendes sei.

Natürlich ist Kritik am Islamismus und Islam in Zeiten des neuen westlichen Populismus ein sehr kompliziertes Thema. Es gibt selbstverständlich Menschen, die versuchen, unsere Arbeit und unsere Bemühungen zu instrumentalisieren, Menschen, mit denen wir nicht viele Gemeinsamkeiten teilen (politisch, intellektuell, historisch ..).

Was wir tun sollten, ist, solchen Menschen recht zu geben, wo sie Recht haben und zu kritisieren, wo sie falsch liegen. Vermeidung und Zensur der Kritik am Islam, nur weil die Populisten und Demagogen dies tun, ist das größte Versagen aller Liberalen und Freidenker.

Europa, Islam und "Islamophobie"

Ist der Westen heute also konfrontiert mit der Rückkehr eines neuen religiösen Fundamentalismus in einem neuen Gewand? Ja, aber dieses Mal ist es nicht die Kirche, sondern die Moschee, die ihren globalen Allmachtsanspruch anmeldet. Der islamische Fundamentalismus betrifft daher nicht nur die islamischen Länder, sondern er stellt ein weltweites Problem dar.

Trauriges Beispiel für diese Tatsache sind die weltweiten Terroranschläge im Namen des Islam, wie etwa jüngst in Nizza. Und ebenfalls, auch hierzulande, die religiös begründeten Sonderwünsche einiger Muslime, nicht zuletzt an öffentlichen Schulen.

Vollkommen absurd in diesem Zusammenhang wird es, wenn diejenigen, die diesen Forderungen kritisch gegenüberstehen, der "Islamophobie" bezichtigt werden. Eine bewährte Taktik der Zensur, wie sie insbesondere die Islamisten immer wieder anwenden, um jegliche auf Logik und auf vernünftigen Argumenten basierende Diskussion oder jede Kritik im Vorneherein abzuwehren und um ihre Kritiker auf Vorrat schlecht aussehen zu lassen.

Was dabei äusserst seltsam anmutet, ist, dass Teile der westlichen Liberalen dem Islam immer wieder in die Falle gehen. Wenn es um den Islam geht, vertreten sie unter dem Banner des Multikulturalismus und der falsch verstandenen Toleranz oftmals genug eine regressive, ja eine reaktionäre Position.

Würde jene regressive Linke dieselben Positionen einnehmen, wenn christliche Fundamentalisten aus religiösen Gründen ein Verbot des gemeinsamen Schwimmunterichts von Mädchen und Jungen oder ein Handschlagverbot für Knaben mit weiblichen Lehrpersonen fordern würden?

Die Ideologie der Islamisten richtet sich letztlich gegen alles, was uns einst lieb und teuer war: die in der Aufklärung errungenen Werte der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Statt also auf diejenigen regressiven Linken zu hören, die wie beim djihadistischen Anschlag in Paris und  auf Charle Hebdo noch beinahe jeden islamistischen Terroranschlag verharmlost oder gar legitimiert haben, sollte der Westen besser Denkerinnen und Denker wie Elham Manea, Ahmed Mansour, Hamed Abdel Samad und andere liberale, säkulare Muslime und Ex-Muslime unterstützen. Diese kennen den Islam nicht nur besser, sondern sie haben auch unter seinen religiösen Gesetzen gelebt und sich für Jahre eingehend mit ihm auseinandergesetzt.

Diese (ex-)muslimischen Aufklärerinnen und Aufklärer sind der Auffassung, dass, um die Aufklärung im Islam zu initiieren, zunächst die unleugbare Tatsache anerkannt werden muss, dass der Islam selbst, also auch der Prophet und der Koran, nicht unfehlbar ist und Gegenstand von Kritik sein muss.

Kommentare (37)

Andreas (nicht überprüft)

Di. 13 Dez 2016 - 13:33

... so geschrieben, dass man eigentlich nur zustimmen kann. Eigentlich. Aber was, wenn die einmal mehr als Gegenpol zum Islam als strahlendes Licht dargestellte "Aufklärung" gar nicht so "menschlich" und "frei" war?

Siehe den Artikel von hpd:

"Sklaverei als Menschenrecht – Schon der Titel des Buches von Rainer Roth scheint ein Widerspruch zu sein. Doch auch der Inhalt könnte viele irritieren, beschreibt er doch bürgerliche Aufklärer von Locke, Montesquieu über Rousseau bis Kant als Rassisten, Sklaverei nicht als moralischen Unfall der bürgerlichen Gesellschaft, sondern als ökonomisches Fundament von deren Industrialisierung und des Reichtums von Handels- und Industrieunternehmern im 18. / 19. Jahrhundert. Auch seien die bürgerlichen Menschenrechtserklärungen nie als universal im heutigen Verständnis, sondern in erster Linie zum Schutz des bürgerlichen Eigentums formuliert worden (...)" http://hpd.de/artikel/sklaverei-menschenrecht-13811

Aufklärung ist kein Einzelereignis im 18.Jhd. sondern ein Prozess, der damals begonnen wurde. Die Wurzel dieses Prozesses ist die Gedankenfreiheit des Individuums, der Kern dessen was die westliche Kultur ausmacht. Freiheiten (Meinung, Versammlung, Aufenthaltsort, Partnerwahl, Religion, öffentlicher Raum, ...) und Rechte (Arbeiter/Arbeitnehmer, Bildung, Frauen, Kinder, Schwule, Tiere, ...) mussten peu a peu danach konkret erstritten werden. Erst langsam kommt das allgemeine Gefühl auf, dass das Erreichte auch wieder verloren gehen kann. Bsp.: Facebook-Zensur, gradueller Verlust der (gefühlten) Sicherheit im öffentlichen Raum, Knaben-Beschneidung u.a.

Andreas (nicht überprüft)

Do. 15 Dez 2016 - 10:54

Antwort auf von Bernd (nicht überprüft)

... "langsam kommt das allgemeine Gefühl auf" – bei mir –, dass die "Aufklärung" ein "moderner Mythos" ist ...

Ja doch! Kann man irgendwann mal akzeptieren, dass historische Entwicklungen in Schritten vor sich geht? Ja, wir sind mit unserer "freien Welt" noch nicht auf dem Höhepunkt der Möglichkeiten, das wird auch nie an einem Ende ankommen, immer muss Aufklärung von neuem entwickelt und vermittelt werden. Es kann also kein Argument sein, den Islam und andere monotheistische Religionsorganisationen nicht zu kritisieren, nur weil wir noch nicht perfekt sind. Er wirft uns auf jeden Fall zurück, wenn wir dem Versuch der Religionen das Rad zurückzudrehen nicht Einhalt gebieten.

... da ist sie wieder, die "freie Welt", und immer sind "wir", also der "Westen", gemeint.

"You know my old saying, »Slavery was never abolished, it was only extended to include all the colors.«" Charles Bukowski, in einem Brief an seinen Verleger John Martin

... "empfehlen" würde ich zu allererst einen Blick auf die Welt, in der wir selber leben: Ist nicht "Geld unsere neue Religion", die wirklich jeden Lebensbereich durchdringt? (höre Charles Bukowski, Kommentar oben) Wie stellen wir uns das Zusammenleben in der Zukunft vor?

Wenn es um Religionskritik geht – hier "den Islam" –, könnte man einzelne Aspekte überprüfen – wie steht es um die Gleichberechtigung von Frauen, "...", usw. – statt pauschal mit dem "Mythos Aufklärung" alles platt zu machen ...

Offenbar bricht die kapitalistische Produktionsweise auch die Werte der Aufklärung - und in Gestalt einzelner (weiter oben genannter) Aufklärer tat sie das wohl schon seit ihrer Durchsetzung im 18./19. Jh.
Was aber lässt sich religiösen wie politischen Reaktionären an greifbaren Werten entgegenhalten?

Und was folgt nun für Sie aus Ihrem "Blick auf die Welt, in der wir selber leben"? Was also tun?

Sie wollen gerne, dass "der Islam" (den es als Religion für Sie wohl nur in "..." zu geben scheint), nicht "pauschal" mit dem "Mythos Aufklärung" (die also für Sie nur ein Mythos ist) "platt gemacht" wird.

Nebenbei kurz dies.

1. Gnädig von Ihnen immerhin, dass Sie der Religionskritik wenigstens erlauben, "einzelne Aspekte" zu "überprüfen". Und was ist mit der über diese "einzelnen Aspekte" hinausgehenden Religionskritik? Muss die Ihrer Ansicht nach entsorgt werden, soll die weg (vielleicht ins Altpapier, wie nach 1989 der Großteil der DDR-Literatur)?

2. Sie klagen darüber, dass "das Geld unsere neue Religion" sei. Wenn ich mich aber richtig entsinne, ist bereits in der Bibel die Rede vom "Mammon" als "Götzen". Die Bibel ist immerhin schon ein paar Tage alt (jedenfalls ein wenig älter als der penetrante "linke" Kulturrelativismus), so brandneu ist also dieses von Ihnen beklagte Problem keineswegs, - sondern es ist durch die von Marx so bezeichnete kapitalistische "Plusmacherei" auf typische drastische Weise zugespitzt. Als "Linker" sollte man das eigentlich wissen (aber vielleicht sind Sie ja auch gar kein Linker).

Nun zur Hauptsache.

1. Sie unterstellen ex-muslimischen Islamkritikern ein "pauschales" "Plattmachen" des Islam. - Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass in vielen (wenn nicht den allermeisten) islamischen Ländern gerade Apostaten & Atheisten unter Berufung auf eben den Islam tatsächlich richtig plattgemacht sprich von Staats wegen hingerichtet oder vom religiös aufgehetzten Mob erschlagen werden? - Sorry, aber vor diesem Hintergrund platzt mir buchstäblich der Kragen, wenn den Religionskritikern aus solchen Ländern, die aus eigenster bitterer Erfahrung wissen, wovon sie sprechen, hierzulande fortdauernd von Leuten arrogant über den Mund gefahren wird, die nicht begreifen wollen, welche Drachensaat sie mit ihrem vorgeschobenen "Antirassismus" in Schutz nehmen. - Übrigens könnte ja wohl gerade auch dieses "linke" Schulmeistern durchaus als tätiger Rassismus gegenüber Islamkritikern aus ehemaligen Kolonien(!) des bösen Westens verbucht werden: Die Enkel der "Täter" sagen den Enkeln der "Opfer" jetzt mal, was Letztere gefälligst zu denken & sagen haben und was nicht; und wehe, diese Letzteren spuren nicht, dann werden sie – wie es kürzlich erst Frau Ahadi erging – als "rechtsoffene Islamhasser" abgestempelt (solche Etikettierungen könnten auch glatt aus dem Umfeld des Herrn Erdogan stammen).

2. So scheußlich Lenin sicherlich auch war, gehört aber deshalb nicht ausnahmslos jeder einzelne Gedanke von ihm unbesehen & automatisch in die Mülltonne. Denken Sie nur an seine Frage "wer – wen?". Grob vereinfachend (weil zum besseren Merken) gesagt: Bezogen auf den langwierigen Kampf zwischen den vielgestaltigen Verfechtern von Freiheit & Menschenrechten einerseits und den ebenso vielfachen Freiheitsfeinden & Menschenschindern andererseits sollte man sie ruhig im Hinterkopf behalten: "Wer wird wen überflügeln?" -
Sich im neu-linken Schmollwinkel aalend serienmäßig ex-muslimische Islamkritiker anzumosern & abzuwatschen, das halte ich – jetzt mal ganz höflich zurückhaltend gesagt – für den völlig falschen Weg.
Wenn Sie mir darin widersprechen wollen, dann fragen Sie sich doch bitte im selben Atemzuge auch noch gleich: Auf wessen Seite stehen diese "Linken" mit ihrem unermüdlichen Islamkritiker-Abkanzeln wohl? - "Sag' mir, wo du stehst, und welchen Weg du gehst" war der Refrain eines DDR-Schlagers der 60er Jahre. Allerdings ganz so bescheuert, wie es einem ausschließlich kapitalistisch sozialisierten Normal-Bundesbürger erscheinen dürfte, war diese natürlich gewollt "parteiliche" Zeile wohl doch nicht; die in ihr enthaltene Frage darf ruhig das eine oder andere Mal (wenigstens im Stillen) selbstreflektierend bedacht & beantwortet werden; das kann gerade in den jetzigen politisch gruseligen Zeiten nicht schaden.
Und der alte Thomas Hobbes (kein Leninist und kein Marxist, sondern zeitlich vor John Locke "der" englische Staatsphilosoph des 17. Jh, und im Gegensatz zu Locke kein Sklavenhandels-Profiteur) pflegte bei konflikthaltigen Themen die Frage zu stellen: "Cui bono?" also "Wem nützt das?". Ebenfalls eine durchaus hilfreiche Frage.
Wem also dienen diese "Linken" mit ihrem propagandistischen ex-Muslime-Abschießen, ob sie es wissen & wollen oder auch nicht? - Diejenigen, denen diese "Antirassisten" – so mein Verdacht – de facto dienen, werden sie dafür aber nicht loben, denn sie haben aus deren Sicht einen alles entscheidenden Makel: Diese "Linken" gehören entweder der falschen Religion an oder sind offen "gottlos". Für die von solchen "Linken" kulturrelativistisch geschützten reaktionären islamischen Kreise sind sie deshalb allenfalls vorübergehend brauchbare Handlanger aus dem "dekadenten Westen"; Pech für diese "Linken" – d.h.: A...-Karte gezogen!

3. Kritik der bürgerlichen Aufklärung & Aufklärer dort, wo es der Sache nach geboten ist: unbedingt ja! Denn das erweitert & hebt unser politisches bzw humanistisches Bewusstsein. - Aber zugleich unbedingte Verteidigung dieser ("klassenbedingt" oder ökonomisch-sozial logischerweise) noch unvollkommenen Aufklärung gegen ihre Feinde – denn eine andere haben wir nicht!
Und deshalb rücksichtslose Bloßstellung ökonomischer & politischer & religiöser Ausbeuter & Blutsauger – also natürlich(!) volle Unterstützung ex-muslimischer Religionskritiker.
Wenn "wir" den besagten ex-muslimischen Islamkritikern die Solidarität verweigern und sie als "Rassisten" o. Dgl denunzieren, dann verraten wir unsere wenigen Verbündeten an eine äußerst üble religiöse & politische Reaktion – und machen uns zu nützlichen Idioten dieser letzteren.
Wenn aber gegenwärtige "Linke" sich als Nachkläffer & Wadenbeißer einer derartigen Reaktion andienen, tragen sie damit zur weiteren Zementierung derjenigen Verhältnisse bei, in denen der Mensch ein durch seinesgleichen erniedrigtes & geknechtetes Wesen ist.

Angesichts dieser Lage ziehe jedenfalls ich selber auch eine "nur halbe" – weil noch kapitalistisch gebrochene bürgerliche – Aufklärung als Wertegrundlage unbedingt jedem scheinheiligen "linken" Relativieren (das doch nur ein stures Negieren der von ihm zum bloßen Mythos umgelogenen Aufklärung ist) vor, welches – alles in allem - darin gipfelt, marktschreierisch zu postulieren: "Wir im Westen sind alleinschuldig (des Kolonialismus, des Kulturimperialismus, der Naturzerstörung, pp.) - und die sich auf die Aufklärung berufenden ex-Muslime sind deshalb alle nur doof oder fies; also verachtet bitte uns Alle und diese ex-Muslime da, denn wir tun es ja auch; wir Alle sind ja als dekadente Westler so Scheiße – bitte haut uns deshalb eine 'rein!".

Und noch etwas:
Dass diese "halbe" bürgerliche Aufklärung sich immer noch nicht zu einer "ganzen" klassenlosen oder menschheitlichen Aufklärung weiter entwickeln konnte, das ist v.a die historische Schuld der Linken seit 1917 (Stalinismus & Archipel Gulag, usw.).
Hier ist noch viel zu tun, um den "aufrechten Gang des Menschen" zu verwirklichen.

... keine Ahnung, wem Sie antworten, mir nicht ...

denn Ihre "Interpretation" geht weit – sehr weit – über das hinaus, was ich oben gesagt habe.

Thomas Göring (nicht überprüft)

Do. 29 Dez 2016 - 17:25

Antwort auf von Andreas (nicht überprüft)

Ob Sie sich nun von meiner Antwort angesprochen meinen oder nicht:
Sie haben bestimmte Dinge aus Ihrer Sicht zum Ausdruck gebracht, zu denen ich eine deutliche Erwiderung aus meiner Sicht für geboten hielt.
Dass meine Antwort an Sie weit ausführlicher wurde als Ihre vergleichsweise kurzen Verbalattacken, ergab sich für mich aus der Natur der Sache.

Wenn Sie ex-muslimischen Islamkritikern knapp einwurfsweise ein "pauschales" "Plattmachen des Islam" unterstellen, die bürgerliche Aufklärung mal so eben zum bloßen "Mythos" degradieren u.Dgl., dann muss ich davon ausgehen, dass Sie das auch so meinen, wie Sie es geschrieben haben (warum sonst sollten Sie es schreiben?).
Wenn meine Antwort darauf für Sie eine Über-"Interpretation" Ihrer Meinung ist, dann verstehe ich nicht, was genau Sie den Lesern mitteilen wollten.

Andreas (nicht überprüft)

Fr. 30 Dez 2016 - 11:32

Antwort auf von Thomas Göring (nicht überprüft)

... ich habe einige für mich offene Fragen gestellt, die wichtigste: "Mythos Aufklärung"?

Wenn ich selber darauf eine – gute – Antwort hätte, würde ich dazu bei hpd einen Artikel schreiben, bin hier Autor. Sie können natürlich fortfahren, mir irgendetwas in den Mund zu legen ...

... weshalb sollte ich Letzteres? Ich habe gesagt, was ich für angebracht hielt; um etwas anderes ging & geht es mir nicht. Und damit halte ich diese Auseinandersetzung hiermit für beendet.

Karl (nicht überprüft)

Di. 13 Dez 2016 - 15:40

Wer sind denn eigentlich "jene regressive Linke", die da immer wieder erwähnt werden?

Gibt's da ein paar Beispiele?

Ein prominentes Beispiel wäre Judith Butler, die die Hamas verteidigt hat und die Burka als "Übung in Bescheidenheit und Stolz" gutheißt. Oder Oskar Lafontaine ("Schnittmengen zwischen Islam und linker Politik").

Thomas Göring (nicht überprüft)

Fr. 16 Dez 2016 - 16:52

Antwort auf von Karl (nicht überprüft)

Da hätte ich auch noch ein paar Infos für sie. Schauen Sie mal in folgende Links:

a) http://www.tichyseinblick.de/kolumnen/spahns-spitzwege/der-faktencheck-zum-faktencheck-die-spd-wird-zur-scharia-partei/ (SPD & Islam)
b1) http://www.taz.de/!5317219/ (muslimischer Islamkritiker)
b2) http://www.taz.de/Linke-und-die-Debatte-um-den-Islam/!5322474/ (prompte linke Retourkutsche: beleglose
Abfertigung des muslimischen Islamkritikers als fachlich unqualifiziert)
b3) https://de.wikipedia.org/wiki/Abdel-Hakim_Ourghi (zum Schluss dieses Wikipedia-Artikels die beleglose
Abfertigung des muslimischen Islamkritikers als zwielichtig)
b4) https://wurfbude.wordpress.com/2015/02/21/unterstutzung-fur-pegida-und-nazis-theoretiker-eines-angeblichen-islamfaschismus-in-frankfurt/ (Abstempelung aller Islamkritiker per se als Rassisten & Nazi-Verharmloser)
b5) http://hpd.de/artikel/linksjugend-bezeichnet-iranische-religionskritikerin-rassistin-13815 (dto.)
c1) http://hpd.de/artikel/11308 (Linke & Islamkritik)
c2) http://www.faz.net/aktuell/politik/die-gegenwart/linke-verweigern-diskussion-ueber-islam-und-gewalt-13377388.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2 (Linke & Islamkritik)
c3) http://www.citizentimes.eu/2015/06/24/kritik-der-islamkritik-abschied-diskurs/ (Linke & Islamkritik)

Danke für die vielen lesenswerten Links.

Ich finde es nur erstaunlich, dass einige Leute die "SPD" immer noch irgendwie zu den Linken zählt. Die heutige "SPD" ist weder "sozial" noch "demokratisch" noch irgendwie links. Faktisch ist sie als reaktionäre neoliberale Partei nur noch eine Art Unterabteilung der CDU -- ähnlich wie auch die Grünen. Aber es gibt ja tatsächlich auch Menschen, welche die heutige CDU als "links" bezeichnen.

Ilse Ermen (nicht überprüft)

Di. 13 Dez 2016 - 16:21

Ein schöner, einfacher, klarer und deutlicher Kommentar!

Helmut Laun (nicht überprüft)

Di. 13 Dez 2016 - 21:51

Genauso schlimm ist es die "Linken" in diesem Zusammenhang alle in einen Topf zu wefen. Dann müssen Quellen und Personen genannt werden, sonst kann nicht mit
denen diskutiert werden die sich angeblich falsch verhalten.
Keine Pauschalurteile auch bei den "LINKEN".

Thomas Göring (nicht überprüft)

Mi. 14 Dez 2016 - 15:18

Antwort auf von Helmut Laun (nicht überprüft)

Ich meinte einleitend natürlich "Kennen Sie denn" und nicht "Kennen Sie den" (soweit zur Rechtschreibung) :-)

Aber genau das tut der Autor ja nicht. Er spricht ausdrücklich von "regressiven Linken" - also solchen Linken, die so sehr in die Verteidigung kultureller Identität vernarrt sind, dass sie letztlich zu Komplizen reaktionärer Positionen werden.

Klar. Aber solch' ein Pauschalisierungs-Vorwurf (also solch ein Argumentetotschlag-Knüppel) ist immerhin ganz praktisch, um unliebsame Themen schnell wieder vom Tisch zu bekommen, ohne sich inhaltlich jemals mit ihnen genauer befassen zu müssen.
Ich kenne diesen Trick als Mittel der Reflektions-Verweigerung ganz besonders zum Thema "Islam" sattsam aus meinem zumeist links(bürgerlich)en & grünen Umfeld.
(Beliebt ist dabei auch die ständige Variierung & Wiederholung dieses Vorwurfs, falls das unliebsame Thema nicht sogleich wieder vom Tisch fort ist.) - Und ein dänischer Bekannter von mir schwafelt hierzu seit wohl 4 Jahren ständig von den in Europa lebenden Muslimen als den "demnächst verfolgt werdenden neuen Juden",
und bei jedem neuen islamistischen Terroranschlag fällt ihm als Erstes & Einziges nur dies ein: "Das hat mit dem Islam nichts zu tun!" (Spontanes Mitgefühl mit den Opfern solcher Gewaltverbrechen aber habe ich dabei von diesem - zudem auch noch gerne seine christliche Religiosität preisenden - Menschen nie vernommen.) -
Es ist schon erstaunlich, zu welchen Verleugnungstechniken die Leute greifen, um ihre persönliche "Heile Welt" zu retten.

Thomas Göring (nicht überprüft)

Fr. 23 Dez 2016 - 15:30

Antwort auf von Helmut Laun (nicht überprüft)

siehe dazu übrigens auch meine Antwort an Leser Karl vom 16. Dez.; dort dürften Sie sicher genügend Anhaltspunkte finden.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Mi. 14 Dez 2016 - 00:31

Ja, so geht Kritik; nur langsam - das dauert.

Martin Mair (nicht überprüft)

Mi. 14 Dez 2016 - 17:56

Antwort auf von Hans Trutnau (nicht überprüft)

Wir leben aber in einer Zeit des neoliberal beschleunigten Kapitalismus ... da wird uns noch so einiges um die Ohren fliegen ...

Frank Linnhoff (nicht überprüft)

Mi. 14 Dez 2016 - 09:44

Den "regressiven Linken" oder "westlichen Liberalen" kann man durchaus gute Absichten zugute halten, scheint doch ihre größte Angst zu sein, dass sie als Rassisten gelten könnten. Lenin hatte solch Menschen auf zynische Weise als "nützliche Idioten" bezeichnet. Man kann nur hoffen, dass möglichst viele dieser oft jungen Menschen aus diesem Zustand herauswachsen.

Die Frage ist leider bloß: Was genau kann diesen nützlichen Idioten zum Erkennen der Realität verhelfen? Was muss dazu alles denn noch geschehen?

Quartz (nicht überprüft)

Mi. 14 Dez 2016 - 12:00

Guten Tag Herr Kacem El Ghazzali,
Danke für die Wahrheit und Klarheit! Ich bin froh, dass es " Aufklärer" wie sie noch gibt. Leider finde ich in unserem Lande kaum noch Menschen , die sagen was sie denken . Die meisten aufgrund unserer Vergangenheit: Das Naziregime schwebt immer noch wie ein Damoklesschwert über Deutschland .Viele bemühen sich" politisch korrekt " zu sein. Dafür werden sogar neue Vokabel für uralte Begriffe gesucht .Dieses
"Treiben " wird meiner Meinung nach "übertrieben" und ist nur lächerlich !Sie werden so ein Phänomen auch in keinem anderen Land finden . Jetzt hat die Flüchtlingskrise die Geister gespalten . In das Lager der Rechtspopulisten ,die die Ängste und Befürchtungen der Menschen benutzen und damit wieder einem "NaziDeutschland " entgegengehen . Genau das , was vor der Krise unvorstellbar erschien.Das Linke Lager das genauso reagiert ,wie sie es sehr präzise in Ihrem Artikel schildern. Dann gibt es "Gott sei Dank " ;-) noch Freidenker , die versuchen, wie sie auch , aufzuklären. Hier in Deutschland wird Ihnen schnell nachgesagt sie litten an "Islamophobie " .
Das ist pauschal von mir gedacht natürlich und grob vereinfacht .Ich bliebe gerne tolerant . Aber meine Toleranz hört da auf , wo unser Grundgesetzt missachtet wird oder eingeschränkt werden soll. Alles wofür Menschen , vor nicht all zu langer Zeit ,denke man an die Gleichberechtigung der Frauen, gekämpft haben .
Die Schizophrenie des Ganzen wird einem bewusst, wenn ich an unsere ausländischen
Mitbürger denke ,die schon seit ihrer Geburt , jahrelang oder zu uns flüchten vor Krieg, Diskriminierung, vor Unterdrückung,vor Ungerechtigkeit und "Rechtlosigkeit" . Diese Menschen sind gerade wegen unserer "Aufklärung": Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gekommen. Was müssen sie denken , in Anbetracht unsere Lage ???
Vielleicht wenn wir mal versuchen mit deren Augen auf Europa zu schauen ,gehen sie uns auf ?! Ich wünsche es mir für 2017 .Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Ihre C. Quartz

David Z (nicht überprüft)

Fr. 23 Dez 2016 - 16:25

Antwort auf von Quartz (nicht überprüft)

" In das Lager der Rechtspopulisten ,die die Ängste und Befürchtungen der Menschen benutzen und damit wieder einem "NaziDeutschland " entgegengehen . "

Ich bitte Sie, was soll das? Die sog. "Rechtspopulisten" wollen zunächst einmal nichts banaleres als eine klare Grenzsicherung und geregelte oder meinetwegen auch ausgesetzte Migration. Kurzum: Die Rückkehr des Rechtsstaats. Dieses staatliche Selbstverständnis war seit Jahrhunderten völlig normaler Konsens - und ist nun "Nazi"???

Möglicherweise haben Sie das ja nicht so gemeint. Aber diese ständigen Nazivergleiche und die krank- und wahnhafte Angst vor "den Rechten", während in Europa und inzwischen auch in D Religionsfaschisten regelmäßig blutige Anschläge ausführen, ist wirklich grotesk.

angelika richter (nicht überprüft)

Fr. 16 Dez 2016 - 09:25

"Es ist völlig klar, dass der Islam Aufklärung benötigt."

So klar ist das nicht.
In der sunnitischen Familie meines Mannes leben viele Leute sehr selbstbewusst einen fundamentalistischen Islam und sind damit zufrieden und glücklich.

Frau Richter, Sie liefern gerade den Beweis ,dass der Islam Aufklärung benötigt jedenfalls in den Ländern,also hier, die ein Lebensmodell haben, welches auch einen Platz an der Sonne hat für jene Individuen die sich nicht in einem System Familie eingenistet haben. Ein solches ist aber nach muslimischer Auffassung nicht schützenswert. Es ist gerade eine Errungenschaft der Aufklärung, die reale Welt jenseits des Systems Familie und des Gottesglaubens ins Zentrum zu rücken. Es ist natürlich die aktuellste Frage überhaupt inwieweit wir unser Modell in einer stetig zusammenwachsenden Welt anderen abringen können, (ich bezweifele stark dass die meisten Menschen in sunnitischen Gesellschaften so glücklich sind wie Sie es hier darstellen), aber wenn er mit unseren Werten vereinbar sein soll, wovon einige der hier lebenden Muslime uns ja immer wieder zu überzeugen versuchen, (und das ist der Beweis dafür dass unsere Werte ja so schlecht nicht sein können)dann ist Aufklärung dringend vonnöten.

angelika richter (nicht überprüft)

Mi. 21 Dez 2016 - 12:11

Antwort auf von Sabina Pistone… (nicht überprüft)

"Es ist natürlich die aktuellste Frage überhaupt inwieweit wir unser Modell in einer stetig zusammenwachsenden Welt anderen abringen können, (ich bezweifele stark dass die meisten Menschen in sunnitischen Gesellschaften so glücklich sind wie Sie es hier darstellen),..."

Ich denke, Sie unterschätzen die Anpassungfähigkeit der menschlichen Psyche.
Menschen können über ein sehr breites Spektrum unterschiedlichster kultureller Lebensbewältigung bzw Glaubens- und Gesellschaftssysteme zufrieden und glücklich sein.
Auch ganz ohne Aufklärung.

David Z (nicht überprüft)

Fr. 23 Dez 2016 - 16:37

Antwort auf von angelika richter (nicht überprüft)

Das nennt sich dann Selbsttäuschung.

Klar, als Individuum kann man damit sicher happy sein. Vielleicht auch noch in einem Kollektiv, das die gleiche Selbsttäuschung teilt. Ob Selbsttäuschung langfristig jedoch nicht doch eher destruktiv ist, sollte man zumindest in Betracht ziehen.

In einer pluralistischen Gemeinschaft ist die bequeme Selbsttäuschung hingegen aufgrund der regelmäßigen Kollision mit anderen Weltsichten definitiv ein Problem. Der einzige gleiche Nenner hier ist die Vernunft. Und die zu definieren ist schwierig genug, da brauchen wir nicht noch Scheinwelten wie die der Religion.

Thomas Göring (nicht überprüft)

Fr. 23 Dez 2016 - 18:46

Antwort auf von angelika richter (nicht überprüft)

Ihren Gedanken betr. die Anpassungsfähigkeit der menschl. Psyche aufgreifend denke ich jetzt mal laut (bzw. schriftlich :-) ):

Eben deshalb halten sich solche scheußlichen Systeme & Verhältnisse ja häufig auch so ewig lange, statt (wie es sich "eigentlich" gehören würde) rasch & unwiderruflich in sich zusammenzukrachen. Und deshalb hat sich auch noch nirgendwo ein stabiles Reich der Freiheit dauerhaft etablieren können; sondern überall existieren nur Reiche des (politischen & geistigen) Zwangs und der (ökonomischen) Notwendigkeit (v.a. Profitwirtschaft), die Leben & Arbeitskraft der Individuen für den Systemerhalt konsumieren.
Ursache des Sich-Glücklich-Meinens im Zwangssystem dürfte wohl die - mit einem ideologisch & sozial entsprechend konditionierten Bewusstsein verbundene - Fähigkeit der Menschen zum Leid-Ertragen bzw. zum Sich-Anpassen an sowie Sich-Hineinschicken in (aus unserer Sicht) schlicht Unerträgliches sein. Diese Fähigkeit hat einen doppelten Charakter: einerseits das Durchhalten, andererseits das Hinnehmen. (Ganz nebenbei bemerkt sind umgekehrt "wir Westler" für diese "glücklichen Sunniten" wohl die heillos verdorbenen Bewohner eines von "Dekadenz & Sünde" nur so berstenden "Sodom & Gomorrha", das diese Mohammedaner aber trotzdem allzu gerne als neugierige Touristen bereisen. - Und wer bei den "glücklichen" Sunniten und Schiiten nicht im einzig richtigen Glauben verbleibt, sondern daraus ausschert, den erwarten öffentliche Auspeitschung oder Todesstrafe; da ist das "Glück" dann eben leider zu Ende.) - Dieses glückliche Verharren in Zwangssystemen dürfte ein wichtiges sozialpsychologisches Thema sein, wobei man vielleicht auch einmal näher auf Wilhelm Reichs und Erich Fromms Arbeiten dazu zurückkommen könnte/sollte.

helmut-wk (nicht überprüft)

So. 18 Dez 2016 - 18:22

Die Aufklärung hatte in Europa vor allem deshalb Erfolg, weil sie an entsprechende Aspekte der christlich-jüdischen Tradition anknüpfen konnte.

Schon immer haben Einzelne (bekanntes Beispiel: Franziskus von Assisi) darauf hingewiesen, dass die Lehre Jesu tolerant und gewaltfrei ist. die um 1634 entstandene Kirche der Baptisten hat von Anfang an die Religionsfreiheit im Programm gehabt - es waren christliche Aktivisten (Baptisten und Quäker) in Amerika, die diese auch in "ihren" Kolonien praktizierten und schließlich auch als ersten Verfassungszusatz in den USA durchsetzten. Auch beim Verbot des internationalen Sklavenhandels waren es christliche Aktivisten (Methodisten in GB, v.a. Wilberforce), die die Sache vorantrieben, während Humanisten da ein anderes Bild boten.

Die Aufklärung hat dann diese Impulse übernommen und in Europa gegen die etablierten Kirchen durchgesetzt.

Im Islam sieht das anders aus. Das hängt damit zusammen, dass die friedlichen Stellen vorwiegend in den älteren mekkanischen Suren stehen und somit nach traditioneller Auslegung durch die später offenbarten, oft gewalttätigen, Verse in medinensischen Suren abrogiert werden. In der Bibel ist es umgekehrt: da ist traditionell das friedliche Neue Testament der Schlüssel, um das Alte Testament auszulegen bzw. zu bewerten.

Vereinfacht gesagt: Während die Aufklärung in Europa sich, was Humanität betrifft, auch an die christlich-jüdische Tradition anknüpfen konnte, muss sie im Islam gegen die Tradition kämpfen. Und deshalb hat sie es im Islam schwerer als in Europa.

Sabina Pistone… (nicht überprüft)

Mi. 28 Dez 2016 - 23:01

Antwort auf von helmut-wk (nicht überprüft)

Interessanter Aspekt,den Sie da ansprechen. Ich sage immer Jesus ist mit Aufklärung und Menschenrechten am kompatibelsten gewesen.

Kacem El Ghazzali

Der Autor ist einer der wenigen Marokkaner, die ihren Atheismus öffentlich vertreten. Er lebt deswegen seit 2011 als Flüchtling in der Schweiz. Der Schriftsteller ist Vertreter der International Humanist and Ethical Union am UNO-Menschenrechtsrat in Genf sowie Ko-Direktor der Raif Badawi Foundation for Freedom.

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