Auf dem Landesparteitag der Linken in Niedersachsen Mitte März wurde mit Antrag A01 ein Beschluss gefasst, der den "heute real existierenden Zionismus" scharf angreift. Die zugespitzte Sprache des Antrags löste innerhalb der Partei umgehend Widerspruch aus und führte zu einer deutlichen Distanzierung, die den Beschluss als Angriff auf jüdisches Selbstbestimmungsrecht kritisierte. Auch öffentlich entbrannte eine kontroverse Debatte über Inhalt, Begrifflichkeiten und mögliche antisemitische Implikationen des Antrags.
Kürzlich zeigte der ZDF-Kinderkanal zwei Beiträge mit deutlich auseinandergehendem Spin: Der muslimische Fastenmonat wurde positiv dargestellt, die Geschichte der Kirche hingegen kritisch. Religionskritik, auch für Kinder, sollte ausgewogen sein und sich an der heutigen Relevanz orientieren.
Der AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider erklärt in einem Blogbeitrag, nur eine "deutsche Orthodoxie" könne Deutschland vor moralischem und geistigem Verfall retten. In einem wirren Text attackiert er die "Ehe für alle", das Gendern und einen christlichen Universalismus. Als Gegenmodell verklärt er die orthodoxen Kirchen in Abgrenzung zur westlichen Christenheit und offenbart dabei ein rückwärtsgewandtes Gesellschaftsbild.
Der Tod Khameneis markiert das Ende einer Ära der Grausamkeit. Ob er auch einen demokratischen Aufbruch einleitet, ist noch ungewiss. Entscheidend wird sein, ob es der Opposition gelingt, mutig in die Zukunft zu blicken, statt eine nostalgisch verklärte Vergangenheit wiederbeleben zu wollen. Ein Kommentar von Mina Ahadi.
Papst Leo XIV. hat den "Zerstörer des Friedens" identifiziert. Gemeint ist nicht Wladimir Putin, nicht das Leid in Gaza, Syrien oder im Iran – sondern der Schwangerschaftsabbruch. Mit drastischer Sprache greift das Oberhaupt der katholischen Kirche erneut ein Thema auf, das für ihn offenbar höher rangiert als reale Kriege, autoritäre Gewalt und millionenfaches menschliches Elend.
Artikel 261 des schweizerischen Strafgesetzbuches erklärt das Verspotten oder Beschimpfen religiöser Überzeugungen zum Delikt. Er kommt bis heute zur Anwendung, wie jüngst ein Prozess gegen eine Zürcher Politikerin zeigte.
Die "Kommission zur Reform des Sozialsystems" hat in bemerkenswert kurzer Zeit einen umfangreichen Maßnahmenkatalog vorgelegt: Zusammenlegungen, Schnittstellen, Portale, Pauschalen. Viel Technik, viel Verwaltung – aber etwas Grundlegendes fehlt. Ein Kommentar.
Im Netz sorgt ein neues Meme für Aufsehen: Amelia, eine KI-generierte Figur aus einem britischen Präventionsspiel, tätigt in Videos und Bildern menschenfeindliche Aussagen. Ursprünglich sollte das interaktive Lernspiel Jugendliche vor Radikalisierung schützen, doch die Figur wurde schnell zum Symbol staatlicher Übergriffigkeit und schließlich zum Vehikel für politische Ressentiments. Der Fall zeigt, wie schnell gut gemeinte Präventionsmaßnahmen durch Kommunikationsfehler ins Gegenteil umschlagen können.
Die politische Kultur in Deutschland verändert sich. Nicht durch offensichtliche Verfassungsbrüche, sondern durch etwas viel Unspektakuläreres – und Gefährlicheres: eine zunehmende Verfassungsferne im politischen Denken. Entscheidungen und Forderungen werden mit großer Entschlossenheit vorgetragen, aber ohne jene verfassungsrechtliche Selbstbindung, die den demokratischen Rechtsstaat ausmacht.
Nach Schleswig-Holstein nun das Saarland: Ein interreligiöses Bündnis drängt auf einen Gottesbezug in der Landesverfassung und sieht darin Identität und Werteprofil gestärkt. Aus säkularer Sicht ist der Vorstoß hingegen als politisches Signal mit Sprengkraft und als möglicher Angriff auf die weltanschauliche Neutralität des Staates zu werten.
Wenn steigende Krankentage wieder einmal als Beleg für mangelnde Leistungsbereitschaft herhalten müssen und daraus eine Korrekturbedürftigkeit der Sozialgesetzgebung abgeleitet wird, ist die Debatte so alt wie unerquicklich. Neu ist lediglich die Selbstsicherheit, mit der altbekannte Denkfehler als wirtschaftspolitische Einsichten präsentiert werden. Friedrich Merz liefert dafür derzeit ein besonders plakatives Beispiel.
Die CSU hatte sich in der vergangenen Woche hinter den dicken Mauern von Kloster Banz versammelt – und während draußen Lehrkräfte fehlen, Schulgebäude bröckeln und Jugendliche ohne Abschluss durchs Raster fallen, setzte die Partei ein ganz anderes Thema auf die Agenda: Markus Söder will eine Hymnenpflicht an bayerischen Schulen einführen. Man fragt sich unwillkürlich: Hat der Freistaat wirklich keine dringlicheren Sorgen?
Während Israel mit massiver Kritik überzogen wird, schweigen viele zu den im Iran auszumachenden Menschenrechtsverletzungen. Diese Doppelstandards sprechen nicht für die Glaubwürdigkeit von linken Protestbewegungen. Ein Kommentar.
Es gibt Metaphern, die überzeichnen. Und es gibt solche, die beunruhigend exakt sind. Donald Trump und Wladimir Putin als Piraten gehört zur zweiten Kategorie. Zwei Machtpolitiker, die Recht nicht als Grenze, sondern als Werkzeug begreifen, die Staaten wie Beute behandeln und Menschenrechte nur dann erwähnen, wenn sie dem eigenen Vorteil dienen. Die Ereignisse der letzten Tage, insbesondere der US-Militärangriff auf Venezuela und die gewaltsame Abführung von Nicolás Maduro, machen diese Logik brutal sichtbar.
Für den Garnisonkirchenturm in Potsdam gab es weder einen Bedarf, noch ist das Betriebskonzept der kirchlichen Stiftung Garnisonkirche wirtschaftlich tragfähig. Auch historisch gesehen ist der Turm ein problematisches Symbol. Dennoch wird er wiedererrichtet. Doch bei einer weiteren Finanzierung ist sogar die öffentliche Hand zurückhaltend.