Christlicher Protest gegen den „Zwieblinger Teufel“ in Esslingen

Eine Skulptur, die auf Grundlage einer alten Sage geschaffen wurde, sorgt in Esslingen für Aufregung. Kaum war der „Zwieblinger Teufel“ auf dem Rathausplatz enthüllt, forderten christliche Kritiker seine Entfernung. Manche sehen in der goldenen Figur gar ein Symbol des Bösen, das aus dem öffentlichen Raum verbannt werden müsse.

Enthüllung der Statue
Die feierliche Enthüllung der Statue des „Zwieblinger Teufels“ von Tim Bengel

Die Sektkellerei Kessler hatte den Künstler Tim Bengel beauftragt, zum 1.250-jährigen Stadtjubiläum eine Skulptur zu entwerfen, die die Sage vom „Zwieblinger Teufel“ aufgreift und neu interpretiert. Die Geschichte handelt von einer klugen und mutigen Marktfrau, die den Teufel entlarvte, als er sich unter die Marktbesucher mischte. Er begehrte einen der roten Äpfel – doch die Frau ließ sich nicht täuschen. Ihr Blick fiel auf seinen Pferdefuß, und statt des Apfels reichte sie ihm eine Zwiebel. Der Teufel war überlistet, die Frau hatte ihn gestellt.

Die Skulptur des Anstoßes
Die Skulptur des Anstoßes: Der „Zwieblinger Teufel“ von Tim Bengel

So weit, so gut, könnte man denken – gäbe es da nicht einige Christen in der Neckarstadt, die heftig gegen die Teufelsstatue protestieren. Es wurde sogar eine Kampagne bei openPetition gestartet und gefordert, den Teufel vom Rathausplatz zu entfernen. Stattdessen soll eine neue Statue aufgestellt werden, die allein die Marktfrau als Heldin in den Mittelpunkt rückt. Zur Begründung verweisen die Initiatoren auf die christliche Prägung Deutschlands. In einem Stadtzentrum mit Weihnachtsmarkt, Familien und Kindern sende die Teufelsfigur Signale, „die viele Esslinger nicht mit ihrer Identität verbinden können“.

Der Teufel ist real

Besonders aufschlussreich sind die Kommentare auf der Petitionsplattform. Eine Kommentatorin warnt explizit davor, „dem Bösen Raum zu geben und die Finsternis zu verharmlosen“. Eine andere sieht in dem Kunstwerk „einen geistigen Tiefpunkt“: „Es tut im Herzen weh zu sehen, wie tief unsere Welt gesunken ist. In Zeiten von Krieg, Leid und Orientierungslosigkeit bräuchten wir Hoffnung, Glaube und Symbole des Lichts. Stattdessen stellen wir mitten auf den Rathausplatz eine Statue des Teufels?“ Eine weitere Kommentatorin lässt keinen Zweifel daran, dass sie die Sage für eine Beschreibung der Wirklichkeit hält: „Der Teufel ist nicht irgendeine Märchenfigur. Er ist real. Auch 2026 versucht er Menschen zu täuschen und ins Verderben zu führen.“

Publikum Esslingen
Zur Enthüllung auf dem Marktplatz waren viele Esslinger gekommen

Und so geht es munter weiter. Inzwischen finden sich auf der Petitionsseite weit über 2.000 Kommentare, während die Zahl der Unterschriften bei rund 5.500 liegt. Ein erheblicher Teil der Kommentierenden kommt offenbar gar nicht aus Esslingen, sondern aus Stuttgart und sogar aus anderen Bundesländern. Die Debatte reicht damit weit über die Stadt hinaus. Das zeigt, wie sehr dieses Thema die Christen landauf, landab triggert. Argumentiert wird mit der Angst vor „satanischer Symbolik“.

Die Volksseele in Esslingen ist so aufgewühlt, dass es in der Nacht auf den 10. Oktober sogar zu einer Farbattacke gegen die Bronzefigur „Zwieblinger Teufel“ kam. In Sozialen Medien wurden zudem Beleidigungen, Aufrufe zur Sachbeschädigung und Morddrohungen geäußert, die zur Anzeige gebracht wurden. Wie weit die christliche Empörung über eine Kunstfigur gehen kann, zeigt sich damit auf beklemmende Weise.

Kommentare (9)

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Carsten Ramsel (nicht überprüft)

Mo. 19 Okt 2026 - 12:34

5.500 Unterschriften und 2.000 Kommentare sind kein Beleg dafür, dass diese Figur ungefähr 40Mio. Christen in Deutschland triggert. Es klingt eher danach, dass sich mal wieder ein paar Evangelikale aufregen und wichtig machen wollen, und Ralf Nestmeyer spielt mit.

Wenn Sie es zusammenlesen, also mit
"... Ein erheblicher Teil der Kommentierenden kommt offenbar gar nicht aus Esslingen, sondern aus Stuttgart und sogar aus anderen Bundesländern. Die Debatte reicht damit weit über die Stadt hinaus. Das zeigt ..."
wird nicht die Zahl zum Beleg, sondern das "sogar aus anderen Bundesländern" für "landauf, landab"

Danke, für die Lesehilfe. Der ganze Satz lautet: "Das zeigt, wie sehr dieses Thema DIE CHRISTEN (Hervorhebung von mir) landauf, landab triggert."

Ein paar Evangelikale, die es triggert, freuen sich, wenn sie als DIE CHRISTEN wahrgenommen werden, gilt mutatis mutandis auch für andere Fundamentalisten.

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Mo. 19 Okt 2026 - 12:56

Das wirklich Böse kommt aus den Kirchen und betrügt und veräppelt die einfältigen Menschen, dies gilt für ALLE Religionen weltweit, alles erfunden und erlogen zum Wohle
der Göttererfinder, wird die Menschheit je aufwachen aus diesem Alptraum?
Merkt ihr denn nicht, daß Religion ständig die Menschheit spaltet und dadurch Kriege erzeugt, eine Religionslose Menschheit wäre ein vernünftige Menschheit, aber das wird vermutlich noch viele Jahrhunderte und viele Kriege lang dauern.

Udö Endruscheit (nicht überprüft)

Mo. 19 Okt 2026 - 13:27

Ich verstehe diese christlichen Protestierer nicht. Was könnte mehr die christliche Prägung eines Landstriches zum Ausdruck bringen, als eine Statue des Teufels, der ja originär eine christliche Hervorbringung ist? Anders gesagt: was wäre das Christentum ohne den Teufel?

Peter Fischer (nicht überprüft)

Mo. 19 Okt 2026 - 15:24

Antwort auf von Udö Endruscheit (nicht überprüft)

@ Udö Endruscheit (das ö war da, muss der Fehler-Teufel gewesen sein)

ganz ruhig bleiben ...
der evangelische Dekan Klaus-Peter Lüdke (mit Regenbogen-Anstecker) im Beitrag des SWR bleibt auf jeden Fall sehr cool: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/esslingen-zwieblinger-teufel-statue-tim-bengel-marktfrau-saga-100.html ab ca. 2.00 Minuten: "... wir fürchten uns nicht vor dem Teufel, wir wissen ja: Jesus Christus hat das Böse besiegt ..."

Evil Ernie (nicht überprüft)

Mo. 19 Okt 2026 - 15:48

"Randalierende Christenhooligans" packen wieder mal ihre Mistgabeln und Fackeln aus.
Unfähig aus der Vergangenheit und den eigenen Fehlern zu lernen.
Einfach nur zum Fremdschämen.

Evil Ernie (nicht überprüft)

Di. 20 Okt 2026 - 10:33

Antwort auf von Evil Ernie (nicht überprüft)

Inzwischen gibt es wohl auch einen Mordaufruf gegen den Bürgermeister.
Das muss diese vielzitierte Nächstenliebe sein. Da fragt man sich, wer sind hier die wahren Teufel:

https://www.gmx.net/magazine/panorama/aus-aller-welt/deutschland/stadt-trifft-entscheidung-teufel-statue-mordaufruf-buergermeister-42853950

Thorsten Happel (nicht überprüft)

Di. 20 Okt 2026 - 01:25

Interessant, die Kunst- und Meinungsfreiheit einschränken wollen wegen einer völlig harmlosen Statue. Aber den wirklich Bösen in den eigenen Kirchenreihen, die über Jahrzehnte Schutzbefohlene aufs schwerste sexuell misshandelt und Leben zerstört haben, die werden unter den Teppich gekehrt und die Opfer durch verschleppen und aussitzen ein weiteres Mal verhöhnt. Genau mein Humor.

Ihr sogenannten "Christen", kümmert euch um euren eigenen Dreck und lasst die Kunst in Ruhe.

Ralf Nestmeyer

Der Autor ist Historiker und Schriftsteller (zu seiner Website geht es hier). Er hat zahlreiche Reiseführer, Sachbücher und Krimis geschrieben und gehört zu den Gründungsmitgliedern von PEN Berlin.

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