Rezension

Freidenker und Kultur in Deutschland

(hpd) Das am vergangenen Wochenende von Laizistinnen und Laizisten in der SPD ausgesandte „Roßdorfer Signal“ zielt darauf, „die 1919 stecken gebliebene Trennung von Staat und Religion zu vollenden.“ Passend zu diesem in letzter Zeit erneut häufiger geäußerten Ruf ist nun das Buch „Dissidenten“ wieder erschienen.

„Kampf bis in den Untergang“

(hpd) Der britische Historiker Ian Kershaw führt in seiner Arbeit die Fortsetzung des Zweiten Weltkriegs bis zur totalen Niederlage auf die Fernwirkung der Mentalitäten und Strukturen charismatischer Herrschaft zurück. Es handelt sich in Beschreibung und Deutung um eine ausgezeichnete Arbeit, die aufgrund ihrer analytischen Qualität ein neues Licht auf ein erstaunliches historisch-politisches Phänomen wirft.

„Danebrog gegen Hakenkreuz“

(hpd) Matthias Bath beschreibt in seinem Buch den Kampf gegen die Besatzung des Landes während des Zweiten Weltkriegs. Das überaus informative und gut lesbare Buch konzentriert sich dabei auf eine Beschreibung der Ereignisse und verzichtet dabei über weite Strecken auf Analysen und Bewertungen.

Evolution: Die 101 wichtigsten Fragen

(hpd) Unkenntnis über die Evolutionstheorie wird problematisch, sobald es etwa um weltanschauliche und politische Diskussionen zur Intelligenz und Migration geht, zu Aggressionen, Moral und Willensfreiheit, in denen auf die (vermeintliche) Biologie des Menschen zurückgegriffen wird. Der Evolutionshistoriker Thomas Junker hat daher zur Klärung des „Streitfalls Evolution“ einige grundlegende Fakten zusammengetragen.

Die Rote Armee Fraktion

(hpd) Der ehemalige Mitarbeiter der Bundesanwaltschaft Klaus Pflieger legt in seinem Buch „Die Rote Armee Fraktion“ eine Geschichte des Linksterrorismus in Deutschland vor. Sie bringt einen juristischen und staatlichen Blick auf das Phänomen, welcher anderen Darstellungen mitunter fehlt, aber auch nicht verabsolutiert werden sollte.

„Eine neue Geschichte der Menschheit“

(hpd) Der US-amerikanische Psychologe Steven Pinker legt eine Studie von über 1000 Seiten vor, worin die tendenzielle Abnahme der Gewalt im historischen Verlauf konstatiert und nach den Bedingungsfaktoren dafür gefragt wird. Es handelt sich um eine beeindruckende Arbeit, die eine Fülle unterschiedlichen Materials nutzt und ohne „Schönschreibung“ gegen weit verbreitete kulturpessimistische Deutungen der Geschichte der Menschheit anargumentiert.

„Die Zeit der Weltkriege 1914 – 1945“

(hpd) Der Historiker Heinrich August Winkler legt den zweiten Band seiner „Geschichte des Westens“ vor, worin auf über 1300 Seiten die seinerzeitige politische Entwicklung in Nordeuropa und Westeuropa beschrieben wird. Es handelt sich um ein beeindruckendes Werk der Geschichtsschreibung, das aber den „Schattenseiten“ westlicher Politik nicht genügend Aufmerksamkeit schenkt und dem die analytischen Ansätze bezüglich der westlichen Werte im Laufe der Darstellung etwas verloren gehen.

Eine Bilanz der Antisemitismusforschung

(hpd) Der Historiker Wolfgang Benz legt eine in sechs Aufsätzen enthaltene Gesamtbetrachtung zur Antisemitismusforschung vor. Insofern täuscht der Haupttitel „Antisemitismus und ‚Islamkritik‘“ über den tatsächlichen Inhalt hinweg, welcher unterschiedliche Aspekte dieses Wissenschaftsfeldes kenntnisreich, aber auch diskussionswürdig anspricht.

Auslaufmodell Menschenwürde?

(hpd) Der Historiker, Philosoph und Theologe Heiner Bielefeldt legt mit seinem Buch eine Stellungnahme zur Debatte um Menschenwürde im allgemeinen Sinne sowie bezogen auf Fallbeispiele vor. Sein Werk zeichnet sich durch den Verzicht auf ideologische und religiöse Begründungen zugunsten einer diskursethischen und rationalen Legitimation der Menschenwürde aus, welche die Individuen als Verantwortungssubjekte begreift.

„Herr oder Knecht?“ Israel und USA

(hpd) Der US-Soziologe James Petras spricht in seinem Buch von der angeblichen Dominanz einer „Israel-Lobby“ gegenüber der US-Regierung. Der Autor steigert sich in ein inhaltlich verzerrtes Bild vom Einfluss bestimmter Interessengruppen hinein, das mit nachvollziehbarer Kritik kaum noch etwas zu tun hat und stattdessen stereotype Auffassungen von verschwörerischem Agieren bedient.