Stimmen zum "Kopftuchurteil"

Im Deutschlandfunk hält Lale Akgün das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Kopftuch für "leider kein weises Urteil".

"Ich fürchte, die Richter haben ein Urteil gefällt, weil sie meinen, sie müssten nun auch auf den Zug aufspringen, dass der Islam zu Deutschland gehöre", sagt sie in dem Interview. Für sie ist es klar, dass das Kopftuch einst vom politischen Islam bewusst als Zeichen des Islam konstruiert worden sei. Die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete, die selbst dem muslimischen Glauben angehört, kritisiert: "Eine mit Kopftuch unterrichtende Lehrerin ist nicht mehr religionsneutral."

Das komplette Interview ist auf der Webseite des Deutschlandfunks nachzulesen und zu hören.

Auch im Magazin Stern weist Autor Andreas Hoidn-Borchers darauf hin, dass Glaube und Staat getrennt gehören und das Urteil des Bundesverfassungsgerichts dieser Trennung widerspricht.

Kommentare (3)

Klarsicht (nicht überprüft)

Mo. 16 Mär 2015 - 18:27

Siehe auch: „Vielleicht hat Houellebecq doch recht. Die Fiktion ,Unterwerfung' steht seit Wochen auf der Bestsellerliste. Deutsche Gerichte machen sie etwas wahrer.“
http://www.abendblatt.de/meinung/article205207953/Vielleicht-hat-Houellebecq-doch-recht.html

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Di. 17 Mär 2015 - 09:57

Dräuende Themen sollten nicht aufgehalten, sondern befördert und diskutiert werden; und die Themen religiöse Symbole, ob Kopftuch, Kippa oder Kreuz etc., scheinen dazu prädestiniert zu sein. Warum sollten Nonnenhütchen, Kreuz und Kippa erlaubt sein, Kopftuch aber nicht - wie es manchmal in hanebüchener Art konstruiert wird (Kopftuch = Unterdrückung; Nonnentracht = 'freiwilliges' historisches Symbol)? Viel wichtiger m.E. aber, warum sollte auch nur eines von diesen (häufig auch als restriktiv empfundenen) Symbolen in einem Staat ('öffentlich-staatlich') erlaubt sein, der sich angeschickt hatte (hatte!), dass es in ihm keine Staatskirche gäbe? In diesem Sinne verweise ich u.a. auf die hier erschienenen und bereits recht breit diskutierten Beiträge hpd.de/artikel/11315 und hpd.de/artikel/11418. Aber bestimmte Ansichten müssen offenbar bis zum Erbrechen widergekäut werden. [Frank, die zitierten Links sind, denke ich, keine HTML-Tags. Wieso sind solche Links eigentlich nicht erlaubt? Oder Links ja, Tags nein - oder umgekehrt? Bitte um Info per pm oder email]

Mutter (nicht überprüft)

Mi. 18 Mär 2015 - 08:50

Vermutlich wird man dieses Urteil auch im Zusammenhang mit der aktuellen Rechtsprechung zum Arbeitssonderrecht der Kirchen sehen müssen. Durch eine falsch verstandene Toleranz des Islam profitiert meiner Ansicht nach auch die katholische Kirche. Es hätte meinem Verständnis eines modernen Staates eher entsprochen, wenn Tätigkeiten für den Staat ausschließlich religionsneutral ausgeübt werden dürfen. Privat kann jeder glauben was er will. Dasselbe gilt natürlich auch für die Anwendung von Gesetzen, insbesondere des Arbeitsrechts.

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