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Irische Sozialdemokraten für vollständige Trennung von Staat und Kirche

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In Irland hat die katholische Kirche noch immer sehr viel Einfluss

Im irischen Parlament sprach sich gestern die Co-Vorsitzende der Sozialdemokraten Catherine Murphy für eine vollständige Trennung von Staat und Kirche aus. Die derzeit enge Verwebung zwischen beiden bezeichnete sie als "Relikte einer vergangenen Zeit".

Die offizielle Bestätigung eines Massengrabs auf dem Gelände des ehemaligen katholischen Mutter-Kind-Heims im westirischen Tuam hat am vergangenen Freitag das ganze Land in Schock versetzt. Erst seit wenigen Jahren wird in Irland die Geschichte katholischer Heimeinrichtungen einer genaueren Prüfung unterzogen. Die Ergebnisse zeugen von massiver psychischer und körperlicher Gewalt, die in diesen Heimen ausgeübt wurde, und sie zeigen eine deutlich erhöhte Sterblichkeitsrate bei Kindern in diesen Heimen. Auch auf einen regelrechten Handel mit unehelich geborenen Kindern und auf medizinische Versuche an minderjährigen Heiminsassen gibt es Hinweise.

Unter dem Eindruck des jüngsten, schockierenden Berichts der Mother and Baby Homes Commission of Investigation aus Tuam sprachen sich die Sozialdemokraten im Dáil, dem Unterhaus des irischen Parlaments, gestern für eine vollständige Trennung von Staat und Kirche aus.

Catherine Murphy, Parlamentsabgeordnete und Co-Vorsitzende der Sozialdemokraten, sagte:

"Es ist endgültig an der Zeit, die Notwendigkeit einer vollständigen Trennung von Kirche und Staat anzusprechen. Wir müssen die Kirche aus unseren Schulen, aus unseren Krankenhäusern, der medizinischen Versorgung und aus unserer Politik heraushalten. Es ist nicht hinnehmbar, dass Kinder in unserem Bildungssystem regelmäßig aufgrund ihrer Religion diskriminiert werden, es ist nicht hinnehmbar, dass religiöse Orden irgendeinen Einfluss auf medizinische Institutionen und die dort angebotene Gesundheitsversorgung haben – besonders für Frauen. Und es ist nicht hinnehmbar, dass das Dáil jeden Tag mit einem Gebet eröffnet wird, das nicht alle gewählten Abgeordneten oder Bürger repräsentiert. Und es ist auch nicht hinnehmbar, dass unser öffentlich-rechtlicher Sender, der vom Staat finanziert wird, Bürger jeden oder keinen Glaubens zweimal täglich dem Angelusläuten aussetzt."

Murphy erklärte, all das seien "Relikte einer vergangenen Zeit". "Wenn Tuam uns irgendetwas gelehrt hat", sagte sie, " dann, dass der Staat die Verantwortung für seine Bürger übernehmen muss und dass die Kirche keinerlei Legitimierung besitzt, im Bereich der Gesundheitsversorgung, der Bildung oder der Politik über unsere Bürger zu herrschen."

Dass die Forderung der Sozialdemokraten in Irland tatsächlich zu einer Trennung von Staat und Kirche führen wird, ist derzeit nicht zu erwarten. Die Sozialdemokraten – nicht zu verwechseln mit der sozialdemokratischen Labour Party – sind im irischen Parlament mit nur zwei Sitzen vertreten. Die größte Partei im irischen Parlament ist die konservative Fine Gael. Sie stellt derzeit eine Minderheitsregierung, gestützt durch die ebenfalls konservative Partei Fianna Fáil.


 

Kommentare (4)

Gustav (nicht überprüft)

Fr. 10 Mär 2017 - 13:14

die einzigen die die humanistische Idee weiterbringen können sind die Frauen. die Religionen wollen über sie herrschen und das wird den Frauen nun langsam klar. es ist wohl nun eine Idee deren zeit gekommen ist

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Fr. 10 Mär 2017 - 14:01

Zum Bild - da hätte vllt. ein einfaches INRI-Holzkreuz besser gepasst? Das abgebildete Keltenkreuz könnte evtl. die heidnischen Gefühle einiger Kelten verletzen? ;-)

Kay Krause (nicht überprüft)

So. 12 Mär 2017 - 07:11

Wie wäre es denn, wenn die EU-Kommision - anstatt sich mit der genormten Krümmung von Gurken zu beschäftigen - sich einmal dieses Themeas annehmen würde?
Nein, selbstverständlich nicht durch ein Dekret, durch welches mit sofortiger Wirkung die europaweite strikte Trennung von Staat und Kirche herbeigeführt wird (Trump läßt grüßen), sondern (z.B.) durch eine zu gründende Arbeitsgruppe, die mit Beiträgen in den Medien die Idee erst einmal allen europäischen Bürgern nahebringt, den Kirchen die staatlichen Mittel zu streichen und sie zukünftig aus den politischen Machtspielen herauszuhalten, den Klerus zu lehren, gefälligst die Verbreitung des Kirchenglaubens aus eigener Tasche sowie aus de Taschen der Mitglieder zu zahlen. Diese Arbeitsgruppe könnte z.B. eng mit europäischen Humanisten-Verbänden zusammenarbeiten, ähnlich wie jetzt auch die Staatsregierungen sowie die Europäische Kommission eng mit der Kirchenlobby zusammenarbeitet.
Selbst in bekanntermaßen katholisch geprägten Staaten wie Spanien, Italien und Polen schrumpfen die Zahlen der Kirchengläubigen stetig. Da auch viele Kirchenmitglieder mittlerweile die engen Verflechtungen zwischen Staaten und Kirchen kritisieren, kann mir vorstellen, dass mindestens 30 bis 40% der europäischen Bürger für die hier von mir vorgeschlagene Lösung plädieren.
Und außerdem: wäre eine von staatlicher Finanzierung befreite, unabhängige Kirche nicht eine viel ehrlichere Glaubensgemeinschaft ?!

Resnikschek Karin (nicht überprüft)

Fr. 17 Mär 2017 - 10:54

In Altenheimen von Diakonie oder Caritas (die der Staat mit unseren Steuergeldern ohne Ende bezuschusst) muss man als Nichtchrist Angst haben, christlich überwältigt zu werden. Besonders auf Dörfern, und überall, wo das Tabu um Religion gewaltig ist, weiss ich nicht, was "christlich(er Teamgeist)" heißt. Will man uns Kirchenfreien im Sterben noch Angst vor Tod und Hölle machen, und Leiden lassen, damit wir mores lernen? Alle Pflegekräfte sind christlich, uns läßt man nicht hinein. Das macht mir echt Angst. Gruß Karin Resnikschek

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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