Offener Brief an Marx fordert Reformen in der katholischen Kirche
Foto: Wolfgang Roucka – Erzbischöfliches Ordinariat München (CC BY-SA 3.0)
Neun Katholiken haben einen offenen Brief an den Münchner Kardinal verfasst, in dem sie "mutige Reformen" fordern. Das Schreiben findet Unterstützung bei katholischen Politikern und Laien. Ende Februar hat der Vatikan ein Krisentreffen zum Missbrauchsskandal anberaumt.
"Stellen Sie den Diözesanpriestern die Wahl ihrer Lebensform frei, damit der Zölibat wieder glaubwürdig auf das Himmelreich verweisen kann", heißt es unter anderem in dem Schriftstück an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, das von neun Personen unterzeichnet wurde und das die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in ihrer Sonntagsausgabe veröffentlichte. Darunter sind – für katholische Verhältnisse – progressive Geister wie der Rektor der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt, Ansgar Wucherpfennig, der nur wegen Protesten anderer Geistlicher noch im Amt ist. Eigentlich wollte die vatikanische Bildungskongregation ihm wegen zu fortschrittlicher Positionen eine weitere Amtszeit verweigern. Auch der Jesuit Klaus Mertes, ehemaliger Rektor des Canisius-Kollegs in Berlin, der seinerzeit Missbrauchsfälle an die Öffentlichkeit brachte, gehört zu den Unterstützern, Stadtdekan Johannes zu Eltz, ein Kritiker des früheren Limburger Bischofs Tebartz van Elst, hat ebenfalls unterschrieben.
Weitere Forderungen an Kardinal Marx sind, die "Überhöhungen des Weiheamtes" abzubauen und es für Frauen zu öffnen. Und: "Binden Sie sich selbst durch echte Gewaltenteilung – das passt besser zur Demut Christi und in den Rahmen der für alle geltenden Gesetze." Es klingt gar nach Existenzangst, wenn dort zu lesen ist: "Die aktiven Katholiken in Deutschland tragen in ihrer großen Mehrheit die vormoderne Ordnung der Kirche nicht mehr mit. Sie ertragen sie nur noch. Und jedes Jahr sind es Zigtausende, die die Last abwerfen und austreten." Dazu kommt der Wunsch nach einem "Neustart" in der Sexualmoral. Sexuelle Tabus blockierten "notwendige Klärungs- und Reifungsprozesse", während Menschen aus Risikogruppen angezogen würden. Auch eine "verständige und gerechte Bewertung von Homosexualität" sei nötig. "Schlagen Sie eine neue Seite auf, schreiben Sie '2019' darüber, und fangen Sie an", schreiben die katholischen Reformwilligen entschlossen an Marx.
Bei der anstehenden Konferenz der Vorsitzenden aller weltweiten Bischofskonferenzen im Vatikan Ende des Monats, bei der es vor allem um den Missbrauchsskandal gehen soll, soll der Kardinal aus München die "systemischen Gründe" ansprechen, die die Taten an Minderjährigen in der katholischen Kirche begünstigen, wie die Missbrauchsstudie klar machte. Menschen dürften nicht "in der Kirche den guten Hirten suchen und dabei unter die Wölfe kommen".
Mittlerweile hat sich der katholische Unterstützerkreis für die Reformforderungen ausgeweitet. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse wenden sich in einem gemeinsamen Gastbeitrag für die Zeit an die deutschen Bischöfe im Allgemeinen und Reinhard Marx im Besonderen: "Wenn ein Fundament Risse bekommt, kann man das Haus nicht mit Reparaturen an der Fassade retten, sondern muss die Grundfesten erneuern. Deshalb unterstütze ich aus vollem Herzen den Aufruf an die deutschen Bischöfe", appelliert Grütters. "Schluss mit Vertuschungen, personelle Konsequenzen, Übergabe von Missbrauchsfällen an die staatliche Justiz, echte Gewaltenteilung auch in der Kirche, also unabhängige Gerichtsbarkeit. All das sollte so bald wie möglich eine Selbstverständlichkeit sein, all das sollte öffentlich sichtbar werden – um der Glaubwürdigkeit der Kirche willen!", schreibt Thierse. Die Kirchen müssten "der Gesellschaft endlich ein positives und nicht wie bisher ein negatives Beispiel geben", dafür müsse das "klerikale Sonderbewusstsein" weg.
Die Laienbewegung Wir sind Kirche unterstützt die Reformforderungen an die Bischöfe mit einer Onlinepetition, die innerhalb von fünf Tagen bereits 1.500 Personen unterzeichneten.
Auf der anderen Seite kritisiert das Forum Deutscher Katholiken, ein Zusammenschluss aus "papst- und kirchentreuen" Gläubigen, den offenen Brief. Die Verfasser würden die Missbrauchsfälle für ihre eigenen Ziele instrumentalisieren. Besser sei es, gemäß dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, Glaubwürdigkeit "im Gehorsam gegenüber Gottes Wort" zurückzugewinnen und verstärkt auf Katechese und Verkündigung zu setzen, berichtet katholisch.de. Vom Kardinal selbst gibt es keine Erwiderung. Offene Briefe kommentiere man generell nicht, sagte ein Sprecher des Erzbistums München-Freising dem hpd.
Kommentare (15)
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Reformen, mutige gar?
Reformen, mutige gar?
Weiheamt für Frauen öffnen?
In der RKK?
Hahaha.
Eher friert die ...
... oder geht das Kamel ...
Nach über 1700 Jahren haben
Nach über 1700 Jahren haben diese Trottel noch immer nicht kapiert, daß ihr Verein keine demokratische Veranstaltung ist. Ich dränge auf ihre Exkommunikation (Scheiterhaufen sind ja nicht mehr so populär...).
Ihre Wortwahl spricht auch
Ihre Wortwahl spricht auch nicht gerade für Ihre Kritikfähigkeit. Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein - oder sollte eine Heiligensprechung für Sie geplant werden....?
Wie schließt man von Klartext
Wie schließt man von Klartext auf "mangelnde Kritikfähigkeit"? Was meinen Sie mit "Grube"? Und wo habe ich mir eine "Heilig(en?)sprechung" gewünscht? Das nächste Mal geben Sie sich doch bitte mehr Mühe mit Ihrer Ansprache, danke.
Servus, Außerhoferin! Die
Servus, Außerhoferin! Die sogenannten Christen (aller coleur), die ich im Laufe meines Lebens etwas näher kennenlernen durfte, müßten nach kirchlicher Rechtsauffassung ALLE exkommuniziert werden, denn sie legen sich alle (mehr oder weniger) einen privat zurechtgebastelten Glauben zu, der mit Bibeltreue und Pfarrers Predigt nicht mehr allzuviel zu tun hat:"Ja mei, woast, an ois glaab i jo aa net, des mit dera jungfräulichen Empfängnis, des glaab i net, und dass er zum Himmi aufi g'fahrn is, des glaab i aa net, aba sonst scho, ja! Und auf mei Kircha laß i nix komma, und auf'n Herrn Pfarrer scho glei gar net! host mi?" Und mit diesem "Sonst scho-Glauben wird dann gleich die ganze Kirche mit all ihrem Unwesen verteidigt!
Host mi, Außerhoferin?
Servus, habe die Ehre!
es ist gut, dass Sie auf
es ist gut, dass Sie auf Bibeltreue pochen. Sie haben da wohl viel verstanden. Ansonsten ist Ihre Antwort wohl eher ein Faschingsscherz!
Die Worte »Reformen« und
Die Worte »Reformen« und »katholische Kirche« in einem Satz zu verwenden, bezeichnet man als »intrinsische Satire«.
Wozu Reformen, wenn man ewige Wahrheiten hat?
Papier ist geduldig! Und
Papier ist geduldig! Und solange der Boss von oben keine Einwände geltend macht, bleibt es bei einem Schriftstück. So ein Miststück! Kirche und Reformen? Ach du lieber Gott!
Dabei rennt man gegen eine
Dabei rennt man gegen eine Mauer von Verlogenheit, Habgier, Machtgier und den absoluten Willen, keinen Deut davon abzuweichen. Alles was an Worten von den Klerikern dazu kommt, ist reine Heuchelei. Mir tun die Gemeindepfarrer leid, welche noch mit Engagement für die Sache der Kirchen einstehen ohne zu durchschauen worum es wirklich geht. Diese sind die brauchbaren Idioten für die Kirchen beider Konfessionen.
Keiner der Kirchenfürsten, ob Bischof oder Kardinal und was es da sonst noch alles gibt,
glaubt wirklich an "Gott" sondern huldigt dem Gott Mammon. Wir alle, ob wir wollen oder nicht müssen dank unserer schwachen Staatsführung, welche nicht den Mut hat oder auch nicht den Willen, diese Parasiten seit ewigen Zeiten Übergebühr finanzieren.
Damit MUSS endlich Schluß sein, wir leben schließlich im 21 sten Jahrhundert
und wenn nicht jetzt, wann dann!
G.B.
Netter Versuch, jedoch
Netter Versuch, jedoch vergebene Liebesmüh'. Die Rufe nach Veränderung in der RKK gibt es schon so lange, geändert hat sich nix.
Haben Sie schon Kapituliert ?
Haben Sie schon Kapituliert ? nur steter Tropfen höhlt den Stein!
Man sollte davon ausgehen,
Man sollte davon ausgehen, dass die Briefschreiber ihren Katechismus und die Aussagen ihres Papstes gut genug kennen, um zu wissen, dass das Verhältnis Bischof zu Laie heute vor allem ein Vater-Kind-Verhältnis ist.
Katechismus der r.k.K. unter Absatz: 4 DIE CHRISTGLÄUBIGEN -HIERARCHIE, LAIEN, ORDENSLEUTE : „896 Bei der Ausübung des Hirtenamtes soll dem Bischof der gute Hirt als Vorbild und „Gestalt" dienen. ... Er soll sich nicht weigern, seine Untergebenen zu hören, die er wie seine wahren Kinder hegt ... Die Gläubigen aber müssen dem Bischof anhangen wie die Kirche Jesus Christus und wie Jesus Christus dem Vater" (LG 27).“
Dementsprechend hat Bergoglio erst kürzlich die Bischöfe aufgefordert, „Väter“ zu sein.
So gelten also nach wie vor die Bilder vom Hirten und der (Schaf-)Herde, vom Vater und den Kindern und vom Fürsten (zwar nicht expressis verbis aber de facto) und den „Untergebenen“, die er zwar „hören soll“, die ihm aber „anhangen“ (sprich: gehorsam) sein sollen.
Wir sehen also auf der einen Seite eine Gruppe von nörgelnden Kindern und auf der anderen Seite eine Gruppe von braven Kindern, die die andere Gruppe tadelt und dazu auffordert, dem Pappa zu gehorchen.
Dass r.k.K. und Reformieren ein Widerspruch in sich ist, wurde bereits erwähnt, es ist aber auch vollkommen unnötig. Reformierte Kirchen haben wir doch schon „weiß Gott“ genug; ich bin sicher auf dem Marktplatz der EKD wird sich schon eine finden, die den Ansprüchen der Biefeschreiber gerecht wird.
Zitat: "offene Briefe
Zitat: "offene Briefe kommentiere man generell nicht"
Was ist das für eine unglaubliche Arroganz dieser "Gottesmänner" !
Und Frage: Bitte, wer ist "man?
Ein arrogantes, ignorantes Pack ist das doch. Pfui!
Das Problem, sie können und
Das Problem, sie können und wollen auch nicht antworten, denn dazu bedarf es einen gesunden Menschenverstandes. Mensch und Verstand, zwei unlösbare Dinge bei der Kirche.
Das ist keine Arroganz sondern schlichtes Versagen aufgrund 2000 Jahre grassierender unheilbarer Dummheit. Christenirrtum eben.
Kirche bleibt Kirche und wenn
Kirche bleibt Kirche und wenn daraus ein Reformhaus wird, wäre das ein echtes Wunder....