USA

Viele Amerikaner gläubiger wegen Corona

Ein Viertel der US-Amerikaner ist nach eigener Auskunft durch den Ausbruch der Corona-Pandemie gläubiger geworden als zuvor. Lediglich 2 Prozent fühlen sich durch Corona in ihrem religiösen Glauben geschwächt, so das Ergebnis einer Meinungsumfrage des US-amerikanischen Pew Research Centers.

Für nicht-religiöse Menschen ist die Corona-Pandemie eine natürliche Katastrophe, die durch die Anstrengungen der Wissenschaft und rationale, evidenzbasierte Maßnahmen mehr oder weniger beherrschbar ist. Einen Sinn in der Pandemie zu suchen, ist für sie ebenso sinnlos wie einen Sinn in einem Erdbeben zu suchen.

Religiöse Menschen haben es schwerer. Für sie wird das Geschick der Menschheit von unsichtbaren Göttern geleitet. Auf eine Katastrophe wie die Corona-Pandemie muss religiöses Denken zwangsläufig mit Sinnsuche reagieren. Eine solche Katastrophe kann beispielsweise  gesehen werden als eine Strafe für Fehlverhalten gegenüber den eigenen Göttern oder als eine Prüfung des Glaubens, die nur durch noch stärkeren Glauben bestanden werden kann. Andererseits bieten Katastrophen Gläubigen auch die Chance, über den eigenen Glauben zu reflektieren, dabei festzustellen, dass die Katastrophe nicht mit dem bislang geglaubten Bild eines gütigen Gottes in Einklang zu bringen ist, und den Glauben hinter sich zu lassen.

Eine Umfrage des US-amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center hat nun ermittelt, für welchen Weg sich die Gläubigen in den Vereinigten Staaten während der Corona-Krise entschieden haben. 24 Prozent, also fast ein Viertel der befragten erwachsenen US-Amerikaner, erklärten in der Umfrage, dass ihr Glaube durch die Corona-Pandemie stärker geworden ist, nur 2 Prozent sagten hingegen, dass er schwächer geworden sei. 47 Prozent der Befragten teilten mit, dass ihr Glaube sich nicht wesentlich verändert habe, während 26 Prozent erklärten, dass sie die Frage nicht beantworten könnten, da sie auch vor der Pandemie nicht religiös gewesen seien.

Deutliche Unterschiede bei der Beantwortung der Frage zeigten Angehörige unterschiedlicher religiöser Strömungen. Christen wiesen die deutlichste Tendenz einer Glaubensverstärkung auf. Am ausgeprägtesten ist dieser Trend bei Angehörigen traditionell schwarzer protestantischer Kirchengemeinden, deren Glauben sich bei 56 Prozent der Befragten durch die Corona-Pandemie verstärkt hat. Bei Evangelikalen waren es 42 Prozent, bei Katholiken 27 Prozent sowie 22 Prozent bei Angehörigen moderater protestantischer Kirchengemeinden. Von den befragten Juden erklärte hingegen eine deutliche Mehrheit von 69 Prozent, dass sich ihr persönlicher Glaube durch die Pandemie nicht verändert habe. 22 Prozent von ihnen sagten, dass die Frage auf sie nicht anwendbar sei, weil sie nicht religiös seien und nur bei 7 Prozent wurde der Glaube in Folge der Pandemie stärker.

Auch in Hinblick auf Hautfarbe, Alter und Geschlecht unterschieden sich die Antworten. Bei deutlich mehr schwarzen und hispanischen als bei weißen Amerikanern ist durch die Corona-Pandemie der Glaube stärker geworden. Ebenso traf dies deutlich eher auf Frauen und ältere Erwachsene zu als auf Männer und jüngere Erwachsene. 

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Kommentare (7)

Petra Pausch (nicht überprüft)

Di. 5 Mai 2020 - 10:37

Wen wundert’s? Bei dem Präsidenten hilft nur noch beten und die Hoffnung, dass es nicht noch schlimmer wird.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Di. 5 Mai 2020 - 11:10

"Eine solche Katastrophe kann beispielsweise gesehen werden als eine Strafe für Fehlverhalten gegenüber den eigenen Göttern oder als eine Prüfung des Glaubens, die nur durch noch stärkeren Glauben bestanden werden kann" - wer den Schwachfug einmal von Grund auf durchschaut hat, betet nie wieder. Doch, das geht.

Gerhard Baierlein (nicht überprüft)

Di. 5 Mai 2020 - 12:57

Wo ist da die Logik, wenn man die Pandemie Gottes Willen zuschreibt und daraus schließt,
dass man noch stärker an den Verursacher derselben glaubt.
Mit gesunden Menschenverstand hat das nichts mehr zu tun, aber der ist ja bei Gläubigen sowieso nicht zu erwarten.

Konrad Schiemert (nicht überprüft)

Di. 5 Mai 2020 - 14:27

"Bei Evangelikalen waren es 42 Prozent..."
Reine Spekulation: Der religionsabhängige Prozentsatz ist von mehreren Kriterien abhängig. Zwei von diesen Kriterien:
1. Der Bildungsniveau bei Evangelikalen ist das niedrigste unter den untersuchten Religionen.
2. Die Evangelikalen lassen sich am besten steuern, sie haben die größte Angst von einer Bestrafung vom Gott oder von der Gemeinde, wenn sie ausscheren.

Roland Fakler (nicht überprüft)

Di. 5 Mai 2020 - 15:09

Je schwächer der Mensch ist, desto mehr flüchtet er in den „Glauben.“ Man nennt das dann „Altweiberglaube.“

Manfred Schleyer (nicht überprüft)

Di. 5 Mai 2020 - 16:08

Not lehrt beten. Und ohne soziale Sicherungssysteme kann man schnell in Nöte kommen. Auch deshalb sind die USA ein so religiöses Land: God's own country! Zudem gebot Jesus Christus nur individuell-sporadische Hilfen, aber keine systematisch-langfristigen Sicherungssysteme. Göttlich und christlich sein bedeutet rückständig und inhuman sein.

Daniela Wakonigg

Die Autorin ist studierte Philosophin, Theologin und Germanistin. Sie lebt in Münster (Westf.) und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für Hörfunk- und Print-Medien. Sie ist u. a. Redakteurin der Zeitschrift MIZ und war von 2016 bis Anfang 2024 stellvertretende Chefredakteurin des hpd.

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