Aus für das Corona-Krankenhaus von Prediger Franklin Graham

New York
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Das Corona-Behelfskrankenhaus des umstrittenen evangelikalen Predigers Franklin Graham in New York wird innerhalb der nächsten Wochen geschlossen. Das gab Senator Brad Hoylmann am Freitag bekannt.

Graham gilt als religiöser Hardliner und sorgt immer wieder durch die Diskriminierung von Homo- und Transsexuellen für Schlagzeilen. Ende März hatte seine christlich-fundamentalistische Organisation "Samaritan's Purse" im New Yorker Central Park eine provisorische Klinikanlage mit 14 Zelten und 68 Betten errichtet. Dort sollten Patient*innen aufgenommen werden, die im nahe gelegenen Mount Sinai Beth Israel Hospital keinen Platz mehr fanden.

Doch selbst inmitten der Pandemie hielten die Evangelikalen an ihren rückschrittlichen Grundsätzen fest. Nicht nur, dass sie durch Missionierung offensiv versuchten, neue Schäfchen für ihre Herde zu gewinnen. Von Ärzt*innen und Pfleger*innen, die mithelfen wollen, verlangten sie eine Art christliches Glaubensbekenntnis (Statement of Faith). So mussten sie per Unterschrift die monogame Hetero-Ehe zwischen Cis-Personen als einzige gottgewollte Form der Partnerschaft abnicken. Gleichermaßen dogmatisch lesen sich die übrigen Punkte des Glaubensbekenntnisses: Höllenqualen für alle Nichtgläubigen gehören ebenso selbstverständlich dazu wie das rigorose Nein zum Schwangerschaftsabbruch.

Bereits kurz nach Eröffnung des Behelfskrankenhauses, am 30. März, hatte der offen schwule New Yorker Senator Brad Hoylman die Krankenhausleitung via Twitter aufgefordert, allen Patient*innen gleichermaßen respektvoll entgegenzutreten. Am selben Tag teilte Bürgermeister Bill di Blasio, mit, dass "Samaritan's Purse" zugesagt habe, dass es keine Diskriminierungen geben werde. Di Blasio ist als LGTBI-freundlich bekannt.

Kritik und Protest kam von der New Yorker Initiative "Reclaim Pride", in der sich verschiedene LGTBI-Gruppen zusammengeschlossen haben. Die Reclaim-Pride-Vertreterin Ann Northrop äußerte sich "entsetzt" über die Kooperation des Krankenhauses mit den Evangelikalen: "Trotz all seiner Versprechen, niemanden zu diskriminieren, wettert Franklin Graham seit Jahren, dass LGTBI-Personen eine Gefahr für Kinder darstellten und der Islam eine gefährliche Religion sei. Weiter nennt er Missionierung für Jesus als seine oberste Priorität, noch vor der medizinischen Versorgung."

Auf keinen dieser Kritikpunkte gehen Mount Sinai und "Samaritan's Purse" in ihrer gemeinsamen Erklärung zur Beendigung der Kooperation ein, die am am Samstag veröffentlicht wurde. Sie belassen es dabei, Dankbarkeit auszudrücken für die Möglichkeit zusammenzuarbeiten und eine "qualitativ hochwertige medizinische Versorgung für 315 mit dem Virus infizierte Patienten" zu gewährleisten. Weiter kündigten sie an, dass "Samaritan's Purse" in den nächsten zwei Wochen das Behelfskrankenhaus schließen und seine Zelte im Central Park abbrechen werde.

Senator Hoylman äußerte sich erleichtert über die Entscheidung und begrüßte Mount Sinais Vorstoß zu einem Zeitplan für Grahams Abschied "aus einer Stadt, in der LGBTQ-Menschen respektiert würden."

Franklin Graham ist Sohn des berüchtigten, 2018 verstorbenen Predigers Billy Graham und setzt dessen Werk in vielerlei Hinsicht fort. In seiner diesjährigen Osteransprache bezeichnete er das Coronavirus, ebenso wie Krebs oder Diabetes, als Strafe Gottes für die Sünden der Menschheit. Kritiker*innen werfen ihm außerdem Propaganda für sogenannte "Homo-Heilungen" vor.

Ausgerechnet kurz vor dem geplanten Kölner CSD, für den 20. Juni, war ein Auftritt Grahams in der Domstadt angesetzt, der jedoch wegen der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben wurde. Ein Termin steht noch nicht fest.

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Kommentare (3)

Markus Schiele (nicht überprüft)

Di. 5 Mai 2020 - 15:06

Bei dem Namen der Organisation "Samaritan's Purse" kommt mir die Bibellegende von barmherzigen Samariter in den Sinn. Falls sich die Organisation darauf beziehen sollte, wäre das an Absurdität und Ignoranz nicht zu übrbieten. Geht es in der Legende doch gerade darum, dass der Samariter OHNE Ansehen oder Ansichten der Person bedingungslose Hilfe geleistet hat. I'm not amused!

Kathi (nicht überprüft)

Di. 5 Mai 2020 - 21:19

Richtig so. Das würde ich mir auch von deutschen Staatsoberhäuptern wünschen. Die Diskriminierung von Homosexuellen, Frauen etc steht doch bei den Kirchen auf der Tagesordnung. Und da es sich ja um die ach so " heiligen" Kirchen handelt, werden hier Verstösse gegen Menschenrechte und auch mal gegen geltendes Recht einfach legalisiert durch die Privilegierung der Kirchen. Ein dickes Lob an die Amtierenden in New York. In etlichen Staaten der USA werden auch wesentlich mehr Missbrauchsfälle der Kirchen aufgedeckt. Aber hier sind die Teppiche von Kirche und Staat ja sehr groß, wo man alles drunter kehren kann. Mal sehen, wie lange unsere Gesellschaft noch braucht, bis sie die Manipulation der Kirchen erkennt und entsprechende Konsequenzen zieht.

Nicht nur, dass mehr Fälle aufgedeckt werden, die Fälle werden dort im Gegensatz zu Deutschland auch verfolgt. Die Klagen, die bei den für die 27 Diözesen zuständigen Staatsanwaltschaften eingereicht wurden, sind weitestgehend im Sande verlaufen. Nein, bei uns darf der Klerus tausende Fälle von Kindesmißbrauch selbst "aufarbeiten". Das dürfte weltweit einzigartig sein.

Inge Hüsgen

Die Autorin ist die Chefredakteurin des "Skeptiker", der Vierteljahreszeitschrift der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) sowie Redakteurin beim Humanistischen Pressedienst.

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