Pegida und die menschenfeindlichen Aufmärsche
BERLIN. (hpd/rfm) Der Rat für Migration verurteilt entschieden die völkischen Aufmärsche, die sich seit einigen Wochen etablieren. Sie werden getragen von menschenfeindlichen Meinungen über Asylbewerber, Flüchtlinge und vor allem einer verallgemeinernden Abwertung von Muslimen.
Die Fokussierung auf eine religiöse Minderheit und infame Unterstellung einer “Islamisierung des Abendlandes” widerspricht nicht nur den Tatsachen, sondern auch den zivilisatorischen Fortschritten der letzten Jahre. Gerade in Deutschland sollten wir sensibel sein, wenn eine religiöse Minderheit zum Sündenbock für strukturelle Probleme gemacht wird. Wo im Vorfeld des Nationalsozialismus vor der “Verjudung” der deutschen Gesellschaft gewarnt wurde und der Druck und die Krisen der Weltwirtschaftskrise sich gegen eine religiöse Minderheit kanalisierten, wird heute eine “Islamisierung des Abendlandes” mit einer Propaganda herbeifantasiert, die sich gegen jede Vernunft abschottet.

Der Verweis auf den Islam als Kernproblem dient dazu, mit einem gesellschaftlich abrufbaren Feindbild die Heterogenität der Unsicherheiten zu überdecken und eine Aktionseinheit herzustellen. Die Angst vor einer “Überfremdung” der Gesellschaft formuliert ein vermeintlich auf der nationalen Ebene lösbares Problem (weniger Fremde reinlassen), während internationale Konflikte wie die Euro-Krise, die auseinanderdriftende Schere zwischen reich und arm oder die IS-Gräueltaten als unlösbar erscheinen. Die falsche Problemdiagnose lenkt von der Suche nach Lösungen für die realen Probleme ab, die in Angst vor Altersarmut, sozialem Abstieg oder der Bewältigung der Herausforderungen durch Zuwanderung liegen können. Auch der Anpassungsdruck an ein als Einwanderungsland definiertes Deutschland und ein jahrelang ignoriertes und nicht bearbeitetes rassistisches Reservoir an Stereotypen zählen dazu.
Das von einigen Politikern formulierte Credo, man müsse die Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen, führt in die Irre, wenn man sich an den tatsächlich artikulierten und verbalisierten Ängsten orientiert. Diesen liegt vor allem ein großes Wissensdefizit zugrunde, was Aussagen wie die Angst vor einer Unterwanderung durch den Islam nahe legen oder die Vorstellung, dieser könne Staatsreligion in Deutschland werden. Um mit einem Zitat aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu schließen: “Nicht die Islamisierung des Abendlandes ist deshalb die größte Gefahr für die Demokratie in Deutschland und anderswo. Sondern die Verdummung.”
Der Rat für Migration (RfM) ist ein bundesweiter Zusammenschluss von 79 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen. Seine zentrale Aufgabe sieht der RfM u. a. darin, politische Entscheidungen und öffentliche Debatten über Migration, Integration und Asyl kritisch zu begleiten.
Kommentare (2)
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„Diesen liegt vor allem ein
„Diesen liegt vor allem ein großes Wissensdefizit zugrunde“ Die dumme Bevölkerung hat nur ein „Wissensdefizit“. Genau wie bei der Rente. Die ist doch auch sicher, wie uns seriöse Politiker über Jahre glaubhaft versichert haben.
„man müsse die Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen, führt in die Irre,“ Der Pöbel ist dumm. Die allseits gut informierten politisch korrekten Eliten sollten am besten gleich direkt die Macht übernehmen. Wozu noch Wahlen? Sie sind die ultimativen Durchblicker, die sich nicht wie der Pöbel durch böse Demagogen beeinflussen lassen. Sie allein führen uns ins gelobte Land.
Das Phänomen PEGIDA mit
Das Phänomen PEGIDA mit "Verdummung" erklären zu wollen, halte ich für arrogant. Meiner Meinung nach sollte man die Teilnehmer an diesen Demonstrationen mit Respekt behandeln. Ist es verwunderlich, dass die Saat eines Thilo Sarrazin und gewisser Politiker aus den C-Parteien aufgeht? Beispielsweise die Saat von Herrn Kauder, welcher sagt, dass es nie eine Islampartei in Deutschland geben dürfe. Die Wahnvorstellung, dass Deutschland islamisiert werde, ist Ausdruck einer psychischen Erkrankung, welche durchaus intelligente Menschen befällt. Wir sollten uns fragen, ob es nicht sogar besser ist, dass er sich in der Öffentlichkeit artikuliert, statt im Unterbewusstsein zu verharren. Selbstverständlich ist Aufklärung wichtig und richtig, doch lassen sich damit die Menschen, welche schon dem Wahn verfallen sind, kaum ansprechen. Leider verstärken Medien wie die Bildzeitung auf demagogische Weise die verzerrte Wahrnehmung der Realität bei nicht wenigen ihrer Leser und führt sie so in den Wahn hinein, aus dem es kaum noch ein Entrinnen gibt.